Interview
Was treibt Sie an, Iris Berben?
Iris Berben ist 60, erfolgreich und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Doch wie schafft sie das? Und was rät sie anderen Frauen? Ein Interview mit verblüffenden Antworten.
"Wenn du dich nur über diesen Beruf definierst, wenn du dein Selbstwertgefühl, deine Wünsche, deine Träume, all das nur auf diesen Beruf fokussiert, wirst du irgendwann sehr unglücklich werden. Weil dann die Frage kommt, die du dir am Schluss stellst: War das alles?"
Diesen Rat würde Iris Berben gern der Frau geben, die vor dem Spiegel sitzt: Sylvia Moran. Das ist die neue Rolle von Iris Berben in dem ZDF-Film "Niemand ist eine Insel" (Pfingstmontag, 13. Juni, 20.15 Uhr).
Sylvia Moran kämpft mit sich, denn sie möchte viele Rollen perfekt spielen. Die der anspruchsvollen Schauspielerin, die der begehrenswerten Frau und die der liebevollen Mutter.
Doch womit kämpft Iris Berben, was treibt sie an?
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Nicht nur Sylvia Moran im Film fällt es schwer, sich
von der Rolle als Star abzugrenzen. Auch Iris Berben kennt das Gefühl, dass die eigenen Ansprüche das Selbst erdrücken:
"Ich weiß um die Gefahr. Für mich gab es zwei Zeiten. Zunächst der Anfang, in dem man glaubt, seinen Weg gefunden zu haben. Die Schauspielerei mit aller Leidenschaft, aller Kraft und aller Energie macht. Und dann kommt der zweite Punkt, wenn man sehr erfolgreich ist. Wozu bist du bereit, diesen Erfolg zu verteidigen?
Zunächst wird das Ego aufgebaut durch die Popularität, durch das Anhimmeln anderer. Aber das muss man sehr genau unterscheiden. Die Gefahr hat sich auch für mich immer wieder gestellt. Verlier dich ja nicht."
Wie geht Iris Berben mit diesen Ängsten um?
"Erst einmal bin ich jemand, der sehr stark eine Eigenanalyse betreibt. Das war ich schon immer. Ich glaube, da haben mich die 68er geprägt. Analysieren, analysieren, analysieren.
Und dann sind es natürlich wenige wichtige Menschen in meinem Leben, mit denen ich meine Ängste und Unsicherheiten bespreche. Es gibt ja auch die Zeiten, wo man durchhängt. Man ist ja nicht 40 Jahre lang da oben, wo man die Möglichkeit hat, zu entscheiden, was man macht. Das sind lange Wege gewesen und da ist es gut, wenn man vertraute Menschen an seiner Seite hat."
Auf dem Bild:
Iris Berben mit ihrem Sohn Oliver (links) und ihrem ehemaligen Lebensgefährten Gabriel Lewy (rechts). Heute ist sie mit dem Stuntman Heiko Kiesow zusammen.
Von der Sketchup-Comedy ins Charakterfach - die Karriere von Iris Berben zieht gerade in den letzten Jahren enorm an: die Rolle der Bertha Krupp im ZDF-Dreiteiler "Krupp - eine deutsche Familie", die "Buddenbrooks", der Film über den RAF-Terrorismus "Es kommt der Tag".
Wie hat Iris Berben es geschafft, sich neu zu erfinden?
"Ich weiß gar nicht, ob man sagen kann, dass ich mich neu erfunden habe. Ich würde sagen, es ist ein Stein auf Stein setzen. Ich bin 60. Bei uns sagt man, mit 40 wird das Eis dünn, im Film und im Fernsehen. Im Theater ist es anders.
Bei mir ist das Gegenteil eingetreten. Bei mir ist es in den vergangenen 20 Jahren mehr, es ist kraftvoller, es ist intensiver geworden. Das hängt auch damit zusammen sich zu hinterfragen: Wer bestimmt das denn?
Und warum sollen sich Frauen zurückziehen? Ganz im Gegenteil. Ab jetzt begreifst du mehr, du wirst souveräner. Du bist unaufgeregter. Du behältst hoffentlich deine Aufgeregtheit in Form von Neugierde, in Form von Spontaneität. Aber du weißt: Das, was da ist, ist das, was ich habe. Und damit will ich umgehen."
Auf dem Bild: Iris Berben mit Film-Sohn Benjamin Sadler in "Krupp - eine deutsche Familie".
Doch was ist, wenn der Mut fehlt, so zu sich zu stehen? Iris Berben würde anderen Frauen gern dies mit auf den Weg geben:
"Das muss natürlich jede Frau mit ihrem Wesen vereinbaren. Bist du eine Frau, die sagt: Rückzug, Rückzug? Aber dann solltest du dich fragen: Warum Rückzug? Es gibt keinen Grund zum Rückzug.
Wir haben die Möglichkeiten, uns neu zu erfinden. Vielleicht habe ich jetzt auf etwas ganz anderes Lust? Vielleicht entdecke ich auch gerade etwas, was mir vorher fremd, suspekt, komisch, unangenehm war? Sich darauf einzulassen ist die Antwort.
Aber es ist auch gut, wenn man ein Umfeld hat, das einen bestätigt. Darum finde ich eine Vernetzung von Frauen sehr gut und die Möglichkeit sich auszutauschen. Besonders, was den Mut angeht. Gegenseitig voneinander lernen ist wichtig."
Viele kennen Iris Berben nur als starke Frau. Umso mehr erstaunt es, dass auch sie zugibt, unsicher zu sein. Doch hat sich die Unsicherheit im Laufe der Jahre verändert?
"Ich denke schon, dass ich mich kräftiger fühle in vielerlei Hinsicht. Trotzdem bleibt eine Unsicherheit. Ich weiß nur heute anders damit umzugehen. Auch da sind es Mechanismen, die man sich angewöhnen kann. Wenn du weißt, dass du etwas halbherzig machst, bist du angreifbar. Also sage ich lieber: Darüber rede ich nicht. Da gehe ich nicht hin. Oder in dieser Diskussion möchte ich nicht dabei sein.
Aber Unsicherheiten sind auch ein guter Motor. Es hindert dich an der Routine. So wie Zweifel. Sie führen dich zu einer guten Analyse. Wenn Unsicherheiten da sind, beschäftigst du dich mit den Dingen besonders intensiv. Manchmal wird eine Unsicherheit dadurch aufgehoben. Oder ich finde neue Antworten."
Was kann bei der Eigenanalyse helfen, die Meditation zum Beispiel?
"Nein, ich habe Meditation probiert, weil jeder sagt: 'Mach es'. Aber ich halte es genau sieben Sekunden durch und dann denke ich: 'Ich weiß ja, dass ich es innerlich nicht will.'
Aber auch ohne Meditation, bin ich jemand, der gern und gut mit sich allein sein kann. Ich fühle mich nie einsam. Ich kann mich gut beschäftigen."
Hätte Iris Berben gern etwas anders gemacht, wenn sie die Chance dazu gehabt hätte?
"Ganz schön wären sicherlich mehr Kinder gewesen. Das sage ich nach wie vor. Es ist toll, noch einen zweiten Weg zu begleiten. Am Anfang sehr nah und später auf eine entferntere Weise. Und sonst: Ach ja, hättest du noch mal ein paar Sprachen mehr gelernt und dich auf den Hintern gesetzt. Mit Sprachen kommt man den Menschen sehr viel näher."
Und die Zukunft?
"Weiter so. Weiter so im Sinne, ich will die Neugierde behalten. Ich will nicht zynisch werden. Ich will arbeiten. Ich möchte, dass die junge Generation auch Lust auf diesen Beruf hat. Was soll noch kommen? Ich finde, das war schon verdammt viel, was da war."
Iris Berben und Henning Baum im ZDF-Film: "Niemand ist eine Insel" (Pfingstmontag, 20.15 Uhr).
Auf einer Wohltätigkeitsgala für behinderte Kinder gerät die Welt der Sylvia Moran ins Wanken. Der Anblick der Kinder löst ihr bei Ängste aus, die ihr Leben aus den Fugen geraten lassen. Doch nicht nur das: ihre Tochter erkrankt, sie wird erpresst und der Film-Produzent für ihre neue Rolle setzt sie unter Druck. Auch ihr junger Lebensgefährte Phillip (Henning Baum) kommt nicht mehr an sie heran.
"Niemand ist eine Insel" ist kein leichter Stoff. Iris Berben gelingt es, die innere Zerrissenheit der Sylvia Moran spürbar zu machen. Wer an Pfingstmontag eine heile Welt sucht, wird enttäuscht. Aber vielleicht nachdenklich.
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am um
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Ramona***
am 15.07.11 um 20:24
www.irisberben.de.tl
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Bellaria
am 14.06.11 um 17:28
Ich finde, wenn man in diesem Alter ist - zufrieden mit sich selbst ist, sich akzeptiert wie man ist -dann strahlt man das aus. Man ist ganz von alleine schön, ob etwas faltig oder nicht.
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Susanne
am 07.06.11 um 21:10
Dieses Interview ist klasse. Schade, dass bei den bisherigen Kommentaren allein die Äußerlichkeiten ein Thema sind. Frau Berben wird doch gerade nicht gefragt, wie sie es schafft, in ihrem Alter noch so gut auszusehen. Sie hat etwas zu sagen. Ob jugendliches Aussehen oder nicht. Und das was sie sagt, ist nicht unerreichbar. Die meisten von uns werden mit 60 nicht so aussehen wie Iris Berben. Empfinden wir uns denn jetzt schon als so gutaussehend? Aber das ist doch egal. Das was sie zu sagen hat, kann doch eine jede von uns für sich hinterfragen und seinen Teil davon mitnehmen. Ich finde, dass hier endlich mal die Fragen an Frau Berben gestellt werden, die schon längst hätten gestellt werden müssen! Und das in einer Weise, die Neugier auf die nächste Frage und Antwort macht. Die ein einfühlsames auseinandersetzen mit den Antworten in Gang bringt; das Mut macht authentisch zu sein!! Vielen Dank Frau Berben für so offene Antworten. Vor allem: Vielen Dank für diese Fragen!!!!
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Bettina
am 22.08.10 um 05:36
Beim Editieren übersehen, es sollte heißen:
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Bettina
am 22.08.10 um 05:32
Liebe bshsm,
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bshsm
am 16.08.10 um 13:44
Liebe Bettina,,, Sie scheinen "jugendlich" mit "gut aussehen" gleich zu setzen. Wirkliche Schoenheit kommt erst mit dem Alter. Wenn man es denn zulaesst. Und Schoenheit liegt sowieso immer im Auge des Betrachters. Den Spruch habe ich mir gerade ausgedacht. Ehrlich!
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Bettina
am 16.08.10 um 07:52
Warum so doppelzüngig?
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Elly Pirelli
am 13.08.10 um 23:00
Ich konnte Iris Berben bei der diesjährigen Verleihung des Mendelssohn-Preises der Stadt Leipzig, den sie für ihr gesellschaftliches Engagement bekam, aus nächster Nähe erleben. Sie ist eine tolle Frau mit einer unglaublichen Ausstrahlung, sympatisch und intelligent!
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hsm
am 12.08.10 um 13:47
Okay... der Name sagt mir nicht wirklich was, weil ich schon so lange aus Deutschland weg bin. Aber..... 60!?! An der koennen sich die "zum Alter Steher" mal eine Scheibe abschneiden! Tolle Haare, tolle Straffungen. Die koennte fuer Anfang 40 durchgehen. Eine Inspiration.
mehr (9)www.facebook.com/irisberbenfans
Einfach natürlich zu sein und sich natürlich zu geben, das findet sehr wichtig - eine nicht neidische 60-Jährige.
„An tiefen Falten und einer ausgeleierten Figur doch eher selten.“
Frauen, die in dem Alter gut aussehen, sehen immer auch jugendlich aus, das ist nun mal so.
Daran wird unter anderem das gute Aussehen fest gemacht.
An tiefen Falten und einer ausgeleierten Figur?
Die Schönheit, die angeblich nur im Auge des Betrachters liegt, ist sowieso ein Gerücht und nur ein Trostpflästerchen und wird gern benutzt, um schöne Frauen madig zu machen, weil sie angeblich hohl sind.
Der böse, böse Neid, der nicht zulassen kann, dass manche nun mal besser aussehen als andere.
Dieser Artikel wird Iris Berben zwar gerecht, aber an anderer Stelle hier schmäht ihr sie als eine der "alten" Frauen, die ihr Alter nicht akzeptieren.
Was soll das alles?
Entscheidet euch doch mal, was ihr von Frauen halten wollt, die mit 50+ noch jugendlich und gut aussehen und von denen es mehr und mehr gibt und die doch immer wieder superkritisch beäugt und hämisch kommentiert werden.
Herzlichen Glückwunsch Frau Berben!!
hsm. Die Echte.