Allein in den Urlaub

Als Frau allein reisen

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Anna Benitz, 27

Selbstständige Physiotherapeutin in Emden, schreibt Kurzgeschichten und Gedichte. Sie reiste eine Jahr lang durch Neuseeland, ihre Erlebnisse sind als Buch beim Mana-Verlag erschienen: "Neuseelandsüchtig! Reisen mit dem Working-Holiday-Visum".

Darum bin ich allein gereist:
Ich träumte schon lange davon, allein für längere Zeit ins Ausland zu gehen - und dann möglichst weit weg. Es steckte ganz viel Abenteuerlust dahinter, ich wollte etwas vollkommen Neues und Eigenes erleben!

So ging es mir vor der Reise ...
Ich habe lange vor meinem geplanten Reisetermin nach einem geeigneten Land gesucht, habe im Internet geforscht, Reiseberichte gelesen und im Atlas Landkarten betrachtet. Als das Ziel schließlich feststand und das Visum beantragt war, kam zu der Euphorie und den Tagträumen auch etwas Wehmut, erster Abschiedsschmerz und auch Angst vor dem Unbekannten. Die verschiedenen Gefühle kamen und gingen, die positiven behielten aber die Oberhand.

... und so danach:
Schrecklich! Ich hatte mich sehr in Neuseeland und noch dazu in einen Neuseeländer verliebt, habe alles gehasst, was nicht neuseeländisch war, und wollte nur zurück. Erst nach drei Jahren war ich wirklich wieder in Deutschland angekommen. An der Entfernung ist die Beziehung zu dem Neuseeländer zerbrochen, der Wunsch, nach Neuseeland zurück zu gehen, lebt bis heute weiter.

Mein schönstes Erlebnis:
Meinen neuseeländischen Freund kennen zu lernen, war natürlich sehr schön, genauso wie jede andere neu geschlossene Freundschaft dieser Reise. Ein sehr beeindruckendes Erlebnis war eine Begegnung mit einem Wal!

Eine beängstigende Situation:
Kurz nach meiner Ankunft in Neuseeland wurde ich sehr krank, was mir Sorgen machte und mich leider für den Rest des Jahres stark eingeschränkt hat. Angst vor Überfällen oder Angriffen hatte ich zum Glück nie.

Meine interessantesten Bekanntschaften:
Ein Maori namens "God", der bunte Ringelstrümpfe trug, Marihuana rauchte und vor Supermärkten Gitarre spielte. Oder Ian, der zahnlose Öko-Kräuterfarmer, der über Jahre hinweg mit seinem Housetruck durchs Land zog, einem selbstgebauten Wohnmobil, Für ein paar Wochen wohnte ich bei Roydn, einem wild gelockten Maori, der mir in gemütlicher Runde vor dem prasselnden Kamin von seiner Untergrundorganisation erzählte, die die Vertreibung aller europäischstämmigen Menschen aus Neuseeland plante.

In diesem Moment habe ich mich einsam gefühlt:
Einsam war ich manchmal während meiner Krankheit. Ich war längere Zeit bettlägerig und sehr weit entfernt von den Abenteuern, die ich mir erträumt hatte.

Das würde ich heute anders machen:
Meine Reise wurde teilweise durch familiäre Probleme belastet, von denen ich dachte, dass ich sie hinter mir lassen und vergessen könnte. Das war eine wichtige Lektion: Man nimmt sich selbst und seine Probleme immer mit, egal, wohin man geht. Seit ich wieder in Deutschland bin, bemühe ich mich, viele Dinge zu klären. Damit die nächste große Reise freier werden kann.

Das darf im Gepäck nicht fehlen:
Die richtige Kleidung. Leicht, qualitativ hochwertig und funktionell muss sie sein. Außerdem: Fotos oder Briefe von lieben Menschen für einsame Stunden.

Meine wichtigste Erkenntnis über das Alleinreisen:
Wenn man das Leben fließen lässt, passieren einem die herrlichsten Dinge. Die Welt ist voller atemberaubender Gegenden und wunderbarer Menschen. Zwang und Hektik sind das sicherste Mittel, dies alles nicht kennen zu lernen!

Mein persönlicher Tipp an andere Frauen:
Zuerst kann einem die Vorstellung vom Alleinreisen Angst machen. Doch glauben Sie mir: Alleine bleibt man nie lange. Ich hatte so oft einen ganzen Pulk von anderen Reisenden um mich, dass ich mich bald wieder nach mehr Einsamkeit sehnte.

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  • Artikel vom 05.07.2007
  • Protokoll: Michèle Rothenberg
    Fotos: Photocase.com, Frederking & Thaler Verlag, privat
Letzte Kommentare
  • Philo
    am 02.08.11 um 10:34
    Hallo,
    ja, ich hatte auch andere Leserinnen angesprochen, die da vielleicht Tipps geben können. Das ist nach ein paar Erlebnissen der speziellen Art nämlich der einzige Grund, der mich von Reisen in einsame Gegenden abhält. Dass man nur an einer furchtlosen Haltung arbeiten muss stimmt jedenfalls so nicht. Am Anfang meiner Reisetätigkeit war ich völlig überzeugt, dass sich in diese abgelegenen Ecken ganz bestimmt kein Typ mit unlauteren Absichten verirrt und wirkte deshalb sicher nicht ängstlich.
  • BW-Team
    am 01.08.11 um 09:41
    Liebe Philo,

    die Autorinnen arbeiten nicht bei BRIGITTE-woman.de, sondern sind Frauen, die wir interviewt haben. Daher können Sie an dieser Stelle nicht antworten. Aber vielleicht ergibt sich auch mit anderen eine interessante Diskussion.
    Liebe Grüße,
    Ihr BRIGITTE-woman.de-Team

  • Philo
    am 31.07.11 um 15:14
    Ich war früher oft beruflich mehrere Tage oder Wochen in der "Wildnis" unterwegs und stimme der Autorin zu: Die größte Gefahr sind dabei Männer. Dieses ständige ungute Gefühl im Nacken hat mir den Job ziemlich verleidet. Deshalb die Frage: Wie ist die Autorin oder andere allein reisende Frauen damit umgegangen? Ich bin mehrfach nur durch Glück oder Strategien, wie sie die Autorin bei ihrem Erlebnis in den Anden schildert davon gekommen. Ein sicheres Gefühl hatte ich nie.
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