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In zwei Stunden kriegen wir das nicht hin, da macht sie mir keine Hoffnung. Christine Widmayer reicht ein einziger Blick, um die Lage einzuschätzen. Wir stehen vor ihrem neuen Fall, der Tatort ist mein Schreibtisch, der Täter bin ich. Wir betrachten die Stapel auf, unter und neben der Tischplatte, diese Berge von Papier, die in den letzten Monaten und Jahren stetig herangewachsen sind. Mir erscheinen diese Berge unbezwingbar. Für Widmayer dagegen bin ich ein leichterer Fall. Sie hat schon viele Büros gesehen, in denen nicht einmal mehr der Boden zu sehen war. In zwei Coaching-Stunden, verspricht sie mir, wird sich das Chaos zwar nicht komplett lichten, aber sie wird mit mir eine Art Stapelvermeidungssystem für die Zukunft erarbeiten.
Christine Widmayers Büro-Sortierdienst www.absolut-sortiert.de wird sowohl von größeren Firmen als auch von Selbstständigen angerufen, und alle haben das gleiche Problem: Ihnen sind die Papierstapel auf ihren Schreibtischen über den Kopf gewachsen. Widmayer hilft ihnen wieder heraus. Manche buchen sie für zwei Stunden wie ich, andere für 20 oder gleich für mehrere Wochen. Ihr schwerster Fall war ein Anwalt, dessen Sekretärin ein Büro voll mit Stapeln hinterlassen hatte. Vier Wochen, sagt Widmayer, sei sie kaum aus dem Raum herausgekommen. Sie ist Diplombibliothekarin und hat als Projektmanagerin gearbeitet, mit Sortierstrategien kennt sie sich aus. Und die Dinge von anderen aufzuräumen sei ohnehin viel einfacher als die eigenen, weil man Abstand dazu habe.
Ordnung halten schenkt Arbeitszeit
Ich fühle mich gleich besser, als sie erzählt, dass sie selbst auch einmal eher chaotisch war. Und berichte: Von meiner letzten Steuer, bei der ich auf der Suche nach Belegen einen ganzen Tag lang die staubigen Stapel durchgeblättert habe. Von dem vergessenen Scheck, den ich erfreut dabei fand und von der Dame in der Sparkasse, die sich am nächsten Tag nicht nur weigerte, den Scheck einzulösen, sondern ihn ansah wie einen alten Knochen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich begann, von einer leeren Tischplatte, abgehefteten Unterlagen und einer stressfreien Steuererklärung zu träumen.
"20 Prozent unserer Arbeitszeit verbringen wir im Durchschnitt mit Suchen", sagt Widmayer. Eine alarmierende Zahl. In einer Woche entspricht das einem ganzen Arbeitstag, in einem Jahr 50 Tagen! Ziemlich viel Zeit, die ich wunderbar für andere Dinge gebrauchen könnte. Psychologisch, sagt Widmayer, sei es außerdem ungemein hilfreich, morgens an einen Schreibtisch zu kommen, auf dem nichts oder nur die To Do Liste liegt. Damit vermeidet man auch dieses lähmende Gefühl, das ich nur zu gut kenne: Man weiß gar nicht, womit man anfangen soll, steht erst mal wieder auf, um sich einen Tee zu machen und ist umso verzweifelter, wenn man zurück am Tisch kaum Platz für die Tasse findet.
Auf meinem Schreibtisch erkennt Widmayer ein paar Spuren der Versuche, doch irgendwie Ordnung herzustellen: Eine Hängeablage, die überquillt. Zwei Stifteboxen, in denen alles andere als Stifte lagern. Ich schäme mich ein bisschen, als ich die Schubladen eines Rollcontainers aufziehen soll und wir auf eine zwei Jahre alte angebrochene Keksrolle stoßen. Aber Christine Widmayer beruhigt mich: Ich sei genauso unordentlich wie die meisten anderen auch. "Wir sind einfach nicht dazu geboren, Ordnung zu halten", sagt sie, "zum einen, weil wir zum Aufschieben neigen und zum anderen, weil wir einfach nicht wissen, wo wir die Sachen ablegen sollen."












Alles, was erledigt werden muss, schreibt man einzeln auf kleine Notizzettel (nicht größer als A7) und ordnet diese den drei Kategorien zu.
Vorteile:
- man hat den totalen Überblick
- man kann praktisch nichts übersehen oder vergessen
- ist eine Fläche leer, bedeutet dies: hurra, ich hab alles abgearbeitet. Dafür sollte man sich auch belohnen mit einem Schokokeks :)
- mit den "nicht wichtigen" Dingen muss man sich nicht ständig befassen
- bei den "weniger wichtigen" Dingen weiß man: das muss bald erledigt werden, aber ich hab noch zeitlichen Spielraum und kann mir einteilen, was ich zuerst mache.
- die "sehr wichtigen" Dinge haben absolute Priorität. Da man mit ihnen direkt konfrontiert ist, gilt auch die Ausrede nicht, man habe sie übersehen und daher nicht erledigen können. (!)