- In diesem Artikel:
Man erkennt sie von Weitem. Ihr Kopf ist leicht geneigt, er nickt sanft wie der eines Plastikhündchens auf der Heckablage eines alten Opel. Ihr Lächeln ist nicht zu breit und wirkt doch seltsam festgeklebt. Wenn man näher kommt, hört man die bestätigenden Laute aus ihrem Mund. "M-hm. Genau. Find ich auch. Ganz richtig." Dabei streicht sie ihrem Gegenüber zur Bestätigung sanft über die Schulter. Wenn es diese Fernsehsendung noch gäbe, in der man mittels Gesten seine berufliche Tätigkeit andeutet, dann würde sie da sitzen und lächeln und nicken, und das Rateteam würde durcheinanderrufen:
"Sie sind . . . eine Jasagerin?"
"Eine Harmoniesüchtige!"
"Ja, harmoniesüchtig, harmoniesüchtig!"
"Nein, ich weiß, Sie sind eine chronische Konfliktvermeiderin!"
Eine Frau wie viele andere also. Nicht nett, was ich da schreibe. Darf ich das schreiben, oder ärgern Sie sich jetzt über mich? Soll ich was anderes schreiben? Mögen Sie mich dann wieder? Sagen Sie's nur.
M-hm. Genau. Find ich auch.
Harmoniesucht ist eine Frauenkrankheit
Es ist leider was dran an der These, dass es meist Frauen sind, die noch zwei Stunden lang mit dem Köpfchen nicken, wenn man sie einmal angestupst hat. Warum ist das so? "The disease to please", nennt es die amerikanische Talkshow-Königin Oprah Winfrey. Die Um-jeden-Preis-gefallen-wollen-Krankheit. Ein mehrheitlich weibliches Phänomen. Die genaue Zahl der Betroffenen ist nicht bekannt. Aber man kann mit gutem Gewissen behaupten, sie sei weit verbreitet. Das ist die schlechte Nachricht. Die Gute: Sie ist heilbar.
"Mama, warum sagen Mädchen nie, was sie wirklich wollen?"
Mein Sohn war ungefähr neun Jahre alt, als er mir diese Schicksalsfrage stellte. Nach einem offenbar für ihn nervenaufreibenden Nachmittag mit einer kleinen Freundin.
"Was sollen wir spielen?"
"Weiß nicht. Sag du!"
"Was magst du denn gern?"
"Weiß nicht. Sag du."
"Fußball?"
"Ja, klar, super."













Kostete mir einen Sorgerechtstreit, der seit einem Jahr läuft und erst jetzt begriff ich, ich darf nicht versuchen aus dem Weg zu gehen, nur des Friedens Willen. Genau das war mein größter Fehler im November 2008. Darauf zu hoffen, wenn ich mich ruhig verhalte und brav nach gebe, damit es ja zu keinem Streit kommt, genau das ging natürlich schief.
Harmonie ja klar, brauchen wir alle in unserem Leben, aber richtige Harmonie, die vom Herzen kommt und nicht vom Verstand. Alles andere hat nichts mehr damit zu tun.