BRIGITTE-woman.de: Aber genau das sind Sie doch.
Isabella Rossellini: Als ich vor Jahren durch ein Antiquitätengeschäft bummelte, fiel mir eine vornehme, distanziert wirkende Frau ins Auge. Sie erinnerte mich an meine Mutter. Schließlich realisierte ich, dass ich mich selbst im Spiegel gesehen hatte. Mir war gar nicht bewusst gewesen, dass ich inzwischen so erwachsen war.
BRIGITTE-woman.de: Ihr Porträt wurde mehr als 500-mal auf dem Cover von Modemagazinen gedruckt und war Thema einer Fotoausstellung in Paris. Fiel es Ihnen schwer, sich neu zu definieren, nachdem andere Schönheiten Ihren Platz einnahmen?
Spinnenweib verschlingt Spinnenmann gleich mit sechs Augen
Foto: Courtesy of Sundance Channel
Isabella Rossellini: Ohne meine Vergangenheit, das Modeln, den Erfolg, meine Mutter, würde ich heute nicht hier sitzen, meine grünen Pornos machen können und dieses Interview geben. Meine Berühmtheit ist notwendig, um ein Projekt wie dieses zu starten. Der Fernsehsender gibt mir das Geld für meine Ideen - ich bringe ihm Presse. Ein fairer Austausch, es ist Teil des Geschäfts. Obwohl ich nicht nach Ruhm strebe, muss ich sagen, dass er mir oftmals sehr gut dient.
BRIGITTE-woman.de: Haben Sie in Ihrem Leben jemals darunter gelitten, als Kind von zwei Legenden aufgewachsen zu sein?
Isabella Rossellini: Es stimmt nicht, dass Erfolg die Menschen verdirbt. Das war nicht bei meinen Eltern der Fall, und das ist es auch nicht bei vielen anderen Weltstars wie zum Beispiel Robert Redford.
BRIGITTE-woman.de: Aber wie hat Sie die Berühmtheit Ihrer Eltern beeinflusst? Deren Beziehung war der Hollywood-Skandal der spießigen 50er Jahre, weil ihre Mutter, die schwedische Schauspielerin Ingrid Bergman, Ehemann und Kind für Roberto Rossellini verließ.
Isabella Rossellini: In meiner Kindheit waren sie einfach meine Eltern. Ich hatte kein Verständnis davon, was die Gesellschaft ist oder wie das öffentliche Image meiner Eltern aussah. All das lernte ich viel später. Erst als Teenager ahnte ich, dass meine Eltern anders betrachtet wurden. Ich begriff, dass die Menschen neugierig auf sie waren. Aber das war es auch schon. Als Tochter von Ingrid Bergman konnte ich alles tun, was andere Kinder auch taten. Mein Leben musste ich zu keinem Zeitpunkt deswegen umstellen. Allerdings fragten mich fremde Leute gelegentlich: Ist deine Mutter Schauspielerin?
BRIGITTE-woman.de: Was haben Sie von Ihrer Mutter und was von Ihrem Vater geerbt?
Isabella Rossellini: Von meiner Mutter stammt die Leidenschaft zu putzen, die Dinge praktisch anzugehen, organisiert zu sein. Mein Vater steckte voller Fantasie, voller Lust auf das Leben und das Abenteuer. Das war es, was mich an meinen Eltern inspirierte und was sie mir beibrachten. Aber dann wiederum habe ich meine ganz eigene Persönlichkeit.
BRIGITTE-woman.de: Es klingt nach sehr gegensätzlichen Charakterzügen - und einem interessanten Mix.
Isabella Rossellini: So stellt es sich jetzt dar. Vergessen Sie nicht, dass ich 56 Jahre alt bin und dass meine Eltern vor mehr als 25 Jahren starben. Ich habe einen Großteil meines Lebens ohne sie verbracht. Obwohl sie natürlich sehr präsent in meinen Gedanken sind.







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