Verblendung

Familie am Abgrund

Mit dem düsteren Thriller "Verblendung" kommt Stieg Larssons internationaler Bestseller endlich in die Kinos. Der Autor selbst erlebt seine Erfolge leider nicht mehr, er starb 2004 an einem Herzinfarkt.

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Über dreißig Jahre ist es nun her, dass Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube), Oberhaupt der einflussreichen Industriellenfamilie Vanger, seine Lieblingsnichte Harriet zuletzt gesehen hat. Sie verschwand während eines Familientreffens - ohne eine Spur zu hinterlassen, ohne irgendeinen Anhaltspunkt, der Aufschluss über ihren Verbleib geben könnte. Einzig die gepressten Blumen, die Henrik jedes Jahr zu seinem Geburtstag zugeschickt bekommt, geben dem mittlerweile 82-jährigen Patriarchen in seiner schlimmsten Befürchtung Recht: Harriet muss damals etwas Schlimmes zugestoßen sein. Sie selbst hatte Henrik vor ihrem Verschwinden eine gepresste Blüte hinter Glas geschenkt; es muss ihr Mörder sein, der das Ritual nun in unfehlbarer Regelmäßigkeit aufrecht erhält.

Stieg Larssons "Verblendung": Jeder scheint verdächtig

Henrik Vanger möchte unbedingt erfahren, was damals wirklich passiert ist. Er engagiert den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) und lädt ihn ein, einige Wochen auf dem Familiensitz der Familie Vanger zu wohnen und vor Ort zu recherchieren. Gemeinsam mit der skrupellosen Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace), von der Blomkvist unerwartet Hilfe erhält, dringt er ein in eine düstere Vergangenheit, in der jeder der Familie Vanger verdächtig scheint, etwas Grausames und vollkommen Unerträgliches begangen zu haben...

"Verblendung" ist die Verfilmung des gleichnamigen ersten Bandes der "Millennium-Trilogie", die den schwedischen Schriftsteller Stieg Larsson auf einen Schlag zu einem der erfolgreichsten Autoren der letzten Jahre machte. Über 15 Millionen Exemplare der Reihe wurden bislang verkauft; "Verblendung" selbst war das bestverkaufte Buch in der EU im Jahr 2008. Doch Stieg Larsson selbst sollte diesen Erfolg nicht mehr erleben: Er starb fünfzigjährig im November 2004 an den Folgen eines Herzinfarktes, seine literarische Karriere stand damals noch ganz am Anfang. Drei von einer Reihe von zehn geplanten Romanen waren bereits fertiggestellt, die Handlung der Bücher vier bis sechs stand ebenfalls fest. Ob diese Werke jedoch jemals veröffentlicht werden, ist unklar: Ein Erbstreit verhindert bislang die Fortsetzung dieses Welterfolgs.

Mit Spannung haben wir auf den Film gewartet - und das hat sich gelohnt: "Verblendung" ist ein düsterer Kinothriller mit perfekt ausgewählten Schauspielern (Noomi Rapace ist die schwedische Entdeckung!), gruseligen Kulissen, einem spannenden Plot und einer Gratwanderung am Abgrund der schwedischen Gesellschaft. Absolut sehenswert! 2010 kommen "Verdammnis" und "Vergebung" in unsere Kinos.

  • Artikel vom 30.09.2009
  • Text: Laura Heueck
    Foto: Warner Brothers Pictures
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