Ohne Partner leben
Single über 50 - das geht!

Single mit Mitte 50. Der Mann hat sich verabschiedet, die Kinder ebenfalls. Es ist harte Arbeit, das Leben noch einmal neu zu denken - aber es geht.

Mein Leben ist so ganz anders verlaufen, als ich es mir vorgestellt habe." Ein Hauch Wehmut schwingt da mit. Eine Nuance nur, aber hörbar für einen flüchtigen Moment. Dabei passt der Satz im ersten Augenblick so gar nicht zu Hanna Martens (Namen von der Redaktion geändert). Die Hamburger Restauratorin sieht aus wie eine Frau, die die Muße hat, sich um die schönen Seiten des Lebens zu kümmern, einschließlich um sich selbst. Der schwarze, schmale Rock, der dunkle Kaschmirpullover, die edlen Lederstiefel mit flachen Absätzen. Alles passt so gut. Vielleicht ist es auch wegen der blonden Locken, die sie im Nacken zusammengebunden hat, dass sie fast ein wenig mädchenhaft wirkt. Nur die feinen Lachfältchen um die Augenwinkel geben einen Hinweis auf ihr Alter: 55 Jahre. So weit der erste Eindruck.

"Nicht, dass Sie denken, ich sei unglücklich. Nein. Eigentlich bin ich ganz zufrieden mit meinem Leben", fügt sie lächelnd hinzu, streift eine aufsässige Locke aus ihrem Gesicht und schüttelt den Rest Schwermut von den schmalen Schultern.

Single über 50 - wo ist die Zeit geblieben?

Der zweite Eindruck: Es ist still hier. Die hallenartigen Räume der Hamburger Altbauwohnung wirken fast zu riesig für die zierliche Frau. Hanna Martens lebt allein. Von ihrem Mann ist sie seit 17 Jahren getrennt. Die Söhne Florian und Daniel studieren. Der eine Politik in Berlin, der andere Jura in München.

Wenn sie früher aus der Werk - statt nach Hause kam, flogen im Flur regendurchnässte Jacken, Tennisschuhe und halb entleerte Schulranzen herum. Auf dem Küchentisch standen gebrauchte Gläser, irgendwo lag immer angebrochene Schokolade. Eben ein ganz normales Chaos von zwei halbwüchsigen Jungs. Das änderte sich schlagartig, als erst Florian und ein paar Jahre später auch Daniel aus der Wohnung auszog. "Plötzlich begegnete mir nur noch mein eigenes Chaos, wenn ich abends die Tür aufschloss." Eine Tasse mit einem Rest kalten Kaffee vom Frühstück. Eine Zeitung, die noch aufgeschlagen auf dem Tisch lag. Die Boten vom hektischen Aufbruch am Morgen trafen sie dann wie eine Faust in die Magengrube.

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  • Text: Tatjana Blobel
    Fotos: Frank Siemers
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