Glückliches Leben

Findet mich das Glück?

  •  
  •  

Erst danach klettert die Glückskurve steil aufwärts. Aber was macht uns eigentlich glücklich, was ist überhaupt Glück? Nur ein Gefühl, das wir spüren, mehr nicht. Oder, wie Alfred Bellebaum, emeritierter Soziologieprofessor und Gründer des Instituts für Glücksforschung in Vallendar bei Bonn, es ausdrückt: "Glück ist das, was Menschen darunter verstehen. Punkt." Und zwar jeder für sich. "Wenn man ein Tief hatte und es überwunden hat, das ist Glück", sagt Edith Heiderich überzeugt, wenn sie zurückdenkt.

Für andere, wie Werner Weissaur, fängt es schon viel früher an. Für den 53-jährigen Multisportler, der von Beruf EDV-Spezialist ist, bedeutet es: "Mit meinem Hund Benny spazieren gehen, den Körper beim Joggen auspumpen und abends in der Badewanne liegen." Oft unterschätzen wir die kleinen Freuden wie "nette Nachbarn" oder "ein gutes Tennismatch". Doch gerade sie bewirken, dass unser Glücksniveau beständig einen kleinen Satz nach oben macht. Wer von sich sagen kann, "ich bin Augenblicksgenießer", geht schon den ersten Schritt zum Glück. Petra Finsterle, 53, ist so eine. Eine, die beim Rühren so weit in den Duft einer heißen Schokolade eintaucht, dass sie darüber das Reden vergisst. Eigentlich diskutiert sie gern und viel, deshalb hat sie den politischen Debattierclub "Club Voltaire" in München gegründet und müsste sich eigentlich ständig drüber ärgern, dass vom "linken Spektrum" im CSU-Land Bayern trotzdem nie die Rede ist. Tut sie aber nicht. Stattdessen organisiert sie musikreiche Vortragsabende und schwärmt, "dass jeder Abend ein kleines Fest ist. Manchmal bin ich wie ein Huhn, das sich freut, wenn es wieder ein besonders schönes Ei gelegt hat".

Der auffälligste Zug an glücklichen Menschen: Sie reden so oft über schöne Momente, übers Gelingen. Verschwenden weniger Zeit an Zweifel, obwohl viele von ihnen schon mal in der Sackgasse gelandet sind, den Neuanfang gewagt haben. Warum auch zweifeln? Das bremst nur den Elan, findet Christine Neumann. "Ich bin Optimistin. Wenn ich morgens losfahre, singe ich, bis ich bei der Arbeit ankomme." Alle vier Glücklichen haben die negativen Seiten des Lebens gesehen, sahen Eltern krank werden und Freunde sterben. Sie haben erlebt, dass es immer noch schlimmer kommen kann, deswegen regt sie eine Arthrose im Knie nicht so auf. Und sie wissen, dass Jammern keine Lösung ist. "Wir haben unglaubich viel Kraft in uns. Der Mensch gibt nicht so schnell auf", sagt Edith Heiderich.

Auch von Werner Weissaur hätten wenige gedacht, dass er mal glücklich würde. Er verlor früh seine Eltern, musste sich den Lebensunterhalt durch Gelegenheitsjobs selbst verdienen, studierte. "Seitdem habe ich das Gefühl, ich schaffe alles, was ich mir vornehme." Er hat den festen Willen zum Glück. Den Schlüssel dafür gibt es genauso wenig wie "das richtige Leben". Aber wir spüren ganz genau, wann wir glücklich und vor allem: unglücklich sind. Genau dieser inneren Stimme sollten wir folgen.

  • Text: Nadine Oberhuber
    Foto: Photocase
BRIGITTE WOMAN
im Abo