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Graue Haare färben? Schluss damit!

Graue Haare färben? Nein! Ein ganz persönliches Plädoyer für graue Haare von BRIGITTE WOMAN-Mitarbeiterin Sabine Reichel.

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Alt und grau kannst du werden, aber nicht frech", scherzte mein Vater, einst ein eleganter Mann mit grauen Schläfen, immer. Ich bin tatsächlich alt und grau geworden, frech war ich sowieso immer. Und ich habe der Versuchung widerstanden, meine sich ab 50 langsam versilbernden Haare zu färben. Auch wenn Frauen wie Iris Berben, Andy McDowell und neuerdings Diane Keaton begeistert für gewisse Haarfärbeprodukte werben, die versprechen: "Deckt die ersten grauen Haare ab", so als wäre es eine schleichende Krankheit. Was sehr viele Frauen so sehen. "Nein, ich bin noch nicht bereit, mich als alte grauhaarige Frau zu sehen!", sagt meine Freundin. Nur machen dunkel gefärbte Haare nicht unbedingt jünger. Und die störrische Behauptung der fanatischen Färberinnen, dass man nicht sieht, dass graue Haare überfärbt sind, ähnelt derjenigen, dass man nicht gespritzte Lippen, Brustvergrößerungen und zu weiße Zahnkronen erkennen kann. Und sie ist natürlich falsch - finde ich.

Graue Haare sind schön!
Die meisten Männer finden silber- und grauhaarige Frauen sehr attraktiv und "interessant".

Die Gesellschaft ergraut langsam, denn es gibt mehr Alte als Junge. Ablehnung oder Akzeptanz dieses Zustandes hat sicherlich auch etwas damit zu tun, wie man grau wird. Da gibt es die subtil Silbrigen, deren Haare einfach langsam heller und grauer werden, in hübschen natürlichen Strähnen. Und zwar genau die, die man sich früher in mittelblonde Haare mühsam einfärbte. Dann gibt es die Salz-und-Pfeffer- Grauhaarigen, total elegant. Oder die mit der einzelnen Dachs-Strähne im dunklen Haar. Sehr distinguiert.

Graue Haare färben - warum eigentlich?

Der Jugendkult wird zu Recht beklagt. Grau zu werden ist ein natürlicher Zustand, unterliegt nicht unserer Kontrolle und verrät etwas über unser Alter. "Ich bestimme selbst, wie alt ich bin", trumpfen viele Frauen auf und sehen Haarefärben als Emanzipationsakt. Permanent jung und hübsch auszusehen, so als wäre man in einer Zeitzone eingefroren, ist deshalb heute zu einer anstrengenden Obsession geworden, die Stress macht (und vermutlich noch mehr graue Haare produziert). Und immerzu die Möglichkeit zu haben, dem rasch voranschreitenden Alter mit einer Armada von eigentlich gewalttätigen Zeitstoppern beikommen zu wollen, stiehlt genau die Zeit, die man jetzt ab 50 als kostbarer denn je empfindet. Die amerikanische Schauspielerin Jamie Lee Curtis, 48, hatte mit 40 Jahren genug von der Färberei. "Ich fand es einfach beschämend, derartig viel Zeit unter diesem hässlichen Frisierumhang zu verbringen." Seitdem trägt sie Grau und Kurz, und alle lieben sie dafür. "Ich empfinde es als unglaubliche Freiheit, so etwas Unnatürliches wie Haarfärberei aus meinem Leben zu streichen."

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  • Produktion: Bénédicte Mohr
    Fotos: Frank Grimm, Jeannette Corbeau
    Haare und Make-up: Amelie Holmberg
Letzte Kommentare
  • lisbeth
    am 17.05.12 um 16:37
    bin eine ungefärbte, braunmelierte, Grauhaarige (49) und dies seit ca. 10 Jahren, mit einem, wie man mir immer wieder sagt, sehr jungen Gesicht dazu, was zu Irritationen führt. Ich bin grundsätzlich friseurfaul, also nur einen guten Schnitt alle 2-3 Monate, deswegen eine "neue" Haarfarbe praktisch unmöglich. Die ganzen schon genannten Sprüche meiner Vorrednerinnen, von "Du bis aber mutig", "Wirst schon ganz schön grau"... kenne ich ich zur Gänze und ärgern mich immer noch. Die positive Sichtweise der Männer kann ich nicht bestätigen, attraktiv ja, sexy eher nein. Auch bei der Jobsuche möchte ich behaupten, dass grauhaarige 40- jährige, bei gleicher Qualifikation, deutlich weniger Chancen haben auf eine Einladung zum Bewerbungsgespräch, als ihre blondierten oder brünetten Kolleginnen. Und hier ist es dann auch gleich gar nicht mehr so lustig. Ein Punkt noch: es ist schön, aufzufordern zur Natur zu stehen, aber das muss dann auch ohne Rot auf den Lippen und Wimperntusche
  • jule-kira
    am 04.04.12 um 22:23
    schön wären auch Tipps wie man von einer einmal angefangenen Färberei wieder zurück zum Nichtfärben kommt... Wie umgeht man den weißen Streifen der immer breiter wird in kastanienbrauen Haaren *grübel
  • eq
    am 24.02.12 um 18:13
    Voll Erstaunen und Interesse betrachtete ich mit 23 Jahren auf meinem Kopf mein erstes graues Haar. Es war anders als alle anderen und für mich etwas besonders. Mit der Zeit gesellten sich unzählige seiner Art hinzu. Die Jahre vergingen und mit ihnen alterte ich, sammelte Erfahrungen und reifte zur Persönlichkeit im Abenteuer des Lebens. Wenn feine im Licht glitzernde Spinnfäden, mit Tautropfen wie aufgereihte Perlen, die Natur schmücken sprechen wir vom Altweibersommer. Meine Assoziation, eine hübsche und zugleich zerbrechliche Symbolik zu silbernen Haaren im menschlichen Lebenslauf.
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