Wandern mit Weitblick: der 130 Kilometer lange South Downs Way geht von Eastbourne bis Buriton, hier ein besonders schöner Abschnitt bei Birling Gap an der Klippenküste
Morgens, so gegen sieben Uhr, haben die Tauben die verschlungenen Gassen mit dem katzenkopfgroßen Pflaster noch für sich allein, sie fliegen über die Dächer des mittelalterlichen Städtchens Rye, wo die Häuschen sich gegenseitig zu stützen scheinen. Vor den Türen Töpfe mit Petersilie und Fenchel, viele Fensterbänke sind voll gestellt mit Schiffsmodellen. Rye war eine der fünf wichtigsten Hafenstädte Englands, damals, vor 800 Jahren, bevor der Ort versandete und vom Meer getrennt wurde. Schmuggler fühlten sich hier schon wohl, die Franzosen auch und nahmen gleich die Kirchenglocken als Souvenir mit. Die heutigen Souvenirs sind eher kleiner, liebevoller: selbstgemachte Marmelade, Teegebäck, Cider aus einem der Lädchen auf der High Street. Oder vom Farmers' Market, jeden Mittwoch ab 10 Uhr, wo uns Fiona Alksne Apfelstückchen, Marke Windsor, zum Probieren in den Mund steckt. "Ich liebe diese kleinen Märkte", sagt die 24-jährige Londonerin, die nicht nur Obstverkäuferin, sondern auch Hochzeitsplanerin ist.
Rye ist ein guter Start für eine Landpartie durch den Südosten Englands, mal zu Fuß, mal mit dem Rad oder dem Auto. Jetzt im September, wenn die meisten Besucher abgereist sind, wenn bei der Hopfenernte grüne Funken durch die Luft sprühen, in vielen Dörfern der Grafschaften Kent und Sussex der Herbst gefeiert wird und Studenten aus Canterbury mit der Dorfjugend zu Tom-Jones-Liedern auf Heuballen tanzen. Wenn die Engländer die Wachsjacken herausholen, Gummistiefel anziehen und mit ihren Hunden wandern gehen. Natürlich auch bei Regen.







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