Sich engagieren

Lebenssinn: Anderen helfen

Diese Frauen fragen nicht lange, was sie tun können. Sie tun es einfach: anderen helfen. Haben Sie auch Lust auf soziales Engagement?

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Berichte über die sexuelle Ausbeutung von Kindern zu schreiben genügt der Journalistin Dorothee Kruse nicht. Sie kämpft aktiv gegen die Verbrechen und hilft den Opfern.

Berichte über die sexuelle Ausbeutung von Kindern zu schreiben genügt der Journalistin Dorothee Kruse nicht. Sie kämpft aktiv gegen die Verbrechen und hilft den Opfern

Nein, die 58-jährige Dorothee Kruse war nie der karitative Typ. Sie war eine Karrierefrau, Chefredakteurin, kühl, besonnen, erfolgsorientiert. Aber sie liebte einen Mann, der das Gegenteil war, impulsiv und voller Leidenschaft. Und der als Fotoreporter von der schrecklichsten und wichtigsten Geschichte seines Lebens nicht mehr loskam: Für eine "Stern"-Reportage über Kinderschänder hatte sich Klaus Meyer-Andersen als "Kunde" ausgegeben und war im Laufe seiner achtmonatigen Recherche so weit in die pädokriminelle Szene eingetaucht, dass eine junge Mutter ihm ihre 18 Monate alte Tochter für 2000 Mark "zur freien Verfügung" anbot. Die Resonanz nach dem Erscheinen der "Stern"-Serie war gewaltig.

"Ich werde einen Verein gründen, um sexuell missbrauchten Kindern zu helfen", sagte er, was seine Frau eine geradezu aberwitzige Idee fand, denn er war zwar ein begnadeter Fotograf, aber weder Buchhalter und schon gar nicht Betriebswirt. Doch auf einer Reise traf er Wolfgang Joop und erzählte von den Plänen. "Für eine Vereinsgründung brauchst du Geld", sagte dieser und reichte ihm einen Scheck über 100 000 Mark. Einfach so.

Am 4. Februar 1993 wurde "Dunkelziffer e. V. - Hilfe für missbrauchte Kinder" als Verein eingetragen, fünf Wochen später wurde bei Klaus Meyer-Andersen Darmkrebs diagnostiziert, am 1. Oktober 2001 starb er.

"Ich war in den letzten Jahren vor seinem Tod völlig herausgeworfen aus meinem Leben, hatte beruflich und privat alles zurückgestellt", sagt Dorothee Kruse. "Dunkelziffer war deshalb mein Halt in der Zeit danach, mein Grund, morgens aufzustehen, nicht zu verzweifeln. Mein Mann hat mich nicht gebeten, weiterzumachen, aber er wusste auch so, dass ich es tun würde. Und jetzt sind der Verein und die Tatsache, dass es uns gelungen ist, ein so schwieriges Thema gesellschaftsfähig zu machen, meine ganz große Freude."

Dunkelziffer bietet heute u. a. bundesweite Beratung, Prävention an Schulen, kostenfreie Therapien für betroffene Kinder, Internetseminare für Kriminalbeamte, Staatsanwälte, Richter im Kampf gegen Kinderpornografie.

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  • Text: Sabine Reichel, Evelyn Holst
    Fotos: Jörg Steinmetz, Frank Siemers, Gregor Hohenberg
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