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Interview: "Frauen sind entschlossener und radikaler in der Liebe"
Warum fällt es Paaren trotz vieler gemeinsamer Jahre so schwer, die Herausforderungen einer langen Ehe zu meistern? BRIGITTE-Woman-Mitarbeiterin Birgit Schönberger sprach darüber mit dem Hamburger Psychologen und Paartherapeuten Michael Cöllen
BRIGITTE WOMAN: Frauen, die sich nach 20 oder 30 Jahren Ehe getrennt haben, berichten häufig, ihre Männer seien aus allen Wolken gefallen. Wie kann das sein?
Michael Cöllen: Es ist statistisch erwiesen, dass nach sechs Jahren Ehe bereits 80 Prozent der Frauen unzufrieden sind, bei den Männern sind es nur 20 Prozent. Das zeigt, dass Frauen und Männer eine Beziehung sehr unterschiedlich erleben. Ich kenne den Fall eines Mannes, der wie vom Schlag getroffen war, als seine 48-jährige Frau auf einer Party wortlos mit einem anderen Mann wegging und jede Auskunft verweigerte. Später stellte sich heraus, dass sie ihn jahrelang erfolglos mit ihrem Ehefrust konfrontiert hatte. Ich habe in meiner Praxis auch 60-Jährige, die ihren Männern sagen: "Ich trenne mich von dir, so will ich nicht mehr weiterleben."
BRIGITTE WOMAN: Warum kämpfen die Männer nicht rechtzeitig um die Liebe?
Michael Cöllen: Oft sind sie durch den Beruf so ausgelaugt, dass sie für die Beziehung keine Kraft mehr haben...
BRIGITTE WOMAN: Viele der Frauen sind ja nicht weniger belastet.
Michael Cöllen: Natürlich, aber sie bewahren sich noch eine gewisse Privatzone. Die Männer empfinden die Erwartungen der Frauen häufig als zusätzliche Belastung - auch weil sie es nicht gelernt haben, in die Welt der Gefühle einzutauchen. Viele Männer kommen nach Hause, sind müde, setzen sich vor den Fernseher. Das machen die heute 50-jährigen Frauen nicht mehr mit.












Eve