Traumdeutung

Erotische Träume: Was steckt dahinter?

Sie können angenehm sein, aber auch verwirrend und beunruhigend. Doch was sagen uns erotische Träume genau?

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In diesem Artikel:

Dr. Andreas Hamburger ist Professor für Klinische Psychologie an der International Psychoanalytic University, Berlin. Veröffentlichungen u.a. über Kinder-/Paarträume, Literaturpsychoanalyse, Sprachentwicklung. Ein Forschungsschwerpunkt: Narrative Traumanalyse.

BRIGITTE-woman.de: Woher kommen erotische Träume?

Dr. Andreas Hamburger: Wie alle Träume kommen auch die erotischen aus dem Innersten, daher, wo wir mit uns allein sind. Die Psychoanalyse nimmt an, dass sie erotischen Wünschen entspringen. Sicher ist das nicht. Das Gehirn kann verschiedene Bilder gleichzeitig herstellen. Im Schlaflabor wurde beobachtet: Wenn jemand im Schlaf redet, hat das nicht unbedingt mit dem Traum zu tun, den er gerade träumt. Es scheint verschiedene Ebenen zu geben. Erotische Träume können üb­rigens auch durch autonome Vorgänge im Nervensystem ausgelöst werden.

BRIGITTE-woman.de: Das klingt erschreckend nüchtern. Wie kann man sich das vorstellen?

Dr. Andreas Hamburger: Unser Gedächtnis ist kein Filmarchiv, aus dem wir einfach Bilder abrufen. Es ist kreatives Geschehen. Wir bekommen lustvolle Gefühle und die dazugehörigen Bilder, wenn im Kurzzeitgedächtnis gespeicherte Reize auf Wünsche treffen. Sie haben Hunger und es riecht nach Kuchen. Schon stellen Sie sich eine Torte vor. So einfach geht das. Nur ist es meistens komplizierter. Die Reize sind unklarer, die Wünsche auch. Träume entstehen aus dieser Gemengelage. Sie basteln mögliche Welten, damit wir unsere Gefühle erklären können.

BRIGITTE-woman.de: Geht es in erotischen Träumen immer um Sex?

Dr. Andreas Hamburger: Sexszenen sind sogar eher selten. Und wenn sie vorkommen, sind sie überwiegend banal. Keine großen Glücksgefühle, keine Dramen, wenig außergewöhnliche Situationen. Man weiß das aus der Schlafforschung. Die Erinnerung an den erotischen Traum ist oft um einiges pikanter als der Traum selbst. Das Bewusstsein verlangt etwas Griffiges und steigert deshalb die Bilder. Übrigens nicht anders als im täglichen Leben: Die Wirklichkeit ist kaum spektakulär, die Erinnerung macht mehr daraus, in der Erzählung wird die Geschichte dramatisch.

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  • Interview: Dorothee Röhrig
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