Kreativität

Kreativ Schreiben: 16 Übungen zum Ausprobieren

Foto: gettyimages/thinkstock/Yeulet

Kreativ Schreiben ist gar nicht so schwer. Schon der amerikanische Schriftsteller Truman Capote wusste: "Alle Menschen haben die Anlage, schöpferisch tätig zu sein. Nur merken es die meisten nie". Recht hat er! Entdecken Sie Ihren Einfallsreichtum - wir haben Ihnen hier 16 Übungen zum kreativen Schreiben zusammengestellt.

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  • "Erzähl mir nicht, dass der Mond scheint, ...
    ... zeige mir lieber seinen Lichtschimmer auf einer Glasscherbe", sagte der russische Dramatiker und Autor Anton Chekov einst. Was er damit meinte? Beim Schreiben kommt es vor allem auf das Beschreiben an: wie statt was. Überlegen Sie, wie die folgenden Sätze anschaulich werden, anstatt einfach nur Aussagen zu treffen:

    Beispiel:

    Sie wird müde –
    Ihre Lider werden schwer und sie blinzelt ihn aus kleinen Augenschlitzen an. Gähnend reibt sie sich die Augen.

    Draußen schneit es.
    Es wird dunkel.
    Er hat Hunger.
    Er ist alt geworden.
  • Körpersignale
    Beschreiben Sie, wie Sie sich gerade rein körperlich fühlen – vom Scheitel bis zur Sohle. Schließen Sie die Augen und horchen Sie in Ihren Körper hinein. Sind Sie hungrig, juckt oder kitzelt etwas, ist Ihr Mund trocken, haben Sie sich in den neuen Schuhen eine Blase gelaufen? Beschreiben Sie, wie sich das anfühlt. So lernen Sie, Gefühle intensiver wahrzunehmen und sich in die Gefühlswelt Ihrer Charaktere hineinzuversetzen.
  • Blinde Kuh
    Schlagen Sie ein Buch irgendwo in der Mitte auf und tippen Sie mit geschlossenen Augen auf ein Wort. Öffnen Sie dann Ihre Augen und schreiben Sie das Wort, auf das Sie gezeigt haben, auf ein Blatt Papier. Machen Sie daraus ein Assoziogramm, das heißt lassen Sie ausgehend von diesem Wort immer weitere Gedankenverknüpfungen wachsen. Haben Sie vielleicht eine persönliche Verbindung zu dem Wort? Welche Erinnerungen weckt es? Wie riecht das Wort? Wie schmeckt es, wie fühlt es sich an?

    Beispiel: Ihr Finger zeigt auf das Wort "Himmel". Dann kommen Ihnen vielleicht Ideen wie Wolken, Sonne, Wind, Flugzeug, Regenbogen ....

    Sehen Sie sich Ihr Assoziogramm abschließend noch mal genau an, wählen Sie fünf Wörter daraus aus und denken Sie sich eine Geschichte mit dieser Wortauswahl aus.
  • Kurz und knackig
    Diese Übung geht besonders schnell und einfach: Denken Sie zuerst an ein bestimmtes Genre. Sie haben eins? Dann geht es weiter mit einem bestimmten Ort. Und jetzt denken Sie noch spontan an eine Tageszeit.

    Beispiel: Detektivgeschichte, London, Nacht.

    Diese drei Wörter bieten nun den Ausgangspunkt für Ihre Geschichte: Sie wissen jetzt schon, dass Sie eine Detektivgeschichte schreiben wollen, die in London bei Nacht spielt. Konstruieren Sie nun eine Handlung rund um diese grundlegenden Informationen.
  • Autopilot
    Schalten Sie einfach mal in den Autopilot-Modus und wagen Sie sich ans sogenannte "Automatische Schreiben". Automatisches Schreiben heißt: Sie nehmen Ihren Stift in die Hand und hören nicht auf zu schreiben – nicht mal für eine Sekunde. Setzen Sie sich dafür bequem hin, stellen Sie die Füße auf den Boden, machen Sie die Augen zu und atmen Sie tief durch. Konzentrieren Sie sich drei Minuten lang auf Gerüche, Geräusche und Gedanken. Machen Sie dann wieder die Augen auf und schreiben Sie zehn Minuten lang einfach drauf los. Wenn Sie am Ende dieser Übung auf Ihre spontanen, literarischen Ergüsse schauen, werden Sie von dem Resultat garantiert überrascht sein.
  • Was wäre wenn...?
    Überlegen Sie sich "Was wäre wenn..."-Szenarien und spinnen Sie daraus eine Geschichte.

    Beispiel:

    Was wäre wenn ... ich nie diese eine Person in meinem Leben getroffen hätte?
    Was wäre wenn ... Tiere sprechen könnten?

    Einige der größten Literaturerfolge sind aus ganz simplen "Was wäre wenn..."-Szenarien entstanden – zum Beispiel "Harry Potter" (Was wäre, wenn ich zaubern könnte?).
  • Super Superlative
    Wenn wir an unsere Vergangenheit denken, dann sind es meist die Superlative, an die wir uns am besten erinnern: Egal ob "Der schlimmste Tag in meinem Leben", "Die lustigste Situation in meinem Leben" oder "Der überraschendste Moment in meinem Leben" – solche Geschichten bergen mehr als genug Stoff für Ihre nächsten Erzählungen. Lassen Sie Ihr Leben noch mal Revue passieren und denken Sie an all die Superlative, die Sie bisher erlebt haben. Nehmen Sie sich einen Superlativ und basteln Sie daraus eine Geschichte – dabei können Sie Ihre persönlichen Erlebnisse gerne verfremden.
  • K(n)opflos drauf los schreiben
    Gehen Sie auf den Flohmarkt oder in einen Antikladen und stöbern Sie dort in den Krimskrams-Truhen nach alten Knöpfen. Wählen Sie sich einen besonders schönen Knopf aus und nehmen Sie ihn mit nach Hause. Überlegen Sie dann: Warum habe ich ausgerechnet diesen Knopf ausgewählt? Wie wurde er wohl gemacht und woraus wurde er hergestellt? Was ist mit dem Knopf passiert und woran war er wohl ursprünglich mal befestigt? Was könnte mit dem Träger des Knopfes passiert sein? Geben Sie dem Knopf eine eigene Stimme. Lassen Sie ihn lebendig werden und schreiben Sie eine Ich-Erzählung aus seiner Sicht.
  • Mona Lisas Lächeln
    Bilder können zum Schreiben inspirieren. Nehmen Sie sich z.B. Ihr letztes Urlaubsbild und versetzen Sie sich noch einmal zurück an den Strand in Goa, den Pub in Irland, die Wüste in Namibia. Schreiben Sie dann eine Urlaubsgeschichte – wahr oder erfunden. Das Ganze funktioniert auch mit einem Babybild von Ihnen. Schauen Sie sich ein Foto von sich als Säugling an und erzählen Sie die Geschichte Ihrer Geburt – gerne fantasievoll, da müssen Sie es mit der Wahrheit nicht so ganz genau nehmen. Übrigens: Solche Kreativübungen funktionieren natürlich nicht nur mit Fotos, auch Gemälde von berühmten Künstlern laden zum fantasievollen Schreiben ein. Arbeitstitel: "Warum lächelt Mona Lisa?"
  • Zitierwürdig
    Wählen Sie ein bekanntes Zitat, z.B. aus einem Film, und konstruieren Sie eine völlig neue Geschichte drum herum. Beispiel: "Schau mir in die Augen, Kleines".
  • Ich machte die Schachtel auf und dann ...
    ... ja, was dann? Was um Himmels willen ist in der Schachtel? Ein Geschenk oder doch eine unangenehme Überraschung? Vielleicht sogar ein lange gehütetes Geheimnis? Machen Sie Ihre Schachtel auf und schreiben Sie drauf los!
  • So ein dummes Ding!
    Denken Sie an ein Objekt, z.B. einen Handmixer. Stellen Sie sich das Ding genau vor und beschreiben Sie es. Plötzlich werden Sie wütend. Sie hassen dieses Ding. Schreien Sie es an. Doch was ist das? Plötzlich schreit das Ding zurück! Schreiben Sie ein Streitgespräch.
  • Meine Seele hört im Sehen
    Synästhesie nennt man die Verbindung unterschiedlicher Wahrnehmungsbereiche, z.B. Hören und Sehen. Für Synästhetiker riecht ein Parfüm z.B. blau, d.h. mehrere Sinneseindrücke, wie Farbempfinden und Geruchssinn, verschmelzen miteinander. Für einen literarischen Text bieten synästhetische Eindrücke besonders kreative und neue Betrachtungsweisen der Welt um uns herum. Probieren Sie doch mal diese kleinen Übungen aus, um ein Gespür dafür zu bekommen.

    Wie klingt Liebe?
    Was ist die Farbe von Hass?
    Wie geht Neid?
    Wonach schmeckt Trauer?
    Wo lebt Kummer?
    Was ist die Farbe von Stille?
    Wie spricht Traurigkeit?
  • Sinnliches Erlebnis
    Nehmen Sie eine Orange und erleben Sie sie mit all Ihren Sinnen. Wie sieht sie aus, wie fühlt sie sich an, wonach riecht sie, was kann man alles mit ihr machen? Wie verändert sie sich, wenn man sie schält, wie schmeckt sie, was würde ein Kind damit machen? Kauen, ausspucken, ins Gesicht reiben – alles ist erlaubt. Notieren Sie dabei Ihre Erfahrungen und lernen Sie die Welt um sich herum neu begreifen. Von solch außergewöhnlichen Sichtweisen kann ein literarischer Text nur profitieren!
  • Explosiv
    Schritt 1: Überlegen Sie sich einen Ort.
    Schritt 2: Erfinden Sie eine Figur, die sich normalerweise an so einem Ort aufhalten würde: Wie alt ist sie? Wie sieht sie aus, welche Charaktereigenschaften hat sie? Wie spricht sie? Was sagt ihre Körpersprache über sie aus?
    Schritt 3: Lassen Sie Ihre Figur auf eine weitere Person treffen und eine Unterhaltung mit ihr beginnen.
    Schritt 4: Jetzt jagen Sie Ihren Ort in die Luft: Vielleicht explodiert eine Bombe, vielleicht kriegt jemand einen Wutanfall, vielleicht wirft jemand mit einem Stein eine Scheibe ein – Sie entscheiden.
    Schritt 5: Wie reagieren Ihre Charaktere? Was passiert mit ihnen?
  • Und zu guter Letzt ...
    ... halten Sie die Augen offen. Interessante Wörter und Ausdrücke gibt es eigentlich überall. Auf Verpackungsmaterial, Werbung, Magazinen ... . Wenn Sie irgendwo ein faszinierendes Wort finden, dann schneiden Sie es aus und sammeln Sie es in einer Kiste. Mit der Zeit haben Sie so einen reichen Wort-Schatz. Mischen Sie die Ausschnitte und kombinieren Sie sie miteinander – so finden Sie garantiert schnell Anreize für neue Geschichten.
  • Noch mehr Tipps gefällig?
    Vom 22. bis zum 24. März halten Bodo Kirchhoff und seine Frau Ulrike Bauer von jeweils 12 bis 16 Uhr einen dreitägigen Autorenworkshop im Landhaus Bärenmühle. Im Rahmen intensiver Einzel- und Gruppengespräche werden gemeinsam mit den Workshop-Teilnehmern einzelne Texte diskutiert, Themen weiterentwickelt und Stilmittel beleuchtet. Das Motto : "Schreib’s auf!". Preis: 350 € (inklusive Snacks und Getränke).
    Der Workshop findet im Rahmen des Literarischen Frühlings 2013 statt, einem Literatur-Festival auf den Spuren der Brüder Grimm.
  • Artikel vom 21.02.2013
  • Text: Verena Zimmermann
BRIGITTE WOMAN
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