"Ich habe noch längst nicht genug getan"
Helen Mirren im Interview

Sie ist mit 66 Jahren erfolgreicher denn je - und trotzdem bescheiden. Im Interview erzählt Helen Mirren über ihre Beziehung, Ängste und Träume.

Das "The Dorchester" am Hyde Park ist das Luxushotel in London, in dem traditionell Filmstars absteigen. Oft aus rein beruflichen Gründen: Viele halten dort in einer Suite Hof und empfangen einen Journalisten nach dem anderen für Interviews. "Pressejunket" heißt so ein Termin im Fachjargon. Heute ist es Helen Mirren, die Interviews zu ihrem neuen Film "The Debt" gibt, der unter dem Titel "Eine offene Rechnung" jetzt auch in Deutschland läuft (Filmstart 22. September). Helen Mirren spielt darin eine ehemalige Agentin des israelischen Geheimdienstes, die in den 60er Jahren eine schiefgelaufene Mission erfolgreich vertuschen konnte, aber sich mehr als 30 Jahre später mit der Lüge von damals konfrontiert sieht.

Seit frühmorgens hat Dame Helen Mirren mit Journalisten aus aller Welt gesprochen, oft in Gruppen, mal zehn, mal 15 Minuten. Ich darf sie allein treffen und habe immerhin 25 Minuten, dafür bin ich aber auch als Allerletzte dran. Eher unwahrscheinlich, dass sie jetzt noch große Lust hat.

Kerzengerade sitzt sie in ihrem Kostüm auf dem Sofa und widmet der Fragerin die volle Aufmerksamkeit. Über jede Frage denkt sie kurz nach und beantwortet sie dann sorgfältig in klaren, wohlformulierten Sätzen. „Ich bin nicht die Königin“, sagt sie irgendwann im Laufe des Gesprächs, angesprochen auf ihre bekannteste Rolle. Aber eine majestätische Ausstrahlung hat sie auf jeden Fall: perfekte Contenance.

BRIGITTE WOMAN: Frau Mirren, in Ihrem neuen Film spielen Sie eine Mossad-Agentin. Ich habe auf Wikipedia gelesen, dass Sie dafür sogar Hebräisch gelernt haben, obwohl Sie es im Film gar nicht sprechen müssen. Viel Aufwand für jemanden, der von sich behauptet, er sei faul.

Helen Mirren : Faul bin ich wirklich! Und ich bin definitiv zu faul, um Hebräisch zu lernen. Wenn das auf Wikipedia steht, muss ich das mal korrigieren. Aber natürlich bereite ich mich immer so weit vor, wie es eine Rolle verlangt. Für diesen Film habe ich ein bisschen Russisch gelernt, denn Russisch spreche ich im Film. Und ich habe mich sehr intensiv mit der Tragödie des Holocaust auseinandergesetzt. Aber nein, Hebräisch habe ich nicht gelernt. Wirklich nicht.

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  • Interview: Sonja Niemann
    Foto: Imago
    Ein Artikel aus der BRIGITTE Woman, 10/11
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