Nachruf
Trauer um Susanne Lothar: Abschied von einer Extremspielerin
Die Schauspielerin Susanne Lothar ist tot. Sie starb am 21. Juli im Alter von nur 51 Jahren in Berlin. Mit ihrem intensiven Spiel war sie eine Bereicherung für jedes Bühnenstück, jeden Film. Schon deshalb wird uns Susanne Lothar fehlen. Ein Nachruf in Bildern.
In der zierlichen Susanne Lothar steckte eine enorme darstellerische Kraft - und eine enorme Lust am Arbeiten. In mehr als 60 Theaterstücken, Kino- und Fernsehfilmen war die 1960 in Hamburg geborene Schauspielerin zu sehen. Wir erinnern an das Leben und die Karriere von Susanne Lothar, die am 21. Juli in Berlin starb. Zu den Umständen ihres Todes wurde bislang nichts bekannt.
"Ich bin vielleicht eine Mischung aus meiner Mutter und
dem labilen, fragilen Charakter meines Vaters." (Susanne Lothar im Hamburger Abendblatt)
Das Foto zeigt Susanne Lothar mit ihrer Mutter, der Schauspielerin Ingrid Andree. Auch Lothars Vater Hanns war Schauspieler. Nach der Scheidung der Eltern 1965 wuchs sie bei ihrer Mutter in Hamburg-Eppendorf auf. Hanns Lothar starb, als seine Tochter sechs Jahre alt war. In jungen Jahren zeigte Susanne zunächst wenig Interesse am Theater. Erst als 17-Jährige, nachdem sie ihre Mutter als Ibsens "Nora" gesehen hatte, erwachte ihre Liebe zur Bühne. Sie ging an die Hamburger Hochschule für Theater und Musik und verließ noch vor dem Abitur das Gymnasium. Schon nach drei Semestern erhielt sie einen Vertrag am Hamburger Thalia Theater.
Ein "bezauberndes komödiantisches Talent, ein großer weiblicher Clown", so schrieb die Süddeutsche Zeitung über Susanne Lothar in der Rolle, die sie bekannt machte: Lulu. In Peter Zadeks Wedekind-Inszenierung von 1987 stand sie vier Stunden halb nackt auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses. "Ich hatte große Schamgefühle, aber Zadek hat gesagt: "Du bist meine Lulu. Find' dich einfach mal schön!" (Susanne Lothar im Interview mit dem Hamburger Abendblatt)
"Meine Karriere hat sich nie auf Optik aufgebaut. Das wollte ich eigentlich auch nicht. Ich wollte trotzdem immer gut aussehen." (Susanne Lothar im Fernsehporträt "Ma vie")
Susanne Lothar sah immer gut aus - auf ihre eigene, besondere Art: das ausdrucksstarke Gesicht, der Mund, aus dem gern diese kehlige, schön dreckige Lache kam, dazu ein schmaler Körper.
Wo Susanne Lothar spielte, waren Nominierungen und Preise nicht weit. Bereits ihre erste Filmrolle in "Eisenhans" unter der Regie von Tankred Dorst trug ihr 1983 den Bundesfilmpreis ein.
"Meine Leidenschaft gehört Projekten, die nicht so Mainstream sind" (Susanne Lothar im stern)
Das bewies Susanne Lothar unter anderem in Michael Hanekes Psychothriller "Funny Games". Dort geriet sie gemeinsam mit Ulrich Mühe an zwei sadistische Gewalttäter. Mit Michael Haneke drehte sie später noch "Die Klavierspielerin" und "Das weiße Band".
Ulrich Mühe und Susanne Lothar waren nicht nur vor der Kamera ein Paar. Die beiden lernten sich 1990 bei den Salzburger Festspielen kennen und waren bis zu Mühes Krebstod 2007 verheiratet. "Es spielte für die Arbeit nie eine Rolle, dass Uli und ich verheiratet waren. Da war nichts Merkwürdiges oder Peinliches oder Doppelbödiges, obwohl wir zusammen eine Familie hatten und auch gemeinsam an Projekten gearbeitet haben. Aber wir haben wirklich versucht, Beruf und Privatleben so gut als möglich zu trennen. Denn es ist auch für die Familie unangenehm, wenn am Esstisch über solche Arbeiten gesprochen wird." (Susanne Lothar in der Berliner Zeitung)
Gemeinsam mit Ulrich Mühe hat Susanne Lothar zwei Kinder: Tochter Sophie Marie (Foto), geboren 1995, und Sohn Jakob, geboren 1998. Ihr Privatleben hat Susanne Lothar immer aus der Öffentlichkeit rausgehalten. Das sei sie auch ihren Kindern schuldig, fand sie.
Susanne Lothar in einer ihrer letzten Fernseh-Rollen: Im "Polizeiruf 110" aus Brandenburg spielte sie die titelgebende "Gurkenkönigin" und war mit ihrem schrägen Spiel die perfekte Besetzung für diesen ohnehin schön schrägen Krimi. Susanne Lothar wäre die perfekte Besetzung für noch so viele Rollen gewesen.
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