Darf ich ganz kurz?", frage ich die mir völlig fremde junge Mutter mit dem Kinderwagen, die im Supermarkt neben mir an der Kasse steht, und als sie etwas überrumpelt "Okay" murmelt, bin ich nicht mehr zu halten. Ich beuge mich über ihr ahnungsloses Baby: "Du bist ja so was von niedlich, am liebsten würde ich ganz kurz in dich hineinbeißen", wispere ich, und würden sich nicht zwei ängstliche Mutteraugen in meinen Rücken bohren, ich würde das Baby aus dem Wagen nehmen und abküssen. Aber so beherrsche ich mich, streichle nur einmal zart über das flaumweiche Babybäckchen. "Sorry, ich konnte einfach nicht widerstehen", sage ich dann entschuldigend zur Mutter, die ganz offensichtlich nicht weiß, ob sie nicht besser die Polizei rufen soll, "Ihr Baby ist einfach zu süß."
Ja, ich gestehe - ich bin babysüchtig. Wenn ich diese kleinen rosa Wesen mit den schnuckeligen Speckfalten und dem weichen Flaum auf dem Kopf irgendwo erspähe, geht es mir wie einer Drogensüchtigen, der man eine mit Heroin gefüllte Spritze vors Gesicht hält. Wie magisch angezogen umkreise ich dann meine Beute und habe nur einen Wunsch: meine Nase in einen dieser wunderbar weichen Speckhälse zu drücken und ihn tief einzusaugen, diesen himmlischen Geruch nach Babypuder und rosaweicher Babyhaut.
Wer diesen Duft einfangen und zu Parfüm verarbeiten könnte, würde weltweit reißenden Absatz finden, da bin ich ganz sicher, denn der Geruch frisch geschlüpfter Babys Imagesverbreitet so viel Behaglichkeit wie ein prasselndes Kaminfeuer. Tief einatmen und einfach nur glücklich sein. Ich würde, wenn ich könnte, jeden Morgen daran schnüffeln, gleich nach dem Aufstehen, und hätte dann den ganzen Tag gute Laune. Als Ersatz schaue ich mir dafür auf youtube unter den Stichworten "Der böse Blick" und "Lachende Vierlinge" meine Lieblingsbabys an.












Die Babyzeit war schön aber ich war froh, als sie vorbei war. Die Zeit von 4-8 Jahre war einfach toll: noch kritiklose kuschelige Liebe aber schon ein bißchen selbstständig
Die Kinder sind nun aus dem Haus, auch jetzt genießen mein Mann und ich unsere noch etwas ungewohnte "sturmfreie Bude" .... und beim Anblick der Babyfotos oder wiederfinden von ersten gekritzelten Kinderbotschaften beschleicht einen eine leise Wehmut (was waren sie doch süüüüüß!!! ) und ein fremdes Baby rührt fast zu Tränen. Und ja, ich hoffe sehr, in den nächsten Jahren Omi zu werden.