Integration

Frauen zwischen zwei Welten

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In diesem Artikel:

Genka Lapön, Bulgarien

Ihrer guten Schulnoten wegen schickten die Eltern sie auf eine deutschsprachige Schule. Heute leitet die Bulgarin Genka Lapön, 48, die Gleichstellungsstelle der Stadt Leipzig. Dreimal ist Genka Lapön in Deutschland angekommen: 1975 in Schwarzenberg im Erzgebirge, für drei Wochen im sozialistischen Schüleraustausch. 1979, mit 21 Jahren, zum Studium in der DDR. Und schließlich 1990 im geeinten Deutschland. In den Jahren dazwischen verliebt sich Genka, das Energiebündel, in ihren künftigen Ehemann, legt eine glänzende Karriere hin, dirigiert zum Schluss die Datenverarbeitung für 26 Betriebe für Oberbekleidung in der DDR. Wie gerät das Mädchen aus einem Dorf in der Nähe der Stadt Plovdiv ausgerechnet an Kybernetik und Informationstechnik?

"Ich habe immer davon geträumt, eine mathematische Formel zu erfinden." Die Wende bringt das Aus für die DDR-Textilindustrie. Genka Lapön lernt jetzt andere Formeln: Abwicklung, Outsourcing, Arbeitsamt. Aber sie bleibt am Ball, macht ihre zweite Karriere: als EDV-Dozentin in einem Frauenprojekt und ab1995 als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Leipzig. "Das Wichtigste", sagt sie,"ist das Recht auf die eigene Persönlichkeit, egal, ob Frau oder Flüchtling."

Sie fühlt sich zu Hause in Deutschland. Für den Brückenschlag in die Kindheit genügt ihr ein deftiges Essen, weiße Bohnen mit Speck. Und ein Souvenir ihrer Lieblingsoma: "Eine Goldmünze im Wollstrumpf, die in Familien traditionell nur von Frau zu Frau weitergegeben wird."

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  • Text: Ulrike Petzold
    Fotos: Anne Eickenberg, Sebastian Hänel, Hauke Dressler, Jörg Gläscher, Frank Beer
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