BRIGITTE WOMAN: Sie gehören zu den erotischsten Schauspielerinnen Ihrer Generation!
Charlotte Rampling: Ist das schmeichelhaft?
BRIGITTE WOMAN: Das fragen Sie mich?
Charlotte Rampling: Ich kann damit damit recht wenig anfangen, fand mich selbst nie sonderlich aufregend, auch wenn ich vor der Kamera mehr von meinem Körper zeigte, als viele vielleicht sehen wollten. Was ich gut verstehen kann. Ich fand, dass ich seinerzeit ein nicht gerade attraktives englisches Mädchen war.
BRIGITTE WOMAN: Immerhin waren Sie im Minirock auf der berühmten Carnaby Street unterwegs, tanzten in den Clubs die Nächte durch und hatten – ich zitiere – "unzählige Liebhaber"!
Charlotte Rampling: Verstehen Sie: Der Minirock, von Mary Quant kreiert, war damals cool, und mit meinem Aufzug kaschierte ich in Wahrheit nur meine Unsicherheit.
BRIGITTE WOMAN: Und was steckte hinter den "unzähligen Liebhabern"?
Charlotte Rampling: Männer zu verführen war für mich ein Experiment, zu sehen, wie weit meine Macht geht.
BRIGITTE WOMAN: Sie meinen Ihre sexuelle Macht?
Charlotte Rampling: Ja. Es ist wohl die wichtigste Macht, die wir haben! Ihr Männer seid uns Frauen so ziemlich ausgeliefert. Wir können euch in unseren Bann ziehen – einer geplanten Verführung könnt ihr euch vielleicht ein- oder zweimal entziehen. Im Endeffekt bleiben wir Frauen die Sieger! Das sollten wir uns immer und überall vor Augen halten. Besonders wenn wir älter werden. Denn dieses Wissen um unsere sexuelle Macht stärkt unser Selbstbewusstsein auch dann noch, wenn wir ein paar Falten mehr haben.
„Männer zu verführen war ein Experiment.“
BRIGITTE WOMAN: Sex ist also eine Waffe?
Charlotte Rampling: Eine Waffe, Sie sagen es. Eine der schärfsten Waffen, die wir haben. Eine, die uns Frauen unsere weibliche Macht gibt. Was mich betrifft: Ich fand mich zwar nicht besonders attraktiv, war mir aber dennoch meiner erotischen Ausstrahlung sehr früh bewusst.
BRIGITTE WOMAN: Moral spielte da keine Rolle?
Charlotte Rampling: Ich habe ein Gewissen, wenn Sie das meinen. Schließlich besuchte ich mal eine Klosterschule nahe des französischen Fontainebleau, da wurden wir auf die moralischen Werte immer wieder und wieder gedrillt.
BRIGITTE WOMAN: Was vielleicht der Grund für Sie war, erst recht dagegen zu opponieren?
Charlotte Rampling: Tat ich das denn?
BRIGITTE WOMAN: Sie lebten mit zwei Männern gleichzeitig zusammen – ist das etwa Ihre Vorstellung von Moral?
Charlotte Rampling: Hören Sie doch auf! In meiner wilden Zeit, sie liegt lange zurück, war ich nun mal ein junger Hüpfer, ziemlich ausgeflippt.







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