Hinterher denke ich so bei mir: Der tanzt immer noch mit dem Wolf. Nein, eigentlich habe ich dieses Gefühl schon, als ich den Raum betrete. Eine Villa in Hamburg-Ottensen, hoch über der Elbe, Kevin Costner ist mit seiner Band Modern West unterwegs, er gibt hier Interviews, in einem freundlichen Eckzimmer im ersten Stock. Als ich hineingeschickt werde, steht Costner am Fenster, den Rücken zum Raum. Er dreht sich nicht um. Ich lege meinen Notizblock und mein Aufnahmegerät auf den Tisch, bleibe einen Moment lang unschlüssig stehen. Costner bewegt sich immer noch nicht. Langsam gehe ich zum Fenster und stelle mich neben ihn. Er schaut mich immer noch nicht an und hinaus auf die Elbe, die 30 Meter unter uns in der Mittagssonne funkelt, die Hand am Kinn. Denkerpose, klassisch.
Ich stecke meine Hände in die Hosentaschen und erwidere sein Schweigen, Flussblick inklusive. Das Aufnahmegerät auf dem Tisch hinter uns läuft schon, ich habe später nachgeschaut: eine Minute und 48 Sekunden stehen wir nichts sagend nebeneinander. Männer, im Tiefsinn versunken, bedeutungsvoll still, wie Cowboys am Lagerfeuer. Und ich ahne: Das mag er. So sieht er sich selbst gern. Dann sagt Kevin Costner grußlos: "Dieses Haus hier hat im 19. Jahrhundert einem Bankier gehört. Dieser Bankier hatte einen Sohn, der in den Krieg zog und getötet wurde." Er schweigt wieder für einen Moment. Und sagt dann: "Ich habe gerade darüber nachgedacht, dass der Junge, bevor er dieses Haus verlassen hat, genau dasselbe gesehen hat wie wir jetzt. Die Bäume. Das Wasser. Die Sonne."







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