3. Tag: Von Karden bis Bullay
Glücklich erschöpft: Ruhepause im Park vor der Kirche Maria Heimsuchung in Klausen
Nutzt man die Zeit vielleicht besser, indem man sie mal nicht benutzt?
Meine Stunden haben nur einen Zweck: laufen. Dazu muss ich meine Beine an diesem Morgen allerdings erst mal wachrütteln, und meine Sohlen brauchen dringend Hirschtalgeinreibung gegen Blasen. Die ersten zwei Kilometer über die Moselbrücke nach Treis und über einen entzückenden Pfad an der Mühle vorbei fühlen sich mühsam an, aber dann groove ich mich ein. Zehn Kilometer bis Engelport, verheißt ein Wegweiser, vor einer Woche hätte mich allein die zweistellige Zahl völlig aus dem Tritt gebracht. Beim Aufstieg über den holprigen Weg komme ich ganz schön ins Schwitzen. "Selbstfindung und so?", hatten meine Freunde gefragt, als ich ihnen von meinem Pilgervorhaben erzählte. Blödsinn, hatte ich gelacht, nur weil ich durch die Gegend latsche, werde ich doch kein anderer Mensch, und nachdenken kann ich auch, ohne zu wandern.
Jetzt bin ich mir nicht mehr ganz so sicher. Es denkt sich anders. Fremde Gedanken klopfen an. Die, die es sonst nicht ins Bewusstsein schaffen, weil keine Zeit ist oder zu viel Drumherum. Vier, fünf Stunden lang mit sich allein - und nichts und niemand hindert eine Überlegung daran, sich im Hirn kreuz und quer zu legen. Störungsfreie Zonen, ständig. Wer sich nach außen verschließt, öffnet sich nach innen. Ein guter Moment, den Weg mit dem Leben zu vergleichen: das Glücksgefühl nach einer Anstrengung; die Bedeutung der Langsamkeit. Und warum Zeit viel genutzter ist, wenn man sie eben nicht benutzt. "Unsere größten Erlebnisse sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden." Stand auf einer der Holzstelen, die den Weg zum Kloster Engelport im Flaumbachtal säumen. Abends denke ich darüber nach, nach 26 Kilometern Pilgerpensum, im Daunenbett einer Pension in Bullay. Und über etwas, was der Schriftsteller Paulo Coelho gesagt hat: "Es tut gut, etwas Langsames zu tun, bevor man eine wichtige Entscheidung trifft."







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am um
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BRIGITTE-woman.de
am 18.10.12 um 16:14
Liebe Ines,
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Ines
am 18.10.12 um 09:59
Das hört sich alles so schön an! Und es macht wirklich Lust auch diesen Weg zu gehen. Ich schließe mich da Monika an: "Wenn nichts mehr geht, dann geh!". Meine erste Reise geht Anfang nächsten Jahres zunächst nach Afrika, aber einen Camino zu gehen, würde mich auch sehr reizen. Meine Frage ist: Wieviel Geld muss für Unterkünfte und Essen ca. einplanen?
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BRIGITTE-woman.de
am 20.08.12 um 12:13
Liebe Gabi,
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Gabi
am 14.08.12 um 21:31
Schon lange möchte ich einen Camino gehen, aber meinen Hund immer alleine zu lassen bzw. bei jemanden abgeben zu müssen, hält mich davon ab. In Ihrem Artikel scheint dies gar kein Problem zu sein.
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Marie-Luise
am 05.08.12 um 18:19
Mein Weg von Görlitz nach Aachen. ( 1080 km)
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Edith
am 13.07.12 um 12:51
Nehmen die genannten Herbergen also Menschen mit Hunden auf, das wäre ja toll, ich möchte eine ähnliche Tour mit Hund machen, vielleicht sogar diese Strecke laufen, könnt ihr das bitte noch angeben? Danke!
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Petra
am 11.07.12 um 09:38
Danke für diesen wunderbaren Artikel! Wunderbar geschrieben, alles absolut nachvollziehbar. Und er macht, wie Monika schreibt, Lust, selber einen solchen Weg zu gehen. Nur nebenbei: im Gegensatz zur Autorin mag ich gern wandern ;-). Habe mich aber noch nie an mehrere Tagesetappen hintereinander gewagt. Aber: es ist ja nie zu spät, um damit noch anzufangen.
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Monika
am 09.07.12 um 19:33
Die geschilderte Erfahrung macht Lust, macht mir Lust, selbst einen solchen Weg zu wagen. "Wenn nichts mehr geht, dann geh!" - Dieser Gedanke begleitet mich schon geraumer Zeit - durch diesen Artikel wurde er wieder lebendig.
mehr (8)wie Sie dem Service am Ende des Artikels entnehmen können, kosten die Unterkünfte oft gar nichts, manchmal um die 20, 30 Euro. Und was das Essen in Deutschland kostet, wissen Sie ja sicher selbst.
Herzliche Grüße,
Ihr BRIGITTE-woman.de-Team
Viele Grüße
Ines
ich hatte bei ein, zwei Quartieren vorsichtshalber angerufen und jeweils die Auskunft bekommen, Hunde seien kein Problem. Ich war allerdings auch nicht in Jugendherbergen - nur in kleinen Pensionen, und damit hatte ich auf der gesamten Tour kein Problem. Es gab nur eine einzige Ausnahme: Klausen. Dort gibt es überhaupt nur zwei Übernachtungsmöglichkeiten, und in beiden wollte man von Hunden nichts wissen. Ich bin dann auf eine Ferienwohnung für eine Nacht ausgewichen. Sicher keine Ideallösung, da würde ich das nächste Mal nach Alternativen in der Umgebung schauen. Eine weitere, positive Ausnahme war die Pilgerherberge in Traben-Trarbach, die ja auch im Text genannt ist.
Mein Tipp also für die meisten Nächte: preiswerte kleine Pensionen. Ohne Hund möchte ich gar nicht mehr unterwegs sein - weil es für die Tiere einfach auch großartig ist, so lange Gassi zu gehen :).
Herzlichen Gruß, Silke Pfersdorf
Wie war es auf dem Mosel-Camino Übernachtungensmöglichkeiten mit Hund zu finden? Gibt es dazu evtl. eine Übersicht?
Denn wenn ich die einzelnen Internenetseiten der div. Pensionen und Herbergen aufrufe, heißt es da leider immer wieder - keine Haustiere?
In 7 Wochen, vom 11.April bis zum 30. Mai 2012 bin ich von Görkitz nach Aachen gewandert. Zeit ist für mich Luxus, etwas sehr Kostbares, was ich nicht kaufen kann. Ich beschenkte mich selber damit. 7 Wochen mein Gepäck auf dem Rücken. Meine Kleidung: tagsüber in grün, abends in rot, keine Schminke. Trotzdem ich vermisste nichts. Einzigste Dekoration war die rote Clownnase an meiner Jacke als Zeichen für meine positive Lebenseinstellung. Ich habe viele Menschen getroffen, mit ihnen gesprochen und zugehört. Ich habe die Natur pur im Frühling erlebt mit allen Sinnen. Weiter habe ich meine persönlichen, körperlichen Grenzen erfahren. Das Wandern schärfte den Blick auf das, was wichtig ist. Ich fühlte mich unbelastet und frei für das Wesentliche, eine ganz neue Erfahrung.
Danke Fr. Pfersdorf!