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Slow Sex: Langsam ist das neue Schnell?

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BRIGITTE WOMAN: Aber beim Sex wirklich präsent zu bleiben ist bekanntlich nicht ganz einfach. Wir denken dabei an Jobtermine und neue Bettwäsche in Hellgrau.

DIANA RICHARDSON: Unser Verstand ist extrem machtvoll, und es ist schwierig, ihn auszuschalten. Die einzige Chance, ihn zu umschiffen, ist, uns immer wieder in den Körper zurückfallen zu lassen mit unserer Aufmerksamkeit. Ihn zu bemerken, hinzufühlen. Zu schauen: Wo ist mein Körper angespannt, wo zieht er sich zusammen, wo verkrampft sich was? Im Kiefer, in den Schultern, im Beckenboden, in der Vagina. Und diese Stellen immer wieder ganz bewusst zu entspannen, weil sich damit die Sensibilität des Körpers erhöht.

BRIGITTE WOMAN: Ein wesentlicher Aspekt von Slow Sex ist der Verzicht auf einen Orgasmus. Das entspricht nicht gerade der gängigen Vorstellung, die da lautet: Guter Sex ist, wenn beide kommen.

DIANA RICHARDSON: Wir haben zwei Möglichkeiten, wie wir mit unserer sexuellen Energie umgehen können. Beim konventionellen Sex läuft es so, dass wir Energie aufbauen und entladen. Es gibt aber auch die Option, die Energie im Körper zu bewahren, indem wir auf die Entladung, sprich den Orgasmus, verzichten. Beim Slow Sex gibt es keinen „Wow“-Höhepunkt, keinen richtigen Abschluss. Aber man trägt die Energie noch in sich, und das fühlt sich komplett anders an.

BRIGITTE WOMAN: Einen Orgasmus zu haben ist aber doch ein großer Genuss.

DIANA RICHARDSON: Der Orgasmus ist vor allem ein riesiges Versprechen. Alles richtet sich danach aus, die Menschen konzentrieren sich beim Sex auf die paar Sekunden und denken gar nicht groß darüber nach, wie sie sich danach fühlen. Nämlich häufig eher so: Na ja. Manchmal niedergeschlagen und traurig. Oder müde.

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  • Interview: Christine Hohwieler
    Illustrationen: Cornelia von Seidlein
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