Liza Marklund

"Ich stoße Leute gerne vor den Kopf"

Wie ihre Heldin Annika Bengtzon nimmt die Bestseller-Autorin Liza Marklund kein Blatt vor den Mund. Ein Gespräch über starke Frauen, schlechte Krimis und dumme Fragen.

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Liza Marklund ist eine Bilderbuch-Schwedin: groß, blond, gewinnendes Lachen. Ihre Krimis um die hartnäckige Journalistin Annika Bengtzon sind internationale Bestseller, in ihrer Heimat moderiert sie außerdem Talkshow, schreibt Kolumnen und berichtet in TV-Dokumentationen über häusliche Gewalt und HIV-positive Kinder. Irgendwann habe sie aufgehört nett zu sein, erklärt Liza Marklund ihren Erfolg. Im Interview beweist sie allerdings das Gegenteil. Nur einmal ist sie kurz abgelenkt - als das Handy piept, weil ihre Tochter eine SMS geschickt hat.

BRIGITTE-woman.de: Sie waren Journalistin, dann haben Sie beschlossen, Romane zu schreiben, inzwischen sind Sie Mitinhaberin eines der größten Verlagshäuser Schwedens. Es scheint Ihnen Spaß zu machen, immer wieder neu anzufangen.

Liza Marklund: Stimmt, ich stürze mich immer wieder gerne in neue Aufgaben. Und ich habe keine Angst zu scheitern.

BRIGITTE-woman.de: Haben Sie nie Zweifel, ob alles gut gehen wird?

Liza Marklund: Scheitern kann man immer, egal was man macht. Warum also nicht einfach loslegen? Die Alternative wäre, nie etwas auszuprobieren. Ich halte mich nicht lange mit Dingen auf, die mir keinen Spaß machen. Ich könnte niemals einen Job behalten, der mich nicht erfüllt. Ich könnte keine Beziehung führen, in der ich nicht glücklich bin. Und ich könnte nie in einem Haus wohnen, in dem ich mich nicht wohlfühle. Ich muss mich verändern, sonst würde ich eingehen.

BRIGITTE-woman.de: Das klingt ziemlich mutig.

Liza Marklund: Nein, ich bin nicht besonders mutig. Ich mag es nur nicht, auf der Stelle zu treten, dafür bin ich viel zu rastlos. Mein erster Roman wurde von einem der angesehensten Verlage Schwedens veröffentlicht, aber ich fand es furchtbar, wie sie das Buch vermarktet haben. Das kann ich besser, dachte ich mir damals. Ich war Chefredakteurin einer Tageszeitung und wusste, wie die Medien ticken. Also habe ich zusammen mit zwei Freunden einen Verlag gegründet. Natürlich hätten wir auch grandios scheitern können. Aber es hat funktioniert. Vielleicht auch, weil ich keine Angst vor harter Arbeit habe. Und weil es mich nicht kümmert, wenn ich anderen auf die Nerven gehe.

BRIGITTE-woman.de: Das haben Sie mit Ihrer Heldin Annika Bengtzon gemeinsam.

Liza Marklund: Annika ist nicht mein Alter Ego, aber wir sind uns schon ähnlich. Es ist uns zum Beispiel egal, wenn wir Leute vor den Kopf stoßen.

BRIGITTE-woman.de: Eine Eigenschaft, die den meisten Frauen fehlt.

Liza Marklund: Wir Frauen sind viel zu nett! Von klein auf wird uns beigebracht, lieb und artig zu sein. Aber wir müssen nicht immer allen gefallen. Wenn ich etwas will, formuliere ich es als Aussage, nicht als Frage. Von Frauen wird etwas anderes erwartet, deswegen irritiere ich einige Menschen damit. Doch das ist nicht mein Problem.

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  • Interview: Julia Müller
    Foto: Annika Marklund
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