53 Parteien wohnen hier. Im Gemeinschaftsraum treffen sich die Frauen zum Qi-Gong, zum Literaturkreis oder einfach nur zum Plaudern. Von links: Jutta Kämper, Astrid Osterland, Gabriele Garms und Hilde Heringer.
Ein sonniger Nachmittag im April, mitten in Berlin. Astrid Osterland pflanzt im Vorgarten des Beginenhofs Sonnenblumen und spielt zwischendurch mit Kater Hieronymus. Nachbarinnen kommen vorbei, bleiben stehen, plaudern. Die 60-Jährige hat die Wohnung mit der Terrasse im Parterre links - ideal für spontane gemeinsame Kaffeepausen in der Sonne.
Die Frauen, die hier wohnen, sind von Anfang 40 bis 75 Jahre alt. Was sie verbindet: Sie wollten nicht länger ganz allein leben - in Berlin, wo rund 600 000 Frauen als Singles gezählt werden. Sie wollten eine eigene Wohnung, innerhalb einer lebendigen Hausgemeinschaft. Die sollte aus Frauen bestehen, in ähnlicher Lebenssituation wie sie selbst und mit Lust auf neue Kontakte und Freundschaften.
Im Beginenhof am Erkelenzdamm 51-57 in Kreuzberg haben die Bewohnerinnen das alles. Schon beim Einzug hat Astrid Osterland gespürt, dass hier keine allein gelassen wird: "Als ich mich bei meiner Nachbarin entschuldigte, weil ich schon wieder ihren Zollstock ausleihen musste, sagte sie nur: 'Aber ich bitte dich, dafür sind wir doch da.'" Als Soziologin in Göttingen hat sie lange zum Thema Gemeinschaftswohnen geforscht und konnte sich für sich selbst keine andere Wohnform vorstellen.
Der Beginenhof ist wie ein warmes Nest
Das Gebäude der Leipziger Architektin Barbara Brakenhoff fällt gleich ins Auge. Licht und elegant wirkt der 53-Parteien-Bau mit den geschwungenen Kurven. Zwischen hohen Fenstern und großzügigen Balkonen blitzen schmale bunte Glasstreifen in der Sonne. Auf dem Platz vor dem Haus stehen alte Bäume, der Landwehrkanal ist nicht weit.
Sich gegenseitig helfen, aufeinander achten, da sein für den anderen - das Haus ist wie ein warmes Nest, in dem jede Frau viel Platz für sich selbst findet und trotzdem nie einsam ist. Jeweils vier Frauen teilen sich den begrünten "Laubengang" auf einem Stockwerk und bilden so eine Gemeinschaft. Eine Nachbarin hat immer einen Zweitschlüssel. Und jede Wohnungstür kann im Notfall auch von außen geöffnet werden, selbst wenn innen ein Schlüssel steckt. Die bewusst gewählte räumliche Nähe schafft Netzwerke. Aus Nachbarinnen werden Freundinnen, Wahlverwandtschaften entstehen. Und wenn Astrid Osterland mal verreist, braucht sie sich um Hieronymus' Betreuung keine Sorgen zu machen.











