Das Leben genießen
Was ist schön?
Was ist schön? Lange Beine sind schön, die Alpen und das Meer, die Musik von Johann Sebastian Bach oder Liz Taylor in "Kleopatra". Aber trägt uns das durch den Alltag? BRIGITTE WOMAN hat elf Leute gefragt, was ihr Leben schön macht.
Weisheit
"Der Körper kann nicht lügen. Seine Weisheit ist instinktiv. Wenn ich seine Impulse hören will, muss ich aufhören zu denken, loslassen. In seiner Bewegung zeigt er mir, was ich fühle und denke. Wie das Baby, das strampelt, weil es sich freut. Der Körper kann sich auch an Sachen erinnern, Tanzfiguren zum Beispiel, die der Kopf längst vergessen hat. Seine Ausdrucksformen sind unerschöpflich, seine Sprache ist universell. Sie verbindet uns Menschen und lässt uns unseren gemeinsamen Ursprung erahnen. Das macht uns glücklich." Julie Shanahan, 51
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Weisheit
Julie Shanahan, 51, Tänzerin beim Tanztheater Wuppertal, sah die ersten Stücke von Pina Bauschs Wuppertaler Tanzheater in ihrer Heimat Australien und verwirklichte später ihren Lebenstraum, in diesem Ensemble mitzuwirken.
Aufrichtigkeit
"Ich bin in der Nazizeit aufgewachsen, in einer Diktatur, die zu ständiger Unaufrichtigkeit zwang. Als das vorbei war, wollte ich so leben, wie ich es nie konnte: Ich wollte aufrichtig sein. Unter Hitler sind Menschen ermordet worden, weil sie die Wahrheit gesagt hatten. Ich wollte dazu beitragen, dass das nie wieder geschieht. In einer Demokratie kostet es oft Kraft, aufrichtig zu sein, aber es kostet nicht das Leben. Und ich habe die Erfahrung gemacht, wie schön es ist, wenn man das durchgehalten hat und zu dem Gefühl kommt: Ich bin mit mir im Reinen. Aufrichtigkeit ist eine wunderbare Zutat für ein gelingendes Leben, sie erfüllt es mit Sinn." Hildegard Hamm-Brücher, 91, Politikerin
Aufrichtigkeit
Hildegard Hamm-Brücher, 91, Politikerin, stand als Abgeordnete für ihre Überzeugungen ein, auch wenn diese der Linie ihrer früheren Partei, der FDP, widersprachen. 1994 war sie für das Amt der Bundespräsidentin nominiert.
Zärtlichkeit
"Jeder braucht Zärtlichkeit - jedes Kind, jede Frau, jeder Mann. Und jeder denkt dabei zuerst an die Liebe, die wir uns alle so sehr wünschen und selten für immer halten können. Aber zum Glück können wir auch mit uns selbst zärtlich und liebevoll umgehen. Vielleicht habe ich deshalb vor 28 Jahren für meine Kollektionen das weichste Material gewählt, das es überhaupt gibt. Wenn ich abends nach einem langen Tag geduscht habe und in mein bodenlanges Kaschmir-Kleid steige, dann ist das nicht nur Luxus und Glück, sondern auch pure Zärtlichkeit." Iris von Arnim, 67, Modeschöpferin
Zärtlichkeit
Iris von Arnim, 67, Modeschöpferin, entdeckte nach einem schweren Unfall, der sie ans Bett fesselte, das Stricken. Später wurde sie eine der ersten deutschen Designerinnen, die mit Kaschmir arbeiteten
Mut
"Manchmal merke ich gar nicht, dass es mutig ist, was ich mache. Bei einem Kicker zum Beispiel, da fliege ich einfach gern drüber. Am Anfang habe ich schon Angst, und meine Knie sind weich. Wenn ich hinfalle und mir weh tue, verschwindet der Mut zu ungefähr einem Viertel, aber dann will ich's einfach wieder können. Ich fühle dann nur: Ich mach das jetzt! Und wenn ich es wirklich will, dann kriege ich auch wieder Mut dazu. Dann mach ich's gleich noch mal und besser, und dann ist alles wieder einfach. Und wenn ich sehe, dass ich's kann, hab ich nur noch Spaß." Leilani Ettel, 11, Snowboard-Meisterin U12
Mut
Leilani Ettel, 11, Snowboard-Meisterin U12, war die jüngste unter den Siegerinnen der Deutschen Snowboard Meisterschaften 2012 in der Gesamtwertung Frauen, will aber später lieber mit Tieren arbeiten
Einfühlung
"Gute Literatur lebt davon, dass es zwischen Autor und Werk ein Vibrieren gibt. Als Übersetzerin schwinge ich mit dieser Spannung mit. Ich fühle, was der Schreiber gefühlt hat. Ich spüre die ungarische Atmosphäre, die Melancholie. Gelernt habe ich das, als ich mit sieben Jahren als Emigrantenkind aus Ungarn in die Schweiz kam. Ich kannte die Sprache nicht, wusste nichts von meinen Landsleuten. Musste aber in die Schule. Das hätte ich kaum überstanden, wenn ich nicht meine Sinne geschärft hätte, um zu erkennen, was die Fremden um mich herum tun und beabsichtigen. Sich in andere hineinversetzen können ist lebenswichtig, aber auch ein Gewinn. Wem es gelingt, der nimmt das Leben deutlicher wahr, in all seinen Schattierungen - in seiner Schönheit." Christina Viragh, 59, Schriftstellerin und Übersetzerin
Einfühlung
Christina Viragh, 59, Schriftstellerin und Übersetzerin, bekam unter anderem den Europäischen Übersetzerpreis. Zuletzt übertrug sie den 1728 Seiten starken Roman "Parallelgeschichten" des ungarischen Autors Péter Nádas ins Deutsche
Stille
"Ich mache reichlich Krach mit meinem Rennwagen. Das Motorendonnern am Nürburgring ist in meinen Ohren Musik, denn es bedeutet Leben und gute Geschäfte für mein Hotel. Aber nach dem Lärm reite ich mit meinem Wallach "Caddo" in den Wald und höre lange nichts als den Atem des Pferdes und Vogelzwitschern. Das genieße ich. Innerlich ruhig werde ich, wenn ich unsere Tiere füttere: sechs Pferde, zwei Schweine und einen Hahn namens Karl Theodor." Sabine Schmitz, 43, Rennfahrerin
Stille
Sabine Schmitz, 43, Rennfahrerin, wuchs innerhalb des Nürburgrings auf, ihre ersten Runden auf der Nordschleife drehte sie mit dem Auto ihrer Mutter. Später gewann sie als erste Frau unter anderem das 24-Stunden-Rennen auf dem Ring
Leidenschaft
Ich war immer leicht entflammbar. Wenn ich Fliegen lerne, dann sauge ich alles Wissen darüber auf. Nur so macht Lernen Spaß. Ich glaube, dass Menschen, die andere begeistern wollen, selbst begeistert sein müssen. Oder umgekehrt: Wer begeistert von einer Sache ist, der überzeugt auch andere. Als wir mit der Musik anfingen, war sie eine einzige heißblütige Passion. Wir trafen uns nach der Arbeit, nach der Schule und machten in jeder freien Minute Musik. Heute ist Musik meine Profession. Und meine Freizeit gehört meiner Familie. Und dem Fliegen. Ich begeistere mich für viele Themen. Bin sehr neugierig. Ich glaube, das ist ein Schlüssel zum Erfolg: die Leidenschaft vor der Routine zu retten. Also das Kind in sich zu bewahren. Das macht übrigens auch jünger.
Smudo, 44, Texter und Rapper der deutschen Hiphop-Band "Die Fantastischen Vier"
Leidenschaft
Smudo, 44, Texter und Rapper der deutschen Hiphop-Band "Die Fantastischen Vier", sagt über sich selbst, er habe nun die Testosteronphase überwunden, jetzt kämen die Geländewagen
Spiel
"Die größten Erfolge erzielt man durch spielbasiertes Lernen - ob beim Menschen oder Hund. Was machen unsere Kinder als Erstes? Sie spielen. Spielen vereinigt unheimlich viele Lerneffekte, ob Koordination, das Entwickeln von Strategien durch taktisches Denken oder das Fördern von Zusammenhalt und sozialer Kompetenz, Stichwort Teamgedanke. Und, was angesichts des häufig viel zu ernsten Alltags mindestens genauso wichtig ist, es macht Spaß. Zumindest wenn man gewinnt ..." Martin Rütter, 41, Hundetrainer
Spiel
Martin Rütter, 41, Hundetrainer, erzieht in der Fernseh-Dokureihe "Der Hundeprofi" vorgeblich problematische Hunde, in Wirklichkeit aber deren Besitzer, behaupten Kenner der Serie.
Humor
"Ein guter Sinn für Komik hilft einem über viele Ungerechtigkeiten hinweg. Zum Beispiel darüber, dass das Leben überhaupt nicht macht, was man ihm befiehlt, obwohl das doch nun wirklich nicht zu viel verlangt ist. Noch besser ist allerdings die Kunst der Selbsttäuschung: Jeden Tag zu denken, man wäre einfach perfekt, ist der beste Glücksgarant." Tina Fey, 42, amerikanische Komikerin
Humor
Tina Fey, 42, amerikanische Komikerin, wurde mit ihrer Parodie auf die republikanische US-Politikerin Sarah Palin weltbekannt und hat kürzlich ein Buch veröffentlicht. Titel: "Bossypants. Haben Männer Humor?"
Anmut
"Ich entdecke Anmut überall, in der Natur, wenn Halme sich im Wind wiegen, bei tanzenden Menschen, aber auch in der Kunst oder im Design eines Autos - da hat sie oft etwas Kraftvolles, hat mit Formgebung zu tun, bei Autos sprechen wir deshalb eher von Schönheit. Doch ganz gleich, wie man sie nennt, ich erkenne sie daran, dass sie mich im Innersten berührt. Weil sie dieses leise, feine Glücksgefühl erzeugt, so etwas Stilles, eine Zufriedenheit, die Frage, wie etwas so schön sein kann, ohne dass man viel daran gemacht hat." Annette Baumeister, 42, Teamleiterin Material-, Farb- und Oberflächendesign bei Mini (BMW-Group)
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