Mode
Stilikonen: Stil ist nicht käuflich

Victoria Beckham ist keine. Sienna Miller auch nicht. Und wenn der Modeschöpfer Karl Lagerfeld neulich meinte, Amy Winehouse wäre eine Stilikone...

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... leider nein. Die heroinsüchtige Sängerin ist genauso wenig eine Stilikone, wie sich Madonna "neu erfindet". All diese Frauen ziehen sich einfach nur oft um. Der Begriff Stilikone wird inzwischen leider inflationär missbraucht, weil er Geschmack adelt und Kleidung sich so äußerst lukrativ vermarkten lässt.

Doch anders als die Mode, in der die Klamotten bestenfalls Worte von sich geben, ist Stil wie ein Roman. Er will gelesen und gelebt werden, ist sichtbar, ein ständiges Sich-Äußern. So wie der Mensch, der ihn erfindet, ist Stil ein Original, und wird er weltberühmt, macht er seinen Schöpfer zur Ikone. Zur Stilikone. Mode bei Frauen wie Iris Apfel, Zandra Rhodes, Mary Quant oder Barbara Hulanicki lässt sich hinter den Gesichtern und der äußeren Erscheinung immer auch eine Haltung erahnen: Die Idee, die diese Frauen von sich, von der Welt haben, wird spürbar, begeistert, steckt an. Sie haben mit ihrer Kreativität und ihrem Mut, das zu tun und zu tragen, worauf sie Lust hatten, eine ganze Generation und mehr inspiriert.


Barbara Hulanicki: "Mein Leben ist ein Film."

Barbara Hulanicki hat die Marke Biba erfunden, doch in Wahrheit war die Marke völlig egal. Was wirklich zählte, war das Drumherum. Die Haltung. Biba war "Lifestyle", lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab.

Die in Warschau geborene Hulanicki gründete Biba 1964 in London als Mailorderversand für sehr billige Mode. Mit Erfolg. Aus dem Versand wurde eine Kette von Boutiquen, und auf dem Gipfel des Erfolges war Biba ein mehrstöckiges Kaufhaus, Erlebnispark mit Kunden aus der Rock 'n' Roll- und Hollywood-Elite der 70er Jahre. Es ging um Inszenierung.

Bei Biba hieß das Motto: "Oscar Wilde goes Glamrock". Man verkaufte Straußenfedern. Rosenwasser. Krummsäbel. Leopardenmusterdecken. Hosen aus violettem Pannesamt. Bodenlange Elfenkleider aus bemalter Seide. Goldgerahmte Spiegel. Bronzeputten. Chinesische Lackmöbel. Im Schaufenster standen FeaturesSofas für die Kunden, damit sie die Passanten angucken konnten. Beim Biba-Make-up waren Lippen blau und braun. Nägel violett und schwarz. Frauen trugen Plateauwildlederstiefel, Minikleider und Maximäntel. Alles von Biba. Biba war der Gemischtwarenladen der Siebziger. Alles durfte herhalten. Epochen und Disziplinen: Kalligrafie und romantische Literatur, Mystik und Manierismus. Einziges Kriterium: die Gesamtharmonie. In diesem Wunderland fühlten sich Marc Bolan von T Rex, Jimi Hendrix und Marianne Faithfull genauso zu Hause wie das Märchenbücher lesende Mädchen aus Manchester, das von Avalon träumte und Ökokekse aß.

Als Biba 1975 pleiteging, zog Barbara Hulanicki von London nach Brasilien. Heute lebt sie als Innenarchitektin in Miami. "Mein Leben ist ein Film", sagte sie einmal. Biba selbst ist längst Vergangenheit. Ihr Lifestyle ist geblieben.

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  • Fotos: Getty Images
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