"Ich sehe, wie sie ist, und das gefällt mir", sagt Oliver Jordan über seine Frau Helena. "Ich würde mich auch jetzt in ihn verlieben", sagt Susanne Dümmel über ihren Mann Thomas. Und wenn Männer und Frauen so voneinander sprechen, erahnt man die Tiefe ihrer Gefühle. Zumal es bei ihnen um eine langjährige, im Alltag erprobte Liebe geht. Bald 25 Jahre sind die Jordans aus Köln ein Paar, sogar 35 Jahre die Dümmels aus Berlin. Und sie empfinden weder Langeweile noch Überdruss, und es ist noch immer da, das erotische Feuer. Tröstlich in Zeiten, in denen die Kunst, sich im Eilverfahren zu trennen, populärer scheint als die Kunst zu lieben. Zumal wir umgeben sind von Bildern makelloser Jugend und Schönheit, die gerade bei uns Frauen an Ängste rühren: Können wir noch mithalten mit all den perfekten Körpern und Gesichtern, oder sind wir weniger liebenswert, nur weil wir älter werden? Und es wäre ja in der T at naiv oder geheuchelt, das leugnen zu wollen: Dünnere Haare und erschlaffende Haut, auch beginnende gesundheitliche Einschränkungen bei sich und dem Partner mitzuerleben und zu erkennen, dass sich das nie mehr ändert, fordert Toleranz und innere Stärke. Nein, schöner wird keiner, übrigens ja auch kein Mann.
Eine glückliche Beziehung gelingt - mit einem liebenden Blick
Und doch gibt es sie: Paare, die glücklich miteinander altern, mit Überzeugung und Freude. "Ich sehe sie, und sie gefällt mir" - in einem solchen Satz offenbart sich ihr Geheimrezept: Es ist der liebende Blick. Und der umfasst eben weit mehr als das Äußere. Sein Blick, seine Hände, seine Haltung. Ihr Gang, ihr Lachen, ihre Art, sich ihm zuzuwenden - und das alles ist unendlich vertraut, gibt ein Gefühl von Heimat, Leichtigkeit, Wohlsein. Erzeugt einen sinnlichen Energiefluss, der in Krisenzeiten schon mal dahinplätschern kann, in den schönen Phasen aber immer wieder zum mitreißenden Strom wird.
Bei der Liebe sei ein äußeres und inneres Sehen am Werk, schreibt der Stuttgarter Paartherapeut Roland Kachler in seinem - leider vergriffenen - Buch "Lass die Liebe tanzen": "Der Partner schenkt uns eine liebevolle Spiegelung, in der wir unsere Stärken, unsere Besonderheiten und unsere noch nicht entwickelten Potenziale sehen können. Er sieht uns so, wie wir werden können, wenn wir unser Bestes entwickeln." Und in eben dieser zärtlich-bewundernden Spiegelung offenbart sich der liebende Blick, wie ihn sich Oliver und Helena, Thomas und Susanne bewahrt haben.
Es ist ein kurzer, wahrer Satz: Ich begehre dich, weil DU es bist. Dann ist das Begehren keinem Bild gewidmet und keiner Projektion, nicht dem knackigen oder weniger knackigen Po, weder genormter Schönheit noch verlängerter Jugend. Sondern dem einen einzigartigen Menschen, bei dem man ohne anstrengendes Hirn- TV im Kopf man selbst sein kann, mit Falten, Macken, Lebensspuren. Du kannst dich bei mir fallen lassen, ich fange dich auf.
Es gibt eine alte Legende aus Japan, die erzählt davon, dass jeweils ein Mann und eine Frau auf Erden füreinander bestimmt sind. Von Geburt an sind ihre Füße mit einem roten Band verbunden, und dieses Band knüpft der Mond. Zwar kann niemand das Band sehen; aber in ihren Herzen spüren die zwei Liebenden, dass sie einander suchen und finden sollten, um glücklich zu werden.











