Untermiete

Wildfremde in der Wohnung

Untermiete für das eigene Haus? Trotz Angst vor Löchern im Sofa und kaputtem Geschirr hat Paula Almqvist die Untermiete ausprobiert. Und war überrascht.

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Wenn eine Frau die 50 überschritten hat, benimmt sich das Kartell der Warner wieder so, als sei man 15. "Hast du dir das auch gut überlegt?" - "Das hast du doch gar nicht nötig." Alle Bedenkenträger im Verwandten- und Bekanntenkreis raten dringend ab. "Das Risiko ist viel zu hoch." - "Muss das denn sein?" So lauten die Antworten auf die Mitteilung, man werde einen Araber heiraten, den Motorradführerschein machen, sich einen großen Hund anschaffen, Tiefseetauchen lernen. Oder - wie in meinem Fall - seine Wohnung mit allem Drum und Dran für ein, zwei Monate an Wildfremde vermieten.

Wer behütet das Schätzchen?

Die Vorgeschichte: Vor 27 Jahren haben wir in Hamburg ein Haus gekauft. Weil es so billig war. Kein Wunder. Es hat viel Blut und blaue Daumen (wir waren damals noch keine guten Heimwerker), Schweiß und Tränen gekostet, daraus eine so genannte Immobilie zu machen. Wir haben darin zwei Kinder und einige Haustiere großgezogen und einen betonierten Hinterhof mit drei maroden Garagen in ein liebes Gärtchen verwandelt. Kam endlich die Zeit, wo man mal ausgiebig Urlaub ohne Rücksicht auf die Schulferienordnung machen konnte, ohne Rigipsdecken einzuziehen oder das Parkett abschleifen zu müssen. Doch wer hütet das behutsam, das sorgsam renovierte Schätzchen vor Feuersbrunst, Sprayern und Modergeruch? Vor Einbrechern und Motten?

Eine Zeit lang war das Haus beliebte Ferienhochburg für die Kinder, die es dort in Abwesenheit ihrer Erziehungsberechtigten mal so richtig krachen lassen konnten. Dann hat es diese Kinder in äußerst entlegene Winkel der Welt verschlagen. Es gab keine wilden Partys mehr, über deren Verlauf wir später von den Nachbarn mit mehr oder weniger diskreten Klagen informiert wurden. Es gab aber auch niemanden mehr, der mal gelüftet, die Junkmails von der Türmatte entfernt oder die Kübelpflanzen gegossen hätte. Rückblickend waren es goldene Zeiten, als wir unsere Kinder noch als Squatter hatten: Man konnte ihnen die Katze anvertrauen – später mussten wir sie mit gesträubtem Fell und heftig miauend mit nach Frankreich nehmen. Es war nicht nötig, vor der Abreise den Kühlschrank leer zu machen – man konnte sich darauf verlassen, dass die Kids alles komplett auffraßen, denn meistens hatten sie auch jede Menge Logierbesuch. Sie waren keine reinlichen, aber irgendwie treuherzige Hausmeister.

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  • Text: Paula Almqvist
    Fotos: Getty Images
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