Demografischer Wandel, bröckelnde Gesundheitssysteme, veränderte Rollenbilder - unsere immer älter werdende Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen. Dabei ist nicht nur die Politik, sondern jeder einzelne von uns gefragt: Wer kümmert sich um unsere Eltern und Angehörigen, wenn sie älter werden? Wie viel kann ich selbst übernehmen? Und wie stelle ich mir mein eigenes Alter vor?
Pflege der Eltern
Die Drehbuchautorin und Regisseurin Ilse Biberti hat sich entschieden, selbst die Pflege ihre über 80-jährigen Eltern zu übernehmen. Keine leichte Aufgabe für eine alleinstehende Frau: Die Mutter litt nach einem Schlaganfall unter Inkontinenz und einem zerstörten Sprachzentrum, kurz darauf wurde beim Vater die Alzheimer-Krankheit diagnostiziert. Doch die 49-Jährige lernte, ihre Eltern mit Respekt und Humor zu begleiten. Ihre Erfahrungen hat sie 2006 in einem bewegenden und unterhaltsamen Buch zusammengefasst ("Hilfe meine Eltern sind alt", Ullstein, 272 Seiten, 18 Euro). BRIGITTE.de-Redakteurin Michèle Rothenberg hat mit der Autorin gesprochen.
Ilse Biberti, 49, begann ihre Karriere als Moderatorin der "Sesamstraße". Heute arbeitet sie als Autorin und Regisseurin für Krimis und TV-Serien.
Brigitte.de: Frau Biberti, Sie leben nun seit fast zwei Jahren mit Ihren pflegebedürftigen Eltern zusammen. Wie geht es Ihren Eltern heute?
Ilse Biberti: Wir haben glücklicherweise eine stabile Phase. Meine Eltern haben anerkannt, dass sie sich im vierten Lebensabschnitt befinden. Natürlich haben sie ihre Malaisen, aber wir haben es als normal akzeptiert. Wir jammern nicht die ganze Zeit über die Einschränkungen, sondern genießen das Leben und freuen uns an den Dingen, die nach wie vor möglich sind.
Brigitte.de: Es ist jetzt 19.15 Uhr. Können Sie uns kurz beschreiben, wie Ihr Tag bisher verlaufen ist?
Ilse Biberti: Ich bin um 6.30 Uhr aufgestanden und habe den mobilen Pflegedienst hereingelassen. Während der meiner Mutter bei der Morgentoilette half, habe ich das Frühstück gemacht und meinem Vater beim Waschen geholfen. Da er sich vor mir geniert, habe ich ihn von der Badezimmertür aus angeleitet. Denn durch seine Krankheit weiß er nicht mehr, dass man sich überhaupt waschen muss, geschweige denn in welcher Reihenfolge. Nach dem Frühstück kam die Physiotherapeutin und hat meine Eltern behandelt. Danach haben sich beide hingelegt und ich konnte für ein paar Stunden das Haus verlassen, da ich von unserer Haushaltshilfe abgelöst wurde. Als ich zurückkam, habe ich mich mit ihnen unterhalten und meinem Bürokram gemacht. Da ich für einen Filmwettbewerb in der Jury sitze, musste ich gegen 13.30 Uhr weg, in der Zeit hat sich eine Freundin um meine Eltern gekümmert.
So läuft ein typischer Tag bei uns ab, mit der Ausnahme, dass ich den Nachmittag außer Haus verbracht habe. Das ist schon eher ein Luxus für mich.












