Meine Freundin Katrin musste zum Frauenarzt. Ein paar Tage vor dem Termin erzählte sie mir am Telefon davon. Sie sagte: "Das steht mir total bevor, ich muss die ganze Zeit daran denken." O nein, dachte ich und fragte besorgt, was denn los sei. Katrin sagte: "Meine Schamhaare. Ich will sie mir nicht abrasieren, nur weil ich zum Frauenarzt gehe. Aber Schamhaare hat der doch seit Jahren nicht mehr gesehen. Bestimmt sind alle seine Patientinnen rasiert, nur ich nicht. Und dann lieg ich da mit diesen Haaren, und er findet mich alt und unzeitgemäß, und das ist mir einfach peinlich." Mit meiner Freundin Lisa verbrachte ich vergangenes Jahr im Spätsommer einen Tag am Nordseestrand. Wir saßen im Bikini auf unseren Handtüchern, wir redeten über Jobprobleme und Kinder und die Bücher, die wir gerade lasen, und zwischendurch blinzelten wir still in die Sonne. Plötzlich sagte Lisa: "Ich hätte schon gern einen konturierteren Körper." Ich sah an mir herunter und sagte, dass mir das auch so gehe, aber dass ein gut konturierter Körper sehr zeitintensiv in Anschaffung und Haltung sei, weswegen ich bis auf Weiteres darauf verzichten müsse.
Kürzlich saß ich mit einigen Kolleginnen in der Kantine, eine von ihnen hatte mattgrünen Lack auf den Fingernägeln, der allseits bewundert wurde, und die Kollegin lächelte erfreut und sagte: "Na ja, perfekt manikürte Hände sind heute ja eine Selbstverständlichkeit." Hört, hört, dachte ich spöttisch, aber als ich am nächsten Morgen in der S-Bahn saß, wollte ich es genauer wissen. Ich inspizierte sämtliche Frauenhände in meinem Blickfeld. Und tatsächlich: Von einem guten Dutzend Handpaaren waren nur zwei unmanikürt. Das eine gehörte einer halbwüchsigen Punkerin. Das andere gehörte mir. Und das war der Moment, als mir endgültig klar wurde, dass es in den vergangenen 20 Jahren nicht wirklich gut für uns gelaufen ist.







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am um
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Debbie
am 14.03.13 um 16:51
Mir ist aufgefallen, dass es gar nicht mal die Männer sind, die Frauen in Bezug auf ihr Aussehen fertig machen. Nein, es sind meistens andere Frauen.
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jRadon
am 09.03.13 um 19:06
Wirklich guter Artikel!
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Luna
am 06.03.13 um 17:31
Danke!
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angyy
am 06.03.13 um 13:26
ein toller artikel, der mir aus der seele spricht. denn als frau die 1,56 cm groß ist dabei aber kleidergröße 44 / 46 trägt hab ich mir schon manches anhören müssen und wie oft saß ich daheim vorm spiegel und dachte "was wäre wenn ich nur ein klein wenig dünner wäre". das ich viele nette freunde habe, ein gesundes sozial wesen und ein ganz annehmbares gesicht - egal hauptsache dünn. was eine fatale denkweise, die leider so viele frauen haben.
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Susanne
am 05.03.13 um 11:58
Liebe Brigitte,
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Liane
am 04.03.13 um 22:38
Wie sehr habe ich mich über diesen Artikel gefreut, vielen Dank dafür!
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Brigitte
am 04.03.13 um 21:58
Die Französinnen... Die Französinnen, die ich interessant und lustig fand, sahen ganz "normal" aus. Die dünnen, schicken hingegen waren oft ausgesprochen unentspannt, da man ja um die anwesenden Männer konkurrieren musste und nicht aus der (Französinnen-) Rolle fallen durfte. Und wenn man dann noch mitbekommt, wie boshaft und gnadenlos französische Männer oft über Frauen und deren Qualitäten (Aussehen) reden, dann fällt es mir schwer zu glauben, dass all diese "Schönheit" frei gewählt und absolut zwanglos ist.
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Susanne
am 01.03.13 um 12:28
Super-Artikel. Großes Lob dafür. Aber andererseits kann ich mich einer der Vorrednerinnen nur anschließen: die gute, alte Brigitte nebst ihren diversen Ablegern ist immer ganz vorne mit dabei, wenn es gilt, die Maßstäbe zu setzen. Merkwürdig, diese Doppelzüngigkeit.
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frieda
am 01.03.13 um 07:13
herzlichen dank! ein tolles statement! bin dabei in der umsetzung!
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Alleinmitvier
am 28.02.13 um 20:36
Ich habe mich offenbar falsch ausgedrückt. Ich finde dieses deutsche Gejammer, Emanzipation sei, sich gehen lassen zu dürfen und nicht mehr auf sich und seinen Körper zu achten. Dafür werden wir im Ausland belächelt. keine Französin fühlt sich geknechtet, weil sie hübsch, gepflegt und erfolgreich ist. Vielmehr empfindet man dort die Zeit, die man in seinen Körper und Aussehen investiert als "Wellness". Mir geht es genauso. Mir ist es trotz Stress sehr gut, wenn ich mich um 20 Uhr noch zum Sport schleppe und ich freue mich nach meinem Waxingtermin an meinem Körper. Aber ich unterwerfe mich damit sicher keinem Diktat und ich unterwerfe auch keinen anderen. Soll doch jeder rumlaufen, wie er will. Ich gehe gern auf Highheels durch Leben.
mehr (28)Früher war ich gertenschlank und faltenfrei. Männer baggerten mich an und manche Frauen hassten mich dafür.
Ich wurde älter und etwas dicker. Vereinzelte Männer lächelten mich noch an, Frauen wurden umgänglicher.
Heute bin ich relativ faltig, habe die ersten grauen Haare und trage Kleidergröße 46. Männer lassen mich in Ruhe und Frauen knallen mir Beleidigungen um die Ohren, die ich noch von keinem Mann zu hören bekam.
Ich nehme gerade wieder ab und plane, meine Haare zu färben. Wenn manche Frauen wieder anfangen, mich mit Nichtbeachtung zu strafen und lästernder Weise die Köpfe zusammenstecken, dann weiß ich, meine Figur ist wieder in Ordnung.
Als Teil ihrer Abschlußarbeit ihres Grafikstudiums haben zwei Bekannte von mir mal die Titelseiten einer Frauenzeitschrift und eines Magazins für Männer vertauscht, und der Effekt war haarsträubend. Visuell sahen beide wie typische Ausgaben aus, aber die Titel der Artikel selber machten die permanente Gehirnwäsche extrem deutlich. Das Männermagazin versprach plötzlich Inhalte wie 'der schnelle Weg zu mehr Selbstvertrauen!', 'abnehmen mit der xy Diät', 'welche Kleider welcher Figur stehen', 'wie halte ich meine Traumfrau fest', und Ähnliches. Die Frauenzeitschrift dagegen warb mit Themen wie 'die 50 heißesten Männer', 'Fotostrecke von sexy XY in seinen knappsten Badehosen', 'besser Poker spielen', 'Alles über den neuen Kinofilm xy', usw.
Oder auch sehr gut zusammengefaßt von den britischen Komödianten Mitchell & Webb hier: http://www.youtube.com/watch?v=85HT4Om6JT4
Bin 23 Jahre alt und der Artikel spricht mir aus der Seele! Es scheint doch etliche Frauen zu geben, die vernünftig sind und spüren, dass uns unser eigener Weg irgendwie abhanden gekommen ist. Ich würde mir wirklich oft mehr Solidarität unter Frauen wünschen!
Ich habe mich außerhalb eines Kindergeburtstages übrigens noch nie geschminkt und Maniküre ist für mich ein Fremdwort ;) und ich gedenke, das beizubehalten.
wir müssen wirklich anfrangen uns den rücken zu stärken. auf hören über andere frauen schlechtes zusagen (ich hab mir das fest vorgenommen), sich gegenseitig zu bestärken und solidarisch zu sein macht sicher mehr spaß als gezicke. leider sagt sich das alles so einfach, denn das mode/medien diktat ist doch unheimlich stark und wer hat schon den elan alleine dagegen anzukämpfen, wenn alle anderen frauen fleißig weiter alles für dieses diktat tun und die männer ebenfalls ihres dazu beitragen. traurige aussichten sind das
als Mittvierzigerin+ habe ich über den Artikel sehr geschmunzelt. Und mich (unrasiert und unlackiert) fast ein wenig ertappt gefühlt - was mich aber eher bestärkt als irritiert.
Dass wir Frauen ab Vierzig aber alle mit uns "im Unreinen" sind, das möchte ich nicht unterschreiben. Ich schreibe ein kleines Modeblog und interviewe schon seit einigen Monaten Frauen über 40 und weit darüber zum Thema Schönheit und Mode (http://www.texterella.de/mode-text.php/lifestyle/blog/C136/) und die mögen sich eigentlich alle leiden. Bzw. sind sich ihrerselbst im Laufe der Jahre sogar sicherer geworden. Das kann ich eigentlich aus meinem direkten (analogen) Umfeld so bestätigen.
Natürlich beschäftigt mich das Thema Schönheit - aber mich deshalb der allgemeinen Diktatur zu unterwerfen? Nö. Da halte ich es lieber mit ein bisschen Brigitte-Diät ab und zu. So wie meine Mutter. :-D
Er sollte gerade jungen Frauen zur Verfügung stehen, die gerade beginnen, sich zu finden und sich dabei zwangsläufig und zumeist unreflektiert an gängigen Idealen orientieren.
Ich habe mir 20 Jahre lang Strähnchen gefärbt, und gerade jetzt mit 45, wenn die ersten grauen Haare kommen, lasse ich die Farbe weg und genieße die Zeichen der Reife.
Vielleicht findet ihr zu dem Thema in der gesamten Brigitte/Woman noch einen klareren Standpunkt? Ein Artikel allein reicht da nicht!