„Jeder Affe hat seine eigene Persönlichkeit.“
Sie nannte sie Fifi, Flo oder Goliath. Ein Affront: Forschungsobjekte der Verhaltenswissenschaft trugen in den 60er Jahren Nummern und keine Namen - selbst wenn es sich um Menschenaffen handelte. Aber Jane Goodall, eine junge Tiernärrin ohne akademische Ausbildung, glaubte an das, was sie bei ihren Feldforschungen bei der Schimpansenkolonie in Tansania sah: dass Menschen und Schimpansen einander ähnlich sind, viel ähnlicher, als man bisher wusste. Fifi und Flo küssten und stritten sich, sie lachten, waren wütend, trauerten, halfen einander, umarmten oder schlugen sich, jedes Tier mit seiner eigenen Persönlichkeit. "Allein genetisch sind Mensch und Schimpanse zu 98 Prozent gleich. Deshalb habe ich meinen Tieren auch keine Nummern, sondern Namen gegeben", sagt die berühmteste Tierforscherin der Welt. Im ostafrikanischen Gombe- Nationalpark gebe es auch eine Britney Spears und einen Sir Paul. "Und wenn ich in einer Hotellobby stehe, fühle ich mich von einer Horde Affen umgeben." - "Uahuahuahua", beginnt Jane Goodall ihre Vorträge, mit einem lang gezogenen Begrüßungsschrei der Affen. Ihrer ruhigen, aristokratischen Erscheinung mit dem langen grauen Haar tut das keinen Abbruch, im Gegenteil: Dafür wird sie verehrt wie eine Heilige, die ihre ökologischen Weisheiten zu den Menschen trägt. 300 Tage im Jahr jettet sie durch die Welt, jagt von einem Kongress zum nächsten Dinner, von Interview zu Drehtermin. Immer erzählt sie voller Charme von den Schimpansen an den Ufern des Tanganjika-Sees, wo sie 1960 mit ihren Beobachtungen begann. Sie wirbt für das Jane-Goodall-Institut*, das sie zum Schutz bedrohter Primaten gegründet hat, setzt sich gegen Tierversuche und für die Rettung der Welt ein.
Wenn ihre Schimpansen schliefen, döste auch Jane Goodall
Es klingt märchenhaft, aber schon als Kind zog es die kleine Jane zu den Tieren nach Afrika. Sie wollte sein wie Doktor Doolittle oder Tarzan, gleichzeitig war sie sehr gläubig und träumte von Franz von Assisi. Großmutter, Mutter und Tanten, bei denen sie auf einem kleinen Gut im englischen Bournemouth aufwuchs, unterstützten ihre Neugierde und die Liebe zur Natur. "Zum Glück hieß es bei uns nie: Dies und jenes kannst du nicht tun, weil du ein Mädchen bist." Also nahm Jane Regenwürmer mit ins Bett, um zu erforschen, wie sie ohne Beine laufen, und schlüpfte in den Hühnerstall, weil sie wissen wollte, wie die Eier aus den Hühnern kommen.
Für ein Studium reichte das Geld nicht, deshalb riet Janes Mutter dem Mädchen zu einer Sekretärinnenausbildung. Wie ein Wunder erschien es Jane Goodall, als sie 1957 von einer Schulfreundin nach Afrika eingeladen wurde. Sie jobbte monatelang in einer Kneipe, um das Geld für die lange Reise zusammenzubekommen. Denn von Anfang an stand für sie fest: Sie wollte bleiben. Sie bewarb sich bei dem berühmten Paläontologen Louis S. Leakey in Nairobi als Sekretärin. In ihrer Begeisterung für alles, was kreucht und fleucht, überzeugte die hübsche junge Frau den Wissenschaftler. Sie wurde seine Assistentin; fehlende wissenschaftliche Qualifikationen machte sie mit Mut und Unvoreingenommenheit wett. Drei Jahre später schickte der Forscher Jane in Begleitung ihrer Mutter, denn die Behörden duldeten keinen Alleingang, in den Urwald, um das Verhalten einer Schimpansenkolonie in einer Langzeitstudie zu beobachten. Er wollte Rückschlüsse auf das Leben unserer Urahnen daraus ziehen.











