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Problemzonen? Endlich Frieden mit dem Körper!

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Problemzonen? Anke Gröner mochte ihre Beine nicht

Beine - eine verwirrende Angelegenheit für manche Frauen

Beine - eine verwirrende Angelegenheit für manche Frauen

Foto: Agenturbild: Miss X / photocase.com

"Apfelform" - was für ein wunderbares Wort. Ich beneidete jahrelang Frauen, die mit dieser Körperform ausgestattet waren: viel Busen, Bauch, Po - und dazu schlanke Beine, die in Stiefel und schmale Hosen passen und unter kurzen Kleidern toll aussehen. Ich habe eher die Körperform "Litfasssäule": alles von oben bis unten überdimensioniert. Auch die Beine. Über die ich besonders unglücklich war. Weswegen ich nie Stiefel trug (weil ich nie welche fand, die mir passten), nie schmale Hosen (weil sie schon an den Unterschenkeln scheiterten) und vor allem nie kurze Kleider (da hätte man ja meine Beine gesehen - Untergang des Abendlandes).

Bis ich vor gut zwei Jahren ein Food-Coaching mitmachte und lernte, Nahrung nicht mehr als Feind, sondern als Vergnügen wahrzunehmen. Mit der Freude am Essen entwickelte sich, ohne dass ich es darauf angelegt hatte, eine Freude an mir: Ich war plötzlich nicht mehr den ganzen Tag damit beschäftigt, mir Vorwürfe zu machen, dass ich irgendwelchen Diätplänen nicht gehorchte. Oder dass ich mich doch nur ein bisschen anstrengen müsse, um gaaanz anders auszusehen. Stattdessen fragte ich mich jetzt: Wieso muss ich denn bitte schön anders aussehen? Wieso darf Anke Gröner nicht aussehen wie Anke Gröner? Wieso erwarte ich von mir selbst, dass Anke aussieht wie Kate, wie Gisèle, wie Claudia?

Anke Gröner, 42, arbeitet als freie Werbetexterin und schreibt in ihrem Blog (www.ankegroener.de) unter anderem regelmäßig über ihr verändertes Essverhalten. Auch ihr Buch "Nudeldicke Deern" (240 S., 14,95 Euro, Wunderlich) kreist um dieses Thema

Anke Gröner, 42, arbeitet als freie Werbetexterin und schreibt in ihrem Blog (www.ankegroener.de) unter anderem regelmäßig über ihr verändertes Essverhalten. Auch ihr Buch "Nudeldicke Deern" (240 S., 14,95 Euro, Wunderlich) kreist um dieses Thema

Mit dem neuen Blick auf Nahrung kam auch ein neuer Blick auf mich: Wenn ich täglich genussvoll esse und damit meinem Körper etwas Gutes tue, dann kann der doch eigentlich gar nicht so schlecht sein. Ich darf auf meinen Körper stolz sein, selbst wenn er nicht so aussieht wie die vielen Körper, die mir täglich in den Medien präsentiert werden. Und zu meinem Körper gehören auch meine Beine, die bislang von sehr weiten Hosen umhüllt waren. Meine Beine haben immer noch Dellen und blaue Flecken, und beim Rasieren bin ich gern schlampig, aber auf einmal wollten sie sich nicht mehr verstecken.

Und so kaufte ich die ersten Leggings meines Lebens und das erste Kleid, violett und kniekurz. Zum ersten Mal schlich ich nicht demütig durch die Gegend, weil ich dick war, sondern ich freute mich darüber, dass meine Beine mich stark und kraftvoll trugen. Und obwohl man als dicker Mensch häufiger missbilligende Blicke abbekommt, traf mich an diesem Tag kein einziger von ihnen. Trotz eines eng sitzenden Kleids und meiner deutlich sichtbaren dicken Beine. Es scheint zu stimmen: Wenn man auf sich stolz ist und sich wohl fühlt, muss man nicht in schwarzen Großraumzelten rumlaufen, die angeblich irgendwas kaschieren. Ich weiß bis heute nicht genau, wie sich mein Blick auf mich geändert hat. Ich weiß nur, warum. Weil ich meine Zeit nicht mehr damit zubringe, mir meine Körperform vorzuwerfen, an der ich nun mal sehr wenig ändern kann. Weil ich jetzt gut zu mir bin. Vor allem zu meinen Beinen, die mich brav überall hinbringen, wohin ich gern möchte. Auch als Litfasssäule.

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  • Credits: Thinkstock/gettyimages.com
    Text: Jutta Duhm-Heitzmann; Anke Gröner; Nina Grygoriew
    Fotos: Chistina Körte
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