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Kinderwunsch vor den Wechseljahren

Die biologische Uhr tickt und der Körper signalisiert plötzlich: Bitte ein Baby! Viele Frauen vor den Wechseljahren bringt dieser Kinderwunsch ins Grübeln..

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Foto: Graugaard/istockphoto

Wo kommen nur die vielen Kinderwagen her? Wohin ich sehe: Mütter mit diesem glücklichen Ausdruck im Gesicht, den ich auch mal hatte - zuletzt vor 18 Jahren. Plötzlich regt sich ein Gefühl in mir, mit dem ich gar nicht mehr gerechnet hätte: Was, wenn ich jetzt noch mal ein Kind bekäme? Vielleicht eine kleine Tochter, nach den beiden Jungen, die inzwischen schon 18 und 20 Jahre alt sind.

Ein letztes Mal schwanger sein, ein letztes Mal einen winzigen Menschen in mir heranwachsen spüren, noch einmal stillen, Babyduft in der Nase. Sehnsuchtsvolle Momente. Doch schnell meldet sich der Kopf, um mit dem Herzen zu streiten: Wenn ich jetzt, mit 45, ein Baby bekäme, stünde ich kurz vor der Rente, wenn mein Kind 16 Jahre alt wäre.

"Bist du völlig wahnsinnig?", protestiert der Kopf. "Sei froh, dass du die Pubertät der beiden anderen überlebt hast! Denk an das Zittern vor Lateinklausuren, den Kleinkrieg mit den Söhnen ums Nachhausekommen, die schlaflosen Nächte." Recht hat er. Aber der Bauch flüstert: "Jetzt oder nie mehr." Denn viele Jahre bleiben mir nicht mehr, um darüber nachzudenken. Genau genommen weiß ich nicht einmal, ob ich überhaupt noch ein Kind bekommen könnte...

Wechseljahre bedeuten das Ende der Fruchtbarkeit

Kinderwunsch jenseits der 40: Für die Berliner Medizinpsychologin Dr. Beate Schultz-Zehden ist das ein häufiges Phänomen. Die Forscherin beschäftigt sich seit Jahren mit den seelischen Veränderungen zu Beginn der Wechseljahre. Ihre Erfahrung: "Viele Frauen erleben in dieser Phase noch einmal das Sehnen nach einem Kind."

Die Wissenschaftlerin vermutet, "dass sich ein nicht ausgelebter Kinderwunsch stark auf die Psyche auswirken kann, gerade in diesem Alter". Kein Kind mehr bekommen zu können bedeutet vor allem, Abschied zu nehmen von der eigenen Fruchtbarkeit, von einer Phase im Leben, die so nie wiederkehren wird. Ein Haus - kann man später noch kaufen. Einen Mann - auch verlieben kann man sich je derzeit. Aber ein Kind?

In dem Moment, in dem der Körper die Hormonproduktion herunterfährt und keine Eizellen mehr freigibt, ist es damit vorbei, für immer. "Frauen trauern über einen nicht erfüllten Kinderwunsch deshalb nicht mit Anfang 50, sondern eher mit Anfang 40", sagt Forscherin Schultz-Zehden. Dann nämlich, wenn sie theoretisch noch ein paar Jahre die Chance hätten, ein Kind zu bekommen.

Der Abschied vom Kinderwunsch fällt vielen schwer

Dass sich die Sehnsucht rührt, kann dabei ganz unterschiedliche Gründe haben. Vor allem Frauen, die nie ein Baby bekommen konnten, fällt der Abschied vom Kinderwunsch schwer. Aber auch Frauen, die Kinder haben, und Frauen, die bewusst kinderlos geblieben sind, kommen in diesem Alter erneut ins Grübeln. "Wechseljahre bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal ein Wandel", erklärt die Psychologin. Viele Frauen fragen sich: Wo will ich in den nächsten Jahre hin? Welche Weichen habe ich dafür bereits gestellt? Und welche Türen sind auf meinem Lebensweg schon zugefallen?

Ob Frauen sich leichter oder schwerer von ihrer fruchtbaren Phase verabschieden, hängt auch von der Qualität der Beziehung ab, in der sie leben. Davon ist Professor Isabella Heuser, Direktorin der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie Charité Campus Benjamin Franklin in Berlin, überzeugt.

Sie hat beobachtet, dass Frauen, "die in ihrer Partnerschaft die große Leere erleben, sich erhoffen, dass ein Baby die Beziehungslosigkeit beendet". Vor allem, wenn große Kinder das Elternhaus verlassen, die Partnerschaft ihre Nestbau-Funktion verliert, soll neuer Nachwuchs die Liebe kitten, (wieder) für Nähe sorgen.

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  • Text: Anne-Bärbel Köhle
    Foto: Graugaard/istockphoto
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