Valentinstag
Kussrituale: Wie küssen die Menschen rund um die Welt?
Während in Frankreich beim Küssen nichts ohne Zunge läuft, spielen in Papua-Neuguinea ausgerechnet Wimpern eine besondere Rolle. Wie küssen die Menschen weltweit? Wir nehmen Sie mit auf die Reise.
Küssen in Frankreich
Da haben die Franzosen schon die romantischste Stadt und den unbestritten verführerischsten Akzent der Welt – und dann behaupten sie noch, Erfinder des Zungenkusses zu sein. Aber der wird ja auch nicht umsonst als "French Kiss" oder französischer Kuss bezeichnet. Überhaupt küsst kaum eine Nation so viel wie die Franzosen, denn schon zur Begrüßung gibt es rechts und links je nach Region zwischen zwei und vier "bisous", also kleine Küsschen, auf die Wangen gehaucht. Die Franzosen wissen eben einfach, wie's geht…
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Küssen in Indien
Viele Anthropologen sind der Meinung, dass Indien tatsächlich der "Geburtsort" des Kusses sein könnte, wie wir in heute kennen. Indische Skulpturen sind nämlich die allerersten Kulturartefakte, die das Küssen bildlich darstellen. Auch der früheste literarische Beleg für das Küssen findet sich in Indiens Sanskrit-Texten aus dem Jahre 1500 vor Christus. Kein Wunder also, dass das Erotik-Lehrwerk Kamasutra gleich mehr als 30 Kuss-Varianten aufzählt – vom zuckenden Kuss bis zum Kampf der Zungen. Dabei geht es um weit mehr als nur um einen Schmatzer, denn im Hinduismus wird der Kuss als kosmische Vereinigung der unterschiedlichen Pole von Mann und Frau gesehen. Auf indischen Straßen sieht man küssende Pärchen allerdings äußerst selten, da Intimitäten in der Öffentlichkeit immer noch ein Tabu sind. Und auch in Bollywood-Filmen gilt strengstes Kuss-Verbot.
Küssen in Papua-Neuguinea
Auf den Trobriand-Inseln in Papua-Neuguinea darf man als verliebtes Pärchen gern mal ungeniert an den Wimpernspitzen des anderen knabbern. Ja, richtig gelesen: Den Wimpern, denn kurze Wimpern gelten im Südpazifik als Status-Symbol. Im Jahr 1929 besuchte der Anthropologe Bronislaw Malinowski die Insel-Gruppe, um die sexuellen Vorlieben der Einwohner zu dokumentieren und beobachtete nicht nur das hingebungsvolle Wimpern-Beißen, sondern auch das Saugen und Beißen an Lippe und Zunge – und zwar solange, bis Blut floss.
Küssen in Österreich
Küss' die Hand, gnä' Frau? Von wegen, selbst in einer Stadt wie Wien sieht man diese schöne Sitte immer weniger. Schade eigentlich, kann so ein Handkuss doch von Wertschätzung und Bewunderung bis zu Verehrung so gut wie alles ausdrücken. Übrigens: Wirklich geküsst wird die Hand nur bei verheirateten oder verwitweten Frauen, bei unverheirateten dagegen wird er nur sanft in die Luft gehaucht. Und liegt nicht genau in dieser Andeutung eine Sehnsucht, die einfach herrlich nostalgisch ist?
Küssen in Italien
Küssen muss nicht immer etwas Positives sein, denn der sogenannte "Mafia-Kuss" verheißt in der Regel nichts Gutes: Dabei küsst der Mafia-Pate abtrünnige Mafiosi auf die Stirn – als Zeichen für einen nicht nur sehr baldigen, sondern leider auch ziemlich widernatürlichen Tod. Das bewies schon Marlon Brando in "Der Pate".
Küssen in der Arktis
Bestimmt haben Sie schon mal vom Inuit-Kuss gehört, bei dem die beiden "Küsser" ihre Nasen aneinander reiben. Wussten Sie aber auch, dass es dabei weniger um das Näseln als um das Riechen geht? Tatsächlich zählt der Inuit-Kuss zu den sogenannten "Riechküssen", bei denen Liebende, enge Freunde oder Mitglieder einer Familie Oberlippe und Nase auf Stirn oder Wangen des anderen legen und dann langsam einatmen. Das bezeichnet man dann als "Kunik". Anders als häufig angenommen, ersetzt dieser nicht das herkömmliche Küssen, sondern ist eher eine Begrüßung als eine romantische Geste. Ähnliche Schnüffel-Techniken gibt es übrigens auch in Polynesien, bei den Lappen, den Maori in Neuseeland und auf Borneo.
Küssen in Griechenland
"Trunken bin ich vom Kuss der rosigen Lippen. Der Kuss war Nektar: es hauchte der Mund Götter-Ambrosia-Duft", schwärmte schon der Philosoph Platon im antiken Griechenland. Bis heute hat das Küssen einen ganz besonderen Stellenwert bei den Griechen. Und diese große Bedeutung zeigt sich schon in der Sprache: Für "küssen" und "lieben" gibt es nämlich ein gemeinsames Wort.
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