Grande Dame der Satire
Marie Marcks: "Mir macht es Spaß zu reizen"
Marie Marcks war in den 60er Jahren eine der ersten Frauen, die politische Karikaturen zeichnete - auch für BRIGITTE. Bis heute hat sie nie aufgehört, die Gesellschaft und das Tagesgeschehen mit ihren Karikaturen kritisch zu kommentieren. Am 25. August wurde Marie Marcks 90 Jahre alt. Wir gratulieren mit einer Auswahl ihrer schönsten Werke.
Zeichnen lernte Marie Marcks, die am 25. August 1922 in Berlin geboren wurde, in der privaten Kunstschule ihrer Mutter. Zunächst wollte sie wie ihr Vater Architektin werden, doch sie brach nach vier Semestern ab und begann freiberuflich als Malerin und Grafikerin zu arbeiten.
Die freie Arbeit wählte Marie Marcks auch, weil sie sich besser mit der Familie vereinbaren ließ: Sie hat fünf Kinder, ist zweimal geschieden und war fast immer alleinerziehend. "Bis heute haben Mütter mit Beruf ein schlechtes Gewissen. Männer nicht", so Marcks gegenüber Spiegel Online. "Aber ich glaube, ich habe geholfen, dass es den Frauen heute besser geht."
Anfang der 60er-Jahre begann Marie Marcks, Karikaturen zu zeichnen, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die Zeit, die BRIGITTE und die Titanic. Inhaltlich war sie der Zeit oft weit voraus: Lange bevor Themen wie Umweltschutz, Neonazismus oder Emanzipation diskutiert wurden, nahm sie diese schon in ihren Karikaturen aufs Korn.
"Ich wollte verhindern, dass es noch einmal zu einer Situation kommt wie in der Nazi-Zeit; dass die Menschen zwar gegen etwas sind, aber nichts dagegen tun. Da ich außerdem fünf Kinder aufzuziehen hatte, blieb mir nur die Möglichkeit, von zu Hause aus Einfluss zu nehmen. Und das konnte ich am besten über das Karikaturen-Zeichnen", so beschrieb Marie Marcks ihre Arbeit 2006 im Interview mit BRIGITTE.de.
Dass sie als weibliche Karikaturistin so erfolgreich war, erklärt sie so: "Ich hatte sicher als Frau, damals als einzige Frau in einer von Männern dominierten Zeitungswelt, einen ganz anderen Blick auf das Weltgeschehen – ich hatte fünf Kinder, drei Mädchen und zwei Jungen, und wenn es etwa um Kriegsgefahr und Wiederbewaffnung ging, waren die natürlich beim Zeichnen immer in meinem Hinterkopf."
Das Thema Gleichberechtigung zieht sich durch ihr ganzes Schaffen, dennoch fällt es ihr schwer, sich als Teil der Frauenbewegung zu sehen. "Ich war vielleicht so was wie eine 'Privatfeministin', aber ich war in keiner Organisation – was im Übrigen für mein ganzes Leben gilt; außer als Schülerin den 'Sportkameraden' habe ich mich nie einer wie auch immer gearteten 'Vereinigung' angeschlossen. Da hatte mich die Hitlerzeit zu sehr geprägt – ich wollte für nichts und niemanden 'marschieren'."
"Mir macht es Spaß zu reizen und die Absurditäten und Widersprüche, die unter einer scheinbar glatten Oberfläche verborgen sind, ans Licht zu bringen", so Marie Marcks über ihre Motivation.
Marie Marcks lebt seit 1948 in Heidelberg und zeichnet auch heute noch regelmäßig, wenn sie Lust darauf hat. "Als Freiberufler ist man ja nicht gebunden an eine Altersgrenze." Ihre produktivste Phase hat sie laut eigener Aussage "zwischen 60 und 80".
Wir wünschen ihr noch viele kreative Jahre und flinke Finger!
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Ich erinnere mich an einen Cartoon, auf dem eine Frau mit einem Bügelbrett neben einem Pegasus stand und ihm vor dem Höhenflug noch einmal die Flügel aufbügelte. Das Bild war so genial und treffend, dass ich es nie wieder vergessen habe.