Ratgeber

Hitzewallungen: Helfen Hormone?

Was tun bei Hitzewallungen in den Wechseljahren? Doch Hormone nehmen? Wie gefährlich ist das? Alles über Hitzewallungen.

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Hitzewallungen: Wann Hormone helfen

Roter Kopf, nass geschwitzte Bluse, gereizte Stimmung und das alles bei einem wichtigen Jobtermin oder kurz bevor die Gäste zum Abendessen klingeln. Hallo, Hitzewallungen.

Bis vor ein paar Jahren hätten die meisten Frauen sich das kein zweites Mal zugemutet. Sie wären zu ihrem Arzt gegangen und hätten sich Hormone verschreiben lassen - lange Zeit gängige Praxis. Hormontherapie galt als das Allheilmittel gegen aufsteigende Hitze und andere klimakterische Beschwerden, als Jungbrunnen-Therapeutikum für alle Frauen über 50. Sie wurde nach dem Gießkannen-Prinzip verteilt, zum Wohl der Frauen, wie die Mediziner meinten. Und zur Freude aller, die Hilfe suchten.

Jahrzehntelang, bis 2002. Als die große amerikanische WHI-Studie (Women's Health Initiative Study) zeigte, dass Hormonpräparate das Risiko nicht nur für Brustkrebs, sondern auch zum Beispiel für Herzinfarkte erhöhen können, geriet diese Praxis in die Kritik. Die Zahl der Verordnungen sank drastisch. Heute ist die Hormoneuphorie in Ablehnung umgeschlagen, Hormonpräparate haben einen schlechten Beigeschmack. Aus Angst vor Krebs und anderen gefährlichen Nebenwirkungen versuchen die meisten Frauen, ohne solche Mittel auszukommen. Doch was tun, wenn die Wechseljahre Beschwerden bereiten?

Für die Mehrzahl der Ärzte ist dies nach wie vor keine Frage: Sie halten die Risiken einer Hormontherapie für überbewertet, wie Befragungen zeigen. Viele greifen deshalb auch heute noch zum Rezeptblock. Zu schnell, kritisiert Dr. Carmen Alice Kirstgen. Die Gynäkologin, Ärztin für Naturheilverfahren und Systemische Therapeutin aus der Nähe von Darmstadt, ist strikt dagegen, alle Frauen über einen Kamm zu scheren und bei Wechseljahresbeschwerden sofort reflexartig Hormone zu verschreiben.

Das sieht auch Professor Rolf Kreienberg so. "Die Hormontherapie hat zweifelsfrei eine Reihe von Nutzen. Dennoch muss ihr Einsatz gründlich abgewogen werden, da sie gesundheitliche Risiken bergen kann", sagt der Ärztliche Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). Unter deren Federführung haben deshalb jetzt 18 deutsche ärztliche Fachgesellschaften und zwei Patientinnen- Organisationen gemeinsam eine Leitlinie zur Hormontherapie in den Wechseljahren erarbeitet. Darin werden erstmals eindeutige Aussagen gemacht, die man bisher in dieser Deutlichkeit von den Gynäkologen vermisst hat.

Die Quintessenz: Eine Hormontherapie sollte nur bei ausgeprägten Beschwerden verordnet werden und dann auch nur für eine kurze, begrenzte Zeit und mit geringster Dosis. Also: nie ohne klaren Grund und so kurz und so niedrig dosiert wie möglich.

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  • Text: Sabine Thor-Wiedemann
    Foto: Corbis
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