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Helmi Feld ist also eine Art spiritueller Coach. Solche Personal Trainer für die Seele werden von immer mehr Menschen in Anspruch genommen. So ermittelte das Institut für Demoskopie in Allensbach bereits 2001, dass sich etwa jeder vierte Deutsche nach Tipps von spirituellen Ratgebern richtet. Neuere Daten liegen nicht vor, aber in der Zwischenzeit dürfte die Zahl noch gestiegen sein, denn die Suche nach einem höheren Lebenssinn, die Sehnsucht nach Antworten jenseits der bekannten Dogmen "Erfolg! Karriere! Designer-Outfit!" ist gerade in unsicheren, krisenhaften Zeiten überall zu spüren - vor allem bei berufl ich stark beanspruchten Menschen. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel schätzt die Begegnungen mit dem Dalai Lama.
Dass es unter den spirituellen Coachs aber auch unseriöse Anbieter gibt, die wenig geschult sind und zum Beispiel als "telefonische Kartenleger" viel Geld verdienen, liegt auf der Hand. Nicht selten werden Kunden von ihnen abhängig, verschulden sich immer mehr und müssen am Ende therapiert werden. Wer esoterische Lebensberatung sucht, sollte also ganz genau prüfen, von wem er welche Dienste in Anspruch nimmt.
Sufi-Lehrerin Helmi Feld beginnt die Stunde immer mit einem beruhigenden Eröffnungsgesang, um ihrer aus der hektischen Großstadt eintrudelnden Gruppe die Möglichkeit zum Ankommen zu geben. Dann folgen Chakra-Übungen, mit denen die Teilnehmer die Verbindung zu ihrem Körper erspüren, und in der anschließenden geistigen "Waschung" reinigen sie sich von den Bedrängnissen des Alltags. Für Event-Managerin Ulrike Krasemann ist dieser Ritus, bei dem man sich vorstellt, die Hände in ein Gefäß voll goldenen Lichts zu tauchen und all das Unangenehme, das man die Woche über erlebt hat, einfach abzuwaschen, der wichtigste Teil des Abends. Danach folgt eine 20-minütige Stille. Die hat sie anfangs nur mit Mühe und Not geschafft. Endlos lang erschien ihr die schweigende Untätigkeit. Doch inzwischen genießt sie es und sagt voller Respekt, dass sie "Helmi nicht mehr missen möchte". Von Anfang an fühlte sie sich bei ihr geborgen, und auch die gemeinsam gesungenen Mantras bedeuten ihr viel, weil sie etwas thematisieren, was den meisten von uns fremd ist: die Liebe zu sich selbst - ohne Leistungsanspruch.
Und darum geht es wohl: Je rauer die Stürme draußen werden, umso wichtiger wird es, ein wohlwollendes Grundvertrauen in sich selbst zu entwickeln. Gern auch mithilfe eines Coachs. Den Paradigmenwechsel - weg von der Rationalität, hin zu mehr Intuition und Innerlichkeit - kann man fast überall beobachten. So schreibt etwa die "New York Times", dass zunehmend Geschäftsleute und Investmentbanker, verunsichert durch die Finanzkrise, Dienste von "psychics" und "astrologers" in Anspruch nehmen. "Früher fragte man uns immer nur nach Liebe, Liebe, Liebe", zitiert die Zeitung eine Hellseherin. Heute sei der Beruf das wichtigste Thema. Und immer selbstverständlicher kämen heute auch Männer.











