Arganöl Kosmetik
Die härteste Nuss kommt aus Marokko...

Die knacken die Berberfrauen, die im Südwesten Marokkos aus den Samen des Arganbaumes Öl gewinnen. Das Arganöl gilt mittlerweile in der Kosmetik als eine Art Wundermittel - für die arme Region ist es sicher eins.

  •  
  •  

Bei den Berberfrauen sieht es ganz leicht aus.

Die nehmen einfach einen faustgroßen Stein in die Hand und schlagen einmal beherzt auf das harte Innere der Arganfrucht, das aussieht wie eine Haselnuss mit Schale: Die Nuss ist geknackt, und man kann ein, zwei mandelförmige Kerne rausklauben.

Immer der erste Schritt bei der Ölherstellung: Berberfrauen zerschlagen mit einem Stein die harte Schale der Argannuss. Keine Maschine kann das.

Immer der erste Schritt bei der Ölherstellung: Berberfrauen zerschlagen mit einem Stein die harte Schale der Argannuss. Keine Maschine kann das.

Der Selbstversuch ist dagegen ein Flop: Ein Schlag - die Nuss bleibt heil. Ein zweiter Schlag - wieder nichts. Die Nuss muss aus Stahl sein. Ein dritter Schlag, diesmal mit Schmackes, die Nussschale fliegt durch die Luft, der Mandelkern ist jedoch fein zerbröselt.

Dass die Berberfrauen hier im Südwesten Marokkos sich besser anstellen als jede Touristin, ist allerdings auch nicht erstaunlich. Seit vielen Generationen pressen und nutzen sie das "marokkanische Gold", das aus den Samen des dornigen Arganbaumes gewonnen wird: zum Kochen, aber auch zur Gesichts- und Körperpflege, als Heilmittel gegen Akne, zur Vorbeugung von Schwangerschaftsstreifen, als Massageöl für Babys und noch vieles mehr.

Da der Arganbaum ausschließlich im trockenen Südwesten Marokkos wächst, war das Öl in anderen Ländern lange nahezu unbekannt. Das hat sich allerdings mittlerweile geändert: Erst entdeckte die Slow-Food-Bewegung das teure, nussig schmeckende Öl, von dem nur ein paar Tropfen reichen, um Gerichten ein besonderes Aroma zu verleihen. Dann tauchte es in den ersten Cremes von kleinen Naturkosmetikherstellern auf. Und nun hat Arganöl sogar den so genannten Massenmarkt erreicht: Vor Kurzem hat der Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf unter seiner Marke Florena eine Pflegeserie mit Sheabutter und Arganöl herausgebracht.

Arganöl ist ein natürliches Anti-Aging-Mittel.

Beliefert wird Florena von der in Agadir ansässigen Produktionsstätte Marogania. Hier werden die Samen tagelang zwischen schweren, hydraulisch zusammengedrückten Matten gepresst, um daraus das Öl zu gewinnen. "Der Absatz von Arganöl ist enorm gestiegen. Wobei man allerdings sagen muss, dass der vor ein paar Jahren fast bei null lag und von diesem Niveau aus jedes Wachstum enorm ist. Trotzdem ist Arganöl immer noch ein Nischenmarkt", sagt Philippe Garidou, der im französischen Mutterkonzern von Marogania für den Verkauf verantwortlich ist.

Arganöl ist teuer, was hauptsächlich daran liegt, dass die Frucht so extrem unergiebig ist. Garidou rechnet vor: Von 100 Kilogramm der olivenähnlichen Arganfrüchte bleiben nach Entfernung des Fruchtfleisches und der harten Kernschale durchschnittlich gerade mal drei Kilogramm Kerne übrig. Aus denen gewinnt man nach kalter Pressung einen Liter Öl. Das heißt: Für einen einzigen Liter Öl braucht man die Früchte von bis zu zwei Bäumen.

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  • Text: Sonja Niemann
    Fotos: Gerd Ladebeck
  •  
  •  
Sie interessieren sich für unsere Themen? Kostenlosen Newsletter bestellen