Das letzte Jahr hatte es in sich: In den USA platzte eine Blase, in Europa wurden Schirme über Banken aufgestellt und Care-Pakete für die Konjunktur geschnürt. Verstört hörte ich den Experten zu und lernte, was ich tun sollte: Ruhe bewahren, vertrauen, mich zugleich warm anziehen und konsumieren gehen zur Rettung der Nation. Der Weltuntergang stand vor der Tür.
Zur gleichen Zeit, ein paar Türen weiter, hatte sich der Weltuntergang schon häuslich eingerichtet. Svenja, die Tochter meiner Freundin, war mit den Nerven am Ende. Seit ihr Sohn im Kindergarten war, arbeitete sie halbtags. In ihrem Beruf als Dekorateurin fand die 35-Jährige keine Stelle, also jobbte sie bei einem Textil-Discounter: Regale einräumen, Kasse bedienen, putzen. Ihr Lohn reichte gerade für die Gebühren des Kindergartens. Ihre Chefin mobbte sie, wo es nur ging. Svenja biss die Zähne zusammen. Ihr Mann schlug vor, sie solle kündigen, irgendwie würden sie mit seinem Gehalt über die Runden kommen. Aber Svenja wollte arbeiten und eigenes Geld verdienen. Sie klammerte sich an den verhassten Job, weil sie Angst hatte, keinen anderen zu bekommen. Sie traute sich nicht zu, etwas Neues zu lernen. Nachts malte sie sich aus, was passieren würde, wenn die Wirtschaftskrise noch schlimmer und ihr Mann arbeitslos würde. Und jeder Blick in die Zeitungen bestätigte die Vorzeichen der Apokalypse. Kein Ausweg nirgendwo.
In der Krise wächst die Angst
„In jeder Krise steckt eine Chance. Auf diesen Satz habe ich keine Lust mehr.“
Auch zur gleichen Zeit, noch ein paar Türen weiter, erreichte der Schrecken eine weitere Freundin. Sie saß in ihrer Bank und musste die beginnende Kernschmelze ihrer Altersvorsorge schwarz auf weiß anschauen. Ihre, wie sie dachte, harmlosen, stabilen Wertpapiere waren bereits bedrohlich geschrumpelt. Seitdem sieht sie noch nicht schwarz, aber ziemlich grau in die Zukunft.
In jeder Krise steckt eine Chance. Auf diesen Satz habe ich gerade gar keine Lust mehr. Ich suche nach einer zeitgemäßen Orientierung und schaue bei Maischbergerwillplasbergillner zu. Ich lerne: Das Wirtschaftswachstum wird in diesem Jahr Richtung null gehen.
1,35 Millionen Menschen können nicht mehr von ihrem Arbeitslohn leben, sondern brauchen zusätzlich staatliche Unterstützung. Bis 2010 haben wir mindestens 700.000 Arbeitslose mehr. Wo soll das alles enden? Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, was bei uns gerade wieder anfängt. In Krisenzeiten wächst die Angst, die Angst frisst den Mut auf, ohne Mut fühlt man sich ohnmächtig, die Ohnmacht macht neue Angst, da kann man nichts machen, so ist das eben. Ach was.










