Pragmatisch und kein bisschen esoterisch wirkt auch die Münchenerin Henriette Zeltner, der eine Freundin vor einigen Jahren Feng-Shui-Meister Johannes Maierhofer empfahl. Es musste sich einfach etwas ändern: Ihre heute sechsjährigen Zwillinge Lina und Lola schliefen extrem schlecht, waren entsprechend anstrengend - und Henriette Zeltner enorm gestresst. Maierhofer ließ sich nicht lange bitten, kam aus der Nähe von Frankfurt angereist, hat die ganze Wohnung vermessen, in bestimmten Ecken Wasservasen aufgestellt, auf dem Klavier eine rote Decke empfohlen und den Kindern noch etwas Metallisches unters Bett gelegt. Das klingt skurril? Vielleicht, doch Henriette Zeltner schwört, dass nach ein paar Wochen nicht nur Lina und Lola viel ruhiger schliefen. Auch ihre Auftragslage als freiberufliche Übersetzerin und Lektorin verbesserte sich deutlich, nachdem "der Johannes" ihr Büro umgestellt hatte.
"Das war völlig verrückt", sagt die 40-Jährige. Genauer kann sie den Effekt auch nicht erklären. Inzwischen aber nennt sie Maierhofer einen "echten Freund des Hauses". Mindestens ebenso wichtig wie die Berechnungen ihrer Wohnung, die er in regelmäßigen Abständen an seinem Computer in Hessen macht, seien ihr auch die persönlichen Gespräche, in denen sie gemeinsam Henriette Zeltners Ziele konkretisieren und überlegen, wie sie diese schließlich umsetzen kann.
Früher habe er selbst Feng-Shui als Esoterik abgetan und belächelt, sagt Johannes Maierhofer, der mal Geologie und Mineralogie studierte und danach mit seiner Firma für die Planung von Firmengebäuden mehr als 35 000 Arbeitsplätze konzeptioniert und die Umzüge erledigt hat. Bis zu jenem Tag, an dem er ausgerechnet auf einer Messe für Büromöbel einen Vortrag über Feng-Shui hörte. "Völlig erleuchtet" sei er zurückgekommen, erzählt er und dass ihn die Komplexität dieser Wissenschaft bis heute fasziniere. Seine eigentliche Spiritualität, sagt Maierhofer, habe er nach Einführungsseminaren in Asien aber erst im persönlichen Umgang mit seinem Meister in den USA entwickelt. Heute erspürt er Energien und Einflüsse, die auf jeden Menschen in dessen Umgebung wirken. Ein Prozess, der mit einer Potenzialanalyse auf der Basis des Geburtstags und des Grundrisses der Wohnung beginnt, die laut Feng-Shui energetisch in Wechselwirkung stehen. Außerdem betrachtet er auch immer die Gesamtsituation: Wo will der Mensch hin, wo liegen die Chancen, was passiert gerade bei ihm?
Henriette Zeltner etwa musste 2008 damit fertig werden, dass ihr langjähriger Lebensgefährte und Vater der Zwillinge das Familienleben plötzlich leid war - und ihr nichts anderes übrig blieb, als eine neue Wohnung zu finden. Doch Henriette Zeltner hatte Glück und bekam schon bald ein Haus ganz in der Nähe angeboten, das ihr gut gefiel. Allein Johannes Maierhofer riet ihr ab - mit dem Hinweis, die neue Wohnung sei schlecht für ihre Umsätze. Sie zögerte etwas, vertraute ihm dann aber doch. Und fand nur eine Woche später ein Idyll mit Garten, exakt eine Straße von ihrer alten Wohnung entfernt.
"Selbst als ich mit zwei Kindern über Nacht allein dastand, habe ich alles seelenruhig durchgezogen", sagt sie mit leisem Stolz. Ihre Zwillinge spielen heute in ihrem rosaroten Kinderzimmer so unbeschwert, als hätten sie nie woanders gewohnt. Und über dem Klavier liegt wieder das rote Tuch. Doch bevor man leise darüber witzeln kann, stellt Henriette Zeltner klipp und klar fest: "Ohne den Maierhofer hätte das nicht so reibungslos geklappt."
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