Interview

Senta Berger: "Das Bemuttern hört nie auf"

Zum 70. Geburtstag von Senta Berger: Ein Gespräch über das Älterwerden, Muttergefühle und die tiefere Bedeutung von Wurstbroten.

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Himmelhohe Overknee-Stiefel, ein schwarzes Kleid mit tiefem Rückenausschnitt, perfektes Make-up: So empfängt uns Senta Berger im kühlen Besprechungsraum eines Hamburger Hotels. Doch, tatsächlich, diese Frau wird am 13. Mai 70 Jahre alt. Und kann auf eine erstaunliche Karriere zurückblicken: Sie studierte am Max Reinhardt Seminar in Wien, drehte mit Hollywood-Größen wie Frank Sinatra und Kirk Douglas, feierte Erfolge beim italienischen Film und am Theater. Frau Berger ist patent, eloquent, auf professionelle Art freundlich. Nach dem Gespräch reicht sie zum Abschied nur den kleinen Finger - ihre Hände seien so kalt, sagt sie und lächelt entschuldigend.

Die Zahl 70 beeindruckt mich sehr. Allein schon, wie sich das schreibt.

BRIGITTE-woman.de: Die Mutterrolle scheint Ihnen zu liegen. War es damals eigentlich schwer für Sie, Ihre Söhne ziehen zu lassen?

Senta Berger: Verzeihen Sie, aber "Mutterrolle" gefällt mir gar nicht. Das ist doch keine Rolle, die man lernt, spielt und dann wieder ablegt. Mutter zu sein bedeutet viel mehr - Gott sei Dank. Zu Ihrer Frage: Das geschieht zum Glück nicht über Nacht, es ist ein Prozess. Mein Sohn Simon ist mit 19 nach New York gegangen, um dort Schauspiel und später Regie zu studieren. Luca zog nach der Schule nach Chemnitz und studierte Betriebswirtschaft. Man tut alles dafür, dass sie flügge werden. Aber dann vermisst man den Trubel zu Hause doch. Es war ein neues Kapitel im Leben, in dem ich mich erst einmal einrichten musste.

BRIGITTE-woman.de: Sind Sie der Typ Mutter, der anruft und fragt, ob die Kinder ordentlich gegessen haben?

Senta Berger: Ich gehe meinen Kindern sicher mit Anrufen auf die Nerven. Ich versuche, mich zurückzuhalten. Aber dann liegt der Satz schon auf der Zunge und muss raus. In Simons Filmen kommen öfter solche Mütter vor. Im zweiten Teil von "Männerherzen", der im September anläuft, gibt es zum Beispiel eine Mutter, die Simon mir nachgezeichnet haben will. Sie fragt ihren Sohn immer wieder: "Möchtest du ein Wurstbrot?" Dieses Bemuttern kann ganz schön nerven, das ist mir klar. Aber warum sollte dieses Sorgen aufhören? Ein Wurstbrot zu machen bedeutet doch auch "Ich liebe dich". Es ist eine Metapher für alles, was man eigentlich noch sagen will.

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  • Fotos: Cinetext, ARD Degeto/Hardy Spitz
    Interview: Julia Müller
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