Nebenverdienst gefällig?
Angelina und die anderen: Wenn Schauspieler Regie führen
Bei dem Film "In the Land of Blood and Honey" steht die prominenteste Besetzung hinter der Kamera: Angelina Jolie. Wenn Schauspieler Regie führen, kann das erfolgreich sein - und manchmal ziemlich nerven.
Angelina Jolie
Haben die Tage von Angelina Jolie eigentlich mehr als 24 Stunden? Oder wie sonst gehen ihr ihre vielfältigen Beschäftigungen scheinbar so mühelos von der Hand? Lässig jettet sie mit ihren sechs Kindern um die Welt, besucht als UN-Sonderbotschafterin Flüchtlingscamps, dreht einen Film nach dem anderen und pflegt ganz nebenbei eine Beziehung zum vermeintlich schönsten Mann der Welt. Und jetzt hat sie auch noch Regie geführt!
Ihr Spielfilm-Regiedebüt "In the Land of Blood and Honey", eine Liebesgeschichte aus dem Bosnienkrieg, wurde auf der Berlinale mit ähnlich großer Spannung erwartet wie die Vergabe der Bären.
Unser Fazit: Mit "In the Land of Blood and Honey" hat sich Angelina Jolie zu viel zugemutet. Vielleicht hätte sie nicht auch noch das Drehbuch selbst schreiben sollen. Die massive Brutalität in dem Film wirkt kalkuliert, die Liebesgeschichte zwischen einer Bosnierin und einem Serben zu wenig motiviert. Jolie hat zwar gut daran getan, ihren Film nicht mit bekannten Hollywood-Gesichtern zu besetzen, sondern mit bosnischen, serbischen und kroatischen Schauspielern. Trotzdem kommt "In the Land of Blood and Honey" leider nicht ohne melodramatische Hollywood-Momente aus. Ob Angelina Jolie noch mal den Platz vor der Kamera mit dem dahinter tauschen wird, weiß sie selbst noch nicht.
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Clint Eastwood
Ein ganz alter Hase: Der Regiestuhl ist mittlerweile das zweite Wohnzimmer von Clint Eastwood. Kein Wunder, schließlich gab der heute 81-Jährige bereits 1971 sein Regiedebüt. Bei über 30 Filmen hat er seitdem Regie geführt - und in den meisten von ihnen auch gleich die Hauptrolle übernommen, etwa in "Million Dollar Baby", "Gran Torino", "Die Brücken am Fluss" oder "Space Cowboys". Doch auch ein Clint Eastwood wird irgendwann ein klein wenig müde: Nachdem "Gran Torino" 2008 ins Kino kam, erklärte er, die Rolle des Walt Kowalski sei seine letzte gewesen. Ein Beschluss, an den er sich bislang gehalten hat. Nur als Regisseur ist er weiterhin aktiv und drehte in den letzten vier Jahren noch fünf weitere Filme mit Stars wie Angelina Jolie, Leonardo DiCaprio, Matt Damon und Morgan Freeman (unser Foto: in "Invictus - Unbezwungen") in den Hauptrollen.
Til Schweiger
Ob Til Schweiger sich wohl Clint Eastwood zum Vorbild genommen hat? Immerhin dreht der Garant des deutschen Kinoerfolgs ebenfalls einen Kassenknüller nach dem anderen, bei dem er nicht nur Regie führt, sondern praktischerweise auch gleich die Hauptrolle übernimmt - sei es in "Keinohrhasen", "Zweiohrküken", "Kokowääh" oder "Barfuss". Die Kinosäle sind ausverkauft, die Kassen klingeln, und die ganze Nation liebt Til Schweigers Tochter Emma, die in seinen Filmen auftritt. Was will man mehr?
Natalie Portman
Letztes Jahr gewann Natalie Portman ihren ersten Oscar für ihre Leistung im Kinofilm "Black Swan". Doch die schöne 30-Jährige mit den hebräischen Wurzeln kann noch viel mehr. In Harvard studieren, zum Beispiel, wo sie 2003 ihr Psychologiestudium mit einem Bachelor abschloss. Oder Regie führen. Etwa 2008 bei dem Kurzfilm "Eve" oder 2009, als sie ein Segment im Episodenfilm "New York, I love you" übernahm. Wir hoffen auf viele weitere Regiewerke.
George Clooney
2002 gab George Clooney mit "Confessions of a Dangerous Mind" sein Regiedebüt. Drei Jahre später begeisterte er die Kritiker mit dem in schwarz-weiß gedrehten Politfilm "Good Night, and Good Luck" - einer Hommage an den US-amerikanischen Fernsehjournalisten Edward R. Murrow. Auch in seinem neuesten Regiewerk ist Clooney wieder politisch aktiv: "The Ides of March - Tage des Verrats" erzählt vom Scheitern eines ehrbaren Politikers - und Clooney könnte für das Drehbuch den Oscar gewinnen.
Sean Penn
Dass Sean Penn ein hervorragender Charakterdarsteller ist, müssen wir Ihnen an dieser Stelle vermutlich nicht mehr erzählen. Wohl aber, dass seine Regiekünste durchaus mit seinem schauspielerischen Talent mithalten können. Das bewies er vor fünf Jahren mit dem Film "Into the Wild", in dem er das Leben des Aussteigers Christopher McCandless nachzeichnete, der 1992 in Alaska ums Leben kam. Eindrucksvoll, einfühlsam, atemberaubend - bitte mehr davon, Mr. Penn!
Mel Gibson
Auch Mel Gibson, die Skandalnudel Hollywoods, hat sich bereits hin und wieder als Regisseur versucht. Und das - wir mögen es kaum zugeben - durchaus mit Erfolg: Für "Braveheart" bekam er 1996 einen Oscar für die beste Regie verliehen. Weniger freundlich waren die Kritiker hingegen gestimmt, als acht Jahre später "Die Passion Christi" im Kino anlief und Gibson sich massive Vorwürfe gefallen lassen musste, darunter: Antisemitismus, Gewaltverherrlichung und grobe historische Fehler, um nur einige zu nennen. Auch der nachfolgende Film "Apocalypto" polarisierte, genau wie Mel Gibson selbst. Um es kurz zu machen: So richtig traurig wären wir nicht, wenn Mel Gibson seine Regiearbeit einfach wieder einstellen würde.
Michael "Bully" Herbig
Über Filme wie "Der Schuh des Manitu", "Traumschiff Surprise", "Lissi und der wilde Kaiser", "Wickie und die starken Männer" von Michael "Bully" Herbig mag man denken, was man will. Die deutschen Kinosäle sind voll. In den meisten seiner Filme übernimmt der 43-Jährige gleich selbst die Hauptrolle. In den letzten Monaten war Bully mit den Filmen "Hotel Lux" und "Zettl" in den Kinos zu sehen. Die Regiearbeiten hat er dabei jedoch seinen Kollegen Leander Haußmann und Helmut Dietl überlassen.
Julie Delpy
1995 verzauberte uns Julie Delpy neben Ethan Hawke in "Before Sunrise". Doch die 42-jährige Französin ist nicht nur als Schauspielerin erfolgreich: 2007 gab sie in "Zwei Tage Paris" ihr Regiedebüt, übernahm die Hauptrolle und war gleichzeitig für Drehbuch, Musik, Schnitt, Produktion und Casting verantwortlich. Zwei Jahre später führte sie im Kinofilm "Die Gräfin" Regie und war auch hier in der Hauptrolle zu sehen. Mehr davon!
Detlev Buck
Noch ein Multitalent: Detlev Buck ist nicht nur Schauspieler, er verdient sich auch als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent eine goldene Nase. Sein Debüt gab er 1984 in "Erst die Arbeit und dann?", endgültigen Erfolg als Regisseur feierte er 1991 mit "Karniggels". Es folgten Quotengaranten wie "Wir können auch anders…", "Männerpension", "Hände weg von Mississippi", "Same Same But Different" und zuletzt "Rubbeldiekatz". Und die Kritiker? Die lieben ihn - wie seine gewonnen Filmpreise beweisen.
Tom Hanks
2011 war Tom Hanks mit "Larry Crowne" im Kino zu sehen. Doch der 55-Jährige übernahm nicht nur die männliche Hauptrolle neben Julia Roberts, er führte auch Regie, schrieb gemeinsam mit "My Big Fat Greek Wedding"-Schauspielerin Nia Vardalos das Drehbuch und wirkte als Produzent mit. "Larry Crowne" ist übrigens bereits das zweite Regiewerk des Hollywood-Schauspielers. 1996 feierte er mit "That Thing you Do!" sein Debüt. Trotzdem: Als Schauspieler bewies er bislang mehr Gefühl für außerordentliche Rollen.
Barbra Streisand
Dank "Herr der Gezeiten" lernten wir 1992, dass Barbra Streisand nicht nur perfekt schauspielern und singen kann, sondern auch eine beachtenswerte Regisseurin ist. Die Tragikverfilmung mit Nick Nolte brachte ihr sogar eine Oscar-Nominierung für den besten Film ein. 1996 gab die Streisand zum bislang letzten Mal ihre Regiekünste zum Besten. Schade eigentlich.
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