Bis Simone Sever mit 39 Jahren "gewaltig die biologische Uhr ticken hörte" - und das unabhängige Leben jeden Reiz verlor. Dann der Schock: zwei Eileiterschwangerschaften kurz nacheinander. Danach sah das Ehepaar eine künstliche Befruchtung als letzte Chance. "Psychisch war ich schon ziemlich mitgenommen", erinnert sich Simone Sever. "In einer solchen Situation fragt man sich: Warum hast du nur so lange gewartet?"
Entschlossen kündigte Simone Sever ihren Redaktionsjob, um sich ganz aufs Schwangerwerden zu konzentrieren. "Den Stress hätte ich sonst nicht ausgehalten." Die täglichen Hormonspritzen. Die Enttäuschung nach dem ersten gescheiterten Versuch. Das angespannte Warten auf das zweite Behandlungsergebnis. "Als ich schließlich die Nachricht bekam, dass ich wahrscheinlich Zwillinge erwarte, bin ich vor Freude in Tränen ausgebrochen." Simone Sever wurde innerhalb eines Jahres schwanger. So viel Glück haben längst nicht alle Frauen. Zwar kann die moderne Fortpflanzungsmedizin inzwischen immerhin jedem zweiten ungewollt kinderlosen Paar helfen. Aber meist sind mehrere Anläufe nötig. Und auch hier gilt: je höher das Alter, desto geringer die Chancen einer Schwangerschaft.
Mit 40 plus Mutter zu werden, hat Vorteile
Wenn das Kind dann da ist, gerät das Leben erst einmal aus den Fugen. "Ich bin sehr glücklich mit Fryda, aber es ist doch alles anstrengender, als ich es mir vorgestellt habe", sagt Anette Schnell. Chronische Müdigkeit, die ungewohnte körperliche Belastung vom ständigen Herumtragen des Babys, das Gefühl von Hilflosigkeit in den ersten Wochen beim Stillen. Manchmal heulte sie vor Erschöpfung - auch, weil sie alles möglichst perfekt machen wollte. Das ist typisch für ältere Mütter, hat die Gynäkologin Biermann festgestellt: "Bisher verlief ihr Leben in definierten Strukturen und nach Plan. Das funktioniert mit dem Baby oft nicht, und dann sind sie verunsichert." So musste Anette Schnell erst einmal "das Bild der Supermutter über Bord werfen". Sie hat dann früh ein Betreuungsnetz organisiert, um wenigstens stundenweise in ihrem Job arbeiten zu können. Und auch zu Hause sorgt sie besser für sich: "Heute lege ich mich mal hin, wenn Fryda schläft, und lasse die Küche Küche sein."
Bei älteren Müttern sind die Kraftreserven vielleicht schneller aufgebraucht. Dafür haben sie vielen jüngeren an psychischer Stärke und Gelassenheit etwas voraus. Das "Angebunden-Sein" macht ihnen weniger aus, und sie sind mit sich und ihrem Leben insgesamt mehr im Reinen. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen: "Unsere Erhebungen zeigen, dass ältere Mütter sich der veränderten Situation besser gewachsen fühlen als jüngere. Sie haben ein gutes Selbstvertrauen und verlassen sich auf ihre Fähigkeit, Dinge anzupacken", sagt Christian Alt vom Deutschen Jugendinstitut. Das wirkt sich auch auf die Entwicklung der Kinder positiv aus. Hinzu kommt, dass die meisten in finanziell abgesicherten Verhältnissen aufwachsen.
Auch für Simone Sever war die erste Zeit mit den Zwillingen eine Kraftprobe. "Mit zwei Babys ist alles noch mal eine Ecke härter", erinnert sie sich. Nur gut, dass ihr Mann alles mitgemacht hat: wickeln, füttern, nachts aufstehen. "Das hat uns noch mehr zusammengeschweißt", sagt die 44-Jährige, die inzwischen halbtags in der Firma ihres Mannes arbeitet. Trotz aller Anstrengung hat sie das Leben mit ihren Söhnen von Anfang als Geschenk empfunden. "Diese unbedingte Liebe kannte ich vorher nicht", sagt sie. "Es macht mir einfach Freude, mit den Kindern zusammenzusein, ihnen zuzuhören, wenn sie irgendeinen Quatsch reden. Das finde ich inzwischen schöner, als abends auszugehen und ein Glas Sekt zu trinken."
Zum Weiterlesen:
Christine Biermann, Ralph Raben: Ein Kind mit 40? Vor- und Nachteile später Schwangerschaft. Kreuz-Verlag, 220 Seiten, 17,90 Euro
Nadja Brandstätter u. a.: Späte Mütter, späte Väter. Babyglück im besten Alter. Linde-Verlag, 192 Seiten, 19,40 Euro
Petra Ritzinger, Ernst R. Weissenbacher: Später Kinderwunsch - Chancen und Risiken. Zuckschwerdt-Verlag, 183 Seiten, 17,50 Euro












-
am um
-
Yolanda
am 09.02.12 um 14:59
Besonders an Wolke:
-
Ina
am 24.11.11 um 15:50
Sorry, aber ein bisschen recherchieren sollte man schon, wenn man sowas schreibt!
-
Wolke
am 21.10.11 um 22:37
Ich habe mit 39 und mit 40 meine Kinder - jetzt 4 und 5 Jahre - bekommen. Und zwar natürlich, auf Anhieb, dazu damals bei einer Fernbeziehung. Fruchtbarkeit sehe ich inzwischen als sehr individuell an. Ich habe meinen Mann erst mit 39 Jahren kennengelernt. Er ist jünger als ich. Toll, dass wir diese beiden wunderbaren Kinder haben. Ich will meine Kinder nicht outsourcen, sie sind das Beste, was mir je passiert ist. Bitte keine Tagesmutter. Bitte keine Selbstverwirklichung im Job. Das ist so hohles BLABLA. Ich bin eine akademische Topverdienerin gewesen. Aber wie hohl ist der Top-Job gegen die Zeit, die ich mit meinen Kindern verbringen kann. Für und mit meinen Kindern etwas zu tun, ist für mich sehr viel sinnvoller als jeder Geschäftsabschluss. Frauen um die/über 40 traut euch - bekommt Kinder! Kinder sind das Salz in der Suppe. Meine Emanzipation heißt: Ich muss mich nicht über meinen Karrierejob definieren! Nicht über meine Figur und nicht über meinen Mann. Ich bin Mutter!
-
fussel
am 17.11.10 um 14:02
meine ersten 2 kinder bekam ich mit 20 bzw.24 jahren,danach hab ich nur gearbeitet,mit 29 scheidung,danach wieder nur gearbeitet,konnte meine kiddis nie wirkl.geniessen.jetzt mit 39,wurde im august unsre tochter geboren,und das geniesse ich in vollen zügen,endlich die zeit zu haben, die ein kind braucht,und nur für sie da sein.mein ältester sohn wurde im juli auch papa und somit bin ich dann auch gleichzeitig noch oma geworden..das leben ist schon sehr verrückt,aber nochmal so "spät"mama zu werden ist echt spannend und klasse....
mehr (4)Wenn Du Dich nur über das Mutterdasein identifizierst frage ich mich, wo da dann das Geld herkommt. Ersparnisse aus dem früheren Karrierejob, oder schafft dann doch der Mann völlig altmodisch die Kohle ran? Wo Du Dich doch nicht über den Mann definierst? Was machen denn dann Alleinerziehende? Die müssen ja wohl arbeiten gehen neben ihrem Mutterglück oder leben von Hartz IV.
Bretonisch ist eine keltische Sprache, und hat mit Französisch oder anderen romanischen Sprachen NICHTS zu tun!
Außerdem wird so eine arme verkrachte Existenz, wie es sie leider tatsächlich zu Hauf gibt - nämlich, mit abgeschlossenem Philologie-Studium auf einer Sekretärinnenstelle zu verschimmeln - niemals mit 41 einfach so einen Uni-Lehrauftrag an Land ziehen. Das gibt es nur, wenn man sich ständig an der Uni gehalten hat, von einem prekären Anstellungsverhältnis zum nächsten.
Etwas mehr Realismus würde Euren Artikeln gut tun!