Allein in den Urlaub

Als Single verreisen

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Sie hat recht, aber es ist schon ein sehr gewöhnungsbedürftiges Gefühl, wenn man als langjährige Ehefrau auf einmal als Solo-Akt unterwegs ist. Ein Gefühl, das eine Freundin einmal mit "so kalt wie nackt auf dem Schulhof" sehr treffend beschrieben hat. Noch kälter, weil ich hier ja schutzlos auf hoher See und nicht in meinen eigenen kuscheligen vier Wänden bin, aber ständiger Rückzug in die Kabine kommt auch nicht infrage. Das steh ich durch.

Habe ich eigentlich auf Reisen mit meinem Ehemann auch so besitzergreifend reagiert? "Hallo, Hasenpfötchen, willst du noch ein Bier?" gerufen, wenn er sich mit einer anderen Frau, womöglich jünger, schöner und blonder als ich, unterhalten hat? Jede Single-Frau böse weggefunkelt, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommt? Ich hoffe nicht, weil ich merke, wie stark es mich verunsichert und verärgert, von anderen als jemand wahrgenommen zu werden, der einem selbst völlig fremd ist - nämlich als Frau, vor der sich andere Frauen vorsehen müssen.

Soll ich etwa auf diesen Mann scharf sein?

"Hier liegt schon jemand", ich ziehe mein Handtuch wieder weg, als ich die scharfe Frauenstimme höre. Unterstellt sie mir etwa, auf den übergewichtigen, rotgesichtigen Mittsiebziger scharf zu sein, der mit glänzendem Sonnenmilchgesicht neben ihr liegt? "Keine Sorge, ich hab einen viel besseren zu Hause", würde ich am liebsten rufen, aber einer der wenigen Vorteile, wenn man selbst keine 20 mehr ist, ist doch dieses Minimum an Reife und Gelassenheit, das man sich im Laufe der Jahre erarbeitet hat, oder? Also zwinge ich meinen Mundwinkeln eine verkrampfte Kurve nach oben ab, suche mir eine andere Liege und denke an die Weisheit meiner Mutter. "Mach dir nichts draus, solche Menschen sind durch sich selbst bestraft genug", würde sie jetzt sagen.

  • Text: Evelyn Holst
    Foto:HappyAlex/ Fotolia
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