1. Tag: Von Koblenz-Stolzenfels bis Alken
Die Jakobsmuscheln geben die Richtung vor
Wie hält man durch, was man am liebsten gar nicht anfangen würde?
Irgendwann werde ich sowieso den Bus nehmen. Oder ein Taxi. Gerade erst habe ich den Rucksack auf dem Rücken, und schon habe ich unheilige Gedanken. 180 Kilometer zu Fuß auf dem Mosel-Camino. Ein Wahnsinn, die Idee einer durchfeierten Nacht. Ein paar Tage runterschalten, den Motor abkühlen lassen, zur Ruhe kommen. Machst du nie, sagten meine Freundinnen. Mache ich doch, sagte ich. Und damit hing ich drin.
Dabei hasse ich Wandern, konnte es noch nie leiden. Jetzt geht es auch noch bergauf, und zwar kräftig. Früher ordneten Pilger ihr Leben, machten ihr Testament, zahlten ihre Schulden, bevor sie sich auf den Weg machten. Nichts davon hatte ich erledigt. Ein guter Grund umzukehren, denke ich grimmig. Mächtige Burg, dieses Stolzenfels. Und jetzt geht es auch noch weiter hoch, direkt auf die Hunsrückhöhen, vorbei an den Mauerresten des Merkurtempels, ein paar zu großen Straßen und einer wenig idyllischen Tankstelle direkt in den Stadtwald. 23 Kilometer hält der Tag bereit.
Pause? Nö. Ich will ankommen, und das möglichst schnell. Der Wald ist schön, gebe ich zu. So still, so licht. So weich der Boden. Zwei, drei Kilometer lang schleppe ich mein Grollen noch mit. Mit den Stunden finden meine Schritte so was wie einen Rhythmus. Drei Stunden später scheint mein Rucksack leichter. Weil die vier Butterbrote nicht mehr drin sind? Oder hat mich vor allem mein Unmut belastet? Am Wegweiser zur Wallfahrtskirche auf dem Bleidenberg bin ich vorbeigelatscht. Und damit an der Jakobsmuschel, die mir die Richtung zeigt. Wie auf den vielen Jakobswegen, die es in Europa gibt. Muschelsuchen muss ich also noch üben. Dann kann ich nicht mehr. Bin atemlos. Weil der Blick mich umhaut. Die Burg Thurant, das Moseltal. Über eine Felsklippe führt ein Pfad zur Alkener St. Michaeliskirche.
Die erste Etappe ist geschafft. Den Pilgerstempel gibt es hier in der Bäckerei. Dort gibt es auch leckeren Apfelkuchen. Tagesgäste suchen Parkplätze für ihre Autos. Ich bin zu Fuß hier, möchte ich voller Stolz schreien, ich bin gelaufen. Meine Füße brennen. Herrlich. Was das Durchhalten angeht: Nur wer die Zähne nicht mehr zusammenbeißt, kann wieder lachen.







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am um
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BRIGITTE-woman.de
am 18.10.12 um 16:14
Liebe Ines,
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Ines
am 18.10.12 um 09:59
Das hört sich alles so schön an! Und es macht wirklich Lust auch diesen Weg zu gehen. Ich schließe mich da Monika an: "Wenn nichts mehr geht, dann geh!". Meine erste Reise geht Anfang nächsten Jahres zunächst nach Afrika, aber einen Camino zu gehen, würde mich auch sehr reizen. Meine Frage ist: Wieviel Geld muss für Unterkünfte und Essen ca. einplanen?
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BRIGITTE-woman.de
am 20.08.12 um 12:13
Liebe Gabi,
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Gabi
am 14.08.12 um 21:31
Schon lange möchte ich einen Camino gehen, aber meinen Hund immer alleine zu lassen bzw. bei jemanden abgeben zu müssen, hält mich davon ab. In Ihrem Artikel scheint dies gar kein Problem zu sein.
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Marie-Luise
am 05.08.12 um 18:19
Mein Weg von Görlitz nach Aachen. ( 1080 km)
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Edith
am 13.07.12 um 12:51
Nehmen die genannten Herbergen also Menschen mit Hunden auf, das wäre ja toll, ich möchte eine ähnliche Tour mit Hund machen, vielleicht sogar diese Strecke laufen, könnt ihr das bitte noch angeben? Danke!
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Petra
am 11.07.12 um 09:38
Danke für diesen wunderbaren Artikel! Wunderbar geschrieben, alles absolut nachvollziehbar. Und er macht, wie Monika schreibt, Lust, selber einen solchen Weg zu gehen. Nur nebenbei: im Gegensatz zur Autorin mag ich gern wandern ;-). Habe mich aber noch nie an mehrere Tagesetappen hintereinander gewagt. Aber: es ist ja nie zu spät, um damit noch anzufangen.
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Monika
am 09.07.12 um 19:33
Die geschilderte Erfahrung macht Lust, macht mir Lust, selbst einen solchen Weg zu wagen. "Wenn nichts mehr geht, dann geh!" - Dieser Gedanke begleitet mich schon geraumer Zeit - durch diesen Artikel wurde er wieder lebendig.
mehr (8)wie Sie dem Service am Ende des Artikels entnehmen können, kosten die Unterkünfte oft gar nichts, manchmal um die 20, 30 Euro. Und was das Essen in Deutschland kostet, wissen Sie ja sicher selbst.
Herzliche Grüße,
Ihr BRIGITTE-woman.de-Team
Viele Grüße
Ines
ich hatte bei ein, zwei Quartieren vorsichtshalber angerufen und jeweils die Auskunft bekommen, Hunde seien kein Problem. Ich war allerdings auch nicht in Jugendherbergen - nur in kleinen Pensionen, und damit hatte ich auf der gesamten Tour kein Problem. Es gab nur eine einzige Ausnahme: Klausen. Dort gibt es überhaupt nur zwei Übernachtungsmöglichkeiten, und in beiden wollte man von Hunden nichts wissen. Ich bin dann auf eine Ferienwohnung für eine Nacht ausgewichen. Sicher keine Ideallösung, da würde ich das nächste Mal nach Alternativen in der Umgebung schauen. Eine weitere, positive Ausnahme war die Pilgerherberge in Traben-Trarbach, die ja auch im Text genannt ist.
Mein Tipp also für die meisten Nächte: preiswerte kleine Pensionen. Ohne Hund möchte ich gar nicht mehr unterwegs sein - weil es für die Tiere einfach auch großartig ist, so lange Gassi zu gehen :).
Herzlichen Gruß, Silke Pfersdorf
Wie war es auf dem Mosel-Camino Übernachtungensmöglichkeiten mit Hund zu finden? Gibt es dazu evtl. eine Übersicht?
Denn wenn ich die einzelnen Internenetseiten der div. Pensionen und Herbergen aufrufe, heißt es da leider immer wieder - keine Haustiere?
In 7 Wochen, vom 11.April bis zum 30. Mai 2012 bin ich von Görkitz nach Aachen gewandert. Zeit ist für mich Luxus, etwas sehr Kostbares, was ich nicht kaufen kann. Ich beschenkte mich selber damit. 7 Wochen mein Gepäck auf dem Rücken. Meine Kleidung: tagsüber in grün, abends in rot, keine Schminke. Trotzdem ich vermisste nichts. Einzigste Dekoration war die rote Clownnase an meiner Jacke als Zeichen für meine positive Lebenseinstellung. Ich habe viele Menschen getroffen, mit ihnen gesprochen und zugehört. Ich habe die Natur pur im Frühling erlebt mit allen Sinnen. Weiter habe ich meine persönlichen, körperlichen Grenzen erfahren. Das Wandern schärfte den Blick auf das, was wichtig ist. Ich fühlte mich unbelastet und frei für das Wesentliche, eine ganz neue Erfahrung.
Danke Fr. Pfersdorf!