Es ist wie ein Schnitt in die Fingerspitze. Zuerst spürst du gar nichts, nach einer Weile fängt es an zu bluten. Dann tut es weh — und es will und will nicht heilen ... Aber jetzt ist der Mietvertrag unterschrieben. Unsere schöne Wohnung, die wir so geliebt haben — ich muss sie aufgeben. Für mich allein sind 140 Quadratmeter auf Dauer einfach zu viel. Die neue Wohnung ist nur halb so groß. Aber wie soll das eigentlich gehen: 100 Bibliothek-Meter, unsere vielen Elefanten, die wir in 23 Jahren zusammen gesammelt haben, all die Bilder, die du so gern an jedes freie Stück Wand genagelt hast?
31. März: Sechs Wochen bis Umzug. Höchste Zeit für eine
Bestandsaufnahme. Bett, Esstisch, Ledersofa und -sessel, Kleider und
Badezimmerschrank, Küchentisch, Bücherregale - alles
zu groß für die neue Wohnung. Aber wo bekomm ich mein
neues Leben her? Ich wälze Wohnzeitschriften und Möbelkataloge,
laufe ergebnislos durch die Stadt...
Ich will hier doch gar nicht weg, und dabei rennt mir die Zeit
davon. Also seien wir realistisch... Morgen rufe ich eine Innenarchitektin
an: Regina Eusemann, der Tipp einer Kollegin.
4. April: Anders soll es aussehen in meinem neuen Leben, aber einige Gedanken-Anker müssen unbedingt mit. Elefantenschrank, Schreibtisch mit Containern, zumindest ein paar unserer Bücherregale, Lampen, Acryltische, Küchen-Reling... Die Innenarchitektin versteht. Hoffnung kommt auf.
Ein neues Leben entsteht aus dem alten
26. April: Mit Regina Eusemann Stoffproben für Vorhänge
und Rollos ausgesucht, auf ein knallrotes Sofa (mein uralter
Traum) geeinigt und auf ihren Entwurf für einen Kleiderschrank,
damit ich den Platz in meinem kleinen, aber sehr hohen Schlafzimmer
optimal nutzen kann. Wird dann ein Tischler nach Maß
anfertigen. Ich mache Kassensturz und beschließe: Darauf
kommt's jetzt auch nicht mehr an.
Unsere Freunde rufen an: "Sag mir, wann ich zum Einpacken
kommen soll." Wenn es nur nicht so verdammt schwer wäre,
unser gemeinsames Leben auseinander zu sortieren...
7. Mai: Unsere allerliebsten Bücher in Umzugskartons verpackt.
Alle anderen bleiben in den Regalen. Morgen kommt ein
Buchhändler und will entscheiden, welche er mir abkaufen kann.
Jedes Buch, das ich nicht einpacke, kommt mir vor wie ein kleiner
Verrat. Verzeihst du mir?







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