Burnout-Behandlung
Arbeit ohne Ende
Ist das noch Leidenschaft für den Beruf? Oder schon Raubbau an der Gesundheit? Wie Burnout entsteht und welche neuen Therapien es gibt.
Ist das noch Leidenschaft für den Beruf? Oder schon Raubbau an der Gesundheit? Wie Burnout entsteht und welche neuen Therapien es gibt.
Sie erinnert sich noch genau an den Freitagabend, als sie zum ersten Mal dieses Kribbeln im Bauch spürte, eine zirpende Grille, die zu verstehen gab: Jetzt müsstest du Nein sagen. Doch ihr Chef bat sie geradezu verzweifelt, am nächsten Morgen zur Tagung der Außendienstmitarbeiter der Versicherungsgesellschaft zu kommen: Noch eine Krankmeldung, ausgerechnet jetzt, wer würde morgen die 300 Teilnehmer begrüßen? Eva Schürmann* stand im kalten Licht des Großraumbüros, draußen war es schon dunkel, keiner mehr da. Drei Minuten lang blieb sie hart, dann hörte sie sich sagen: "Klar, wenn es nur darum geht, morgen früh eine Stunde da zu sein, kein Problem."
Der Samstag lief wie am Schnürchen. Als hätte die Marketingexpertin eine Aufziehmechanik betätigt, spulte sie einen perfekten Auftritt ab. Die Müdigkeit schob sie einfach beiseite. Dabei war Eva Schürmann zu dieser Zeit schon so erschöpft, dass sie nachts oft wach lag, obwohl sie müde war. Sie hatte dauernd Magenschmerzen, fühlte sich niedergeschlagen, und wollte nach der Arbeit nur noch eins: ihre Ruhe. Doch als ihr Lieblingskollege ihr beim Mittagessen sagte, sie sehe krank aus, wehrte sie ab: "Guck mal in meinen Terminkalender. Dieses Jahr habe ich keine Zeit mehr, zum Arzt zu gehen."
Heute weiß Eva Schürmann: Es war ein folgenschwerer Fehler, die Alarmsignale ihres Körpers zu überhören. Als würde man in einem Zimmer, in dem der Rauchmelder piept, einfach sitzen bleiben. Ein Jahr später hatte sie bei der Arbeit einen Zusammenbruch, konnte nicht mehr gehen, war sogar zu schwach, sich die Schuhe zuzubinden. Ihr Kollege, der selbst mal einen Burnout erlebt hatte, fuhr sie zum Arzt.
Danach war sie ein ganzes Jahr mit Regeneration und Psychotherapie beschäftigt, keine Seltenheit bei einer so starken Erschöpfung. Und vielleicht das erste Mal in ihrem Leben kümmerte sich Eva Schürmann um sich selbst. In der Klinik bekam sie Karten und Blumensträuße von den Kollegen. Früher hätten solche Grüße während einer Krankheit bei ihr vor allem Gewissensbisse ausgelöst: Wie es in der Firma jetzt wohl ohne sie lief? Sie hätte alles dafür gegeben, so schnell wie möglich wieder am Arbeitsplatz zu sein. Jetzt war es ihr fast gleichgültig, dass ihr Chef zunächst vorsichtig, dann offen anfragte, wie lange sie voraussichtlich "ausfallen" würde. Ihre Kraft kam gerade erst, ganz langsam, zurück. Für einen Arbeitstag hätte sie noch lange nicht ausgereicht.
Das Arbeiten-bis-zum-Umfallen ist weit verbreitet - vor allem natürlich in Krisenzeiten, wie wir sie gerade erleben. In Deutschland gehen etwa 10,6 Prozent der Krankheitstage auf psychische Beschwerden wie Ängste und Depressionen zurück, so eine aktuelle Studie der DAK. Bei Frauen liegt der Anteil mit 13,1 Prozent sogar noch höher. Erst bei den über 45-Jährigen geht die Zahl der Krankheitstage durch Depressionen zurück - das liegt allerdings auch daran, dass ein Teil der Betroffenen dann bereits in Rente ist. Ein Großteil der psychischen Beschwerden entsteht aus Erschöpfungszuständen. Die Ursache: Überarbeitung und Frust am Arbeitsplatz.
Frank
am 04.02.10 um 11:37
Guten Morgen,
vielen Dank für ihren Artikel. Ich habe einen psychischen Zusammenbruch durch Burn-Out vor genau 6 Jahren erlebt mit 56 Jahren. In den gefährlichsten Momenten hörte mein Herz langsam auf zu schlagen bis zum Stillstand. Ich war dem Tod mehrmals sehr nah. Ich hatte nichts vorher kommen sehen. Von einem Moment auf den anderen konnte ich meinen Beruf nicht mehr ausführen, hatte meine Existenz verloren, da selbständig, meine Frau reichte die Scheidung ein. Durch Tanzen, Singen, Malen konnte ich Körper und Seele langsam wieder einfangen. Meine Rettung war der "Life Art Process: Tanz nach Anna Halprin" mit Katrin Stelter www.katrinstelter.de
Ich habe damals ein völlig neues Leben begonnen, ein sehr einfaches, naturnahes Leben, mit wenig materiellen Dingen. Habe gelernt achtsam zu sein, auf meine innere Stimme zu hören, bewußt nur eine Sache auf einmal zu tun, nicht mehr wie vorher viele Dinge gleichzeitig. Es ist gut ausgegangen.