Der Klassenlehrer kam zu mir nach Hause, war voller Sorge. Und voller Mitgefühl. Ich hielt ihm die „Leiden des jungen Werther“ vor die Nase, dieses Bekenntnis unbedingter Liebe, die das Du höher wertet als das eigene Ich. Bis in den Tod hinein. Mein Lehrer war entsetzt, hielt mir Vorträge über die Vergänglichkeit des Schmerzes und die Bedeutung der Selbstliebe. Doch ich spürte, hinter seiner väterlichen Autorität steckte auch ein Fünkchen wehmütiger Respekt für die radikale jugendliche Unbedingtheit, die ich an den Tag legte. Für meine Freundinnen war ich damals die Heldin der Liebe. Sie besuchten mich jeden Tag, hielten Händchen. Ihre Geduld mit mir war unermesslich. Besonders eine Freundin wich kaum von meiner Seite, hörte sich meine Liebesgeschichte immer wieder an, weil sie wusste, wie sehr mich das Sprechen erleichterte. Gutmütig fragte sie zum x-ten Mal: „Willst du mir noch einmal erzählen, wie du ihn kennen gelernt hast?“ Beide hofften wir auf ein Happy End.
"Du machst dich zur Närrin"
Als es mich dann 30 Jahre später wieder erwischte, hat meine beste Freundin nach einer Zeit, die mir unbarmherzig kurz erschien – vielleicht vier Wochen –, genervt die Augen verdreht, wenn ich wieder und wieder anfing, mich in Schwärmereien von diesem Mann zu ergehen. Sie war eine tolle Freundin, es mangelte ihr keineswegs an freundschaftlicher Solidarität. Sie nahm mich einfach nicht ernst. Sie hielt mich nicht für jenseits von Gut und Böse. Im Gegenteil: Sie sah mich hindernislos in eine neue Beziehung gleiten. Sie hielt, was den Weg dorthin angeht, eine Irritation für möglich, einen Irrweg, einen emotionalen Pikser, doch keine solche Katastrophe. „Reiß dich mal zusammen, meine Liebe“, sagte meine Freundin. „Aus dem Alter, in dem wir uns kindisch in Liebesdramen verwickeln lassen, sind wir doch raus.“ Eine andere Freundin reagierte noch schonungsloser: „Wahrscheinlich will der keine Beziehung mit dir, weil du ihm zu alt bist. Du machst dich zur Närrin, das steht einer Frau in deinem Alter schlecht zu Gesicht.“







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Angela
am 25.11.12 um 14:47
Schön. Zum Glück habe ich zwei Freundinnen, die es akzeptieren und nachvollziehen können, dass ich mich mit meinen 48 Jahren in einen jungen Mann verliebt habe, von dem mich 28 Jahre und 700 km trennen. Die Erkenntnis hat mich getroffen wie ein Schlag, hätte ich mir niemals vorstellen können. Aber es ist passiert. Ich bin verheiratet und kenne meinen Ehemann - er ist der liebste Mann der Welt - seit 30 Jahren. Trotz idealer Ausgangslage also plötzlich diese Verliebtheit in jemanden, den ich nicht haben kann, als Partner auch nicht will. Ja, es geht nicht ums Geliebtwerden, es geht ums Lieben. Auch ich habe mich nicht hauptsächlich am nicht erreichbaren Du abgearbeitet, sondern an meinem Ego und finde mich deshalb auch toll. Seit ungefähr einem Jahr schreibe ich ab und zu über's Internet mit meinem "Traummann zur Unzeit", er kann mit meinen Gefühlen für ihn leben. Ich weiss nicht, wie lange dies dauern soll, ich geniesse es einfach solange es geht, ohne Ziel.
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Ruby
am 06.09.12 um 14:09
Liebeskummer fragt nicht nach dem Alter. Er tut mit 65 genauso weh wie mit 25 - vielleicht kann man ein bisschen besser damit umgehen, weil man ruhiger geworden ist.
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Klaus
am 31.08.12 um 01:13
Auf einer Kunstaustellung habe ich mit einer Dame über "Eifersucht als Schattenseite der Liebe" philosophiert. Sie meinte:"Eifersüchtig ist man nur wenn man selbst unsicher ist und seine eigenen Schwächen durch den Partner kompensieren möchte.
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Sevilia
am 23.08.12 um 18:11
Warum nicht? Liebeskummer ist Liebeskummer.
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Sabi
am 08.08.12 um 11:02
Dieser Artikel spricht mir aus der Seele. Ich habe mich in vielen Passagen wiedererkannt. Es geht tatsächlich nicht ums "Geliebtwerden", sondern ums Lieben. Mit 48 die eigene Liebesfähigkeit neu zu erfahren ist etwas Großartiges und gibt einem nahezu unendliche Kraft. Und kann alterslos unendlich weh tun ...
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christinelisa
am 05.08.12 um 15:48
Zu diesem Thema meine Empfehlung: Ein liebender Mann - Roman von Martin Walser. Darin viele kluge, herz-wärmende Weisheiten. "Es gibt das Paradies: Zwei für einander. Es gibt die Hölle: Einer fehlt."
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Schmetterling
am 03.08.12 um 23:08
Danke für diesen Artikel. Es hat mich mit 41 Jahren mit so einer Wucht getroffen, dass ich wusste, dass mein jetziges Leben so nicht mehr weitergehen kann. Inzwischen sind fast 2 Jahre seit dieser intensiven, überraschten Begegnung vergangen. Ich habe mich nach 18 Jahren Ehe von meinem Mann getrennt. Nicht, um mit dem Anderen eine Beziehung einzugehen, sondern um aus einem Zwang zu gehen, den ich nicht mehr aushalten konnte. Ich dachte mir, wenn ich jetzt sterben würde, würde ich auf ein glückliches, erfülltes Leben zurücksehen? Jeder sollte es sich wert sein, sein Leben so zu leben, wie er es möchte.... Ohne Zwang von außen, was richtig oder falsch ist oder was man als Frau einfach nicht macht.... Selber an SICH DENKEN ohne schlechtes Gewissen..... Wieviele Männer trennen sich und wenig wird darüber geredet.... aber wenn es eine Frau macht... :-(
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Abbi
am 02.08.12 um 18:33
Ds ist keine Frage. Es ist eine Feststellung. Vom Missbrauch des Begriffes Teenie mal agesehen, ist Liebe und das Erleben der Liebe alterslos. Es passiert einfach. Irgendwie, irgendwo, irgenwann im Leben, immer wieder soweit man allein ist und sich endlos danch sehnt. Und es ist intensiv, aufwühlend, schauderhaft schön, so wie man einfach nicht gehofft und geglaubt hat derartige Gefühle jemals wieder zu erfahren. Und der Schmerz des loslassens nicht minder groß wie er in der Jugend war. Liebe ist das wunderbarste Geschenk im Leben. Liebe zu halten harte Arbeit. Liebe zu verlieren undendlich schmerzhaft, kaum zu ertragne. Liebe tut weh! und doch nehmen wir sie immer wieder mal an. Egal wie jung oder alt.
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Edith
am 01.08.12 um 09:26
Hä? Was soll diese seltsame Frage? Hat man ab 40 keine Gefühle mehr und keinen Liebeskummer? Oder umgekehrt Schmetterlinge wie zu Schulzeiten?
mehr (9)Warum soll ein alter Mensch weniger leiden wie ein junger?
Eine alte Frau hat ja bekanntlich weniger Chancen, noch mal einen Lebenspartner zu finden wie ein Mann. Auch das spielt in Liebeskummer im Alter hinein - die Angst, jetzt alleine und einsam zu sein.
Es wird immer Menschen geben, die sich aufregen: über eine Ältere mit Liebeskummer oder die Fliege an der Wand...
Warum soll man wegen solcher Typen seine Empfindungen nicht authentisch leben?
Ich bin mir wichtiger als das, was gewisse Leute eventuell denken/sagen könnten!
Ich habe die Beziehung zu einer verheirateten Frau im Internet abgebrochen, weil ich denke, dass ihr Mann dies nicht akzeptieren würde. Ich denke ich könnte eine Dreierbeziehung akzeptieren. Schließlich ist alles was über eine Zweierbeziehung von Mann und Maus hinausgeht gesellschaftlich nicht akzeptiert?
Mal abgesehen davon, kann ich mir kaum vorstellen, dass wenn langjährige Partnerschaften ihr Ende finden, und der bisherige Lebensentwurf Kopf steht, dass frau locker flockig, die Hufe schwingt, fröhlich Feste feiert und sich fühlt wie mit 20.
Mit 20 oder 30 in Liebesdingen neu anzufangen und vergangenes hinter sich zu lassen, scheint mir eine leichtere Nummer zu sein, als mit 40 oder 50. Da ist schon sehr viel Lebenszeit gelebt - es liegt mehr hinter frau, als vor ihr.
Ich find's ansich daneben, sich überhaupt die Frage Liebeskummer mit 40, ist das noch erlaubt? zu stellen. Ja, ist, es wenn frau ihn fühlt. Alles was frau fühlt ist erlaubt, aus meiner Sicht. Es sind ja schließlich eigenes Leben, Empfinden und die Intensität der Gefühle die zählen und nichts sonst.
Ich finde Liebeskummer in jedem Alter in Ordnung und er gehört dazu wie die Liebe selbst.
Liebe Grüße
Sevilia
Liebe Grüße
Sevilia
Über meine "Liebe" bin ich monatelang nicht hinweggekommen und er wird immer ein Teil meines Herzens sein. Danke für diese
kopfschüttelnde Grüße