Autobiografie
Elizabeth Gilbert - Suche nach dem Ich

Elizabeth Gilbert weiß, wie tief man fallen muss, um wirklich hoch zu fliegen. Ihr Selbstfindungs-Bestseller "Eat, Pray, Love" wurde jetzt mit Julia Roberts in der Hauptrolle verfilmt.

Die Frau, die ein Jahr lang um die Welt reiste, um sich und die Liebe wiederzufinden, mag es zu Hause heimelig. Für eine Kosmopolitin lebt Elizabeth Gilbert geradezu in der Pampa. Frenchtown, New Jersey, heißt der 1500- Seelen-Ort: überall Bäume, Flüsse und die nächsten Großstädte New York und Philadelphia fast zwei Stunden entfernt. Ob ihr hier nicht die Decke auf den Kopf fällt, will man fragen, sieht ihrem zufriedenen Gesicht aber das Gegenteil an. Die Autorin ist glücklich - und stolz, auf "Two Buttons", einen großen Laden mit asiatischen Masken, Möbeln und Krimskrams, den sie mit ihrem brasilianischen Mann José von den Einnahmen ihres Bestsellers "Eat, Pray, Love" kaufte.

Dass das Buch mit Julia Roberts - einem großen Fan der Geschichte - verfilmt wird, findet Gilbert toll. Mehr aber auch nicht. Stärker beschäftigen sie die anstehende Gemeindeversammlung und ihr Kräutergarten. Dass sie einmal mit Begeisterung in der Erde buddeln und ihre Kräutermischungen im Ort verschenken würde, hätte die frühere Vollblut- Großstädterin nie gedacht. Ein bisschen sei das für sie wie die Pflege einer Beziehung: Nicht jeder Keim packe es, aber mit Geduld und Liebe werde aus den Samen ein dichtes Geflecht.

Brigitte Woman: Sie wirken sehr entspannt. Schwer zu glauben, dass Sie vor ein paar Jahren die Nächte heulend auf dem Badezimmerboden verbrachten. Ihre Ehe war am Ende, Sie litten unter Depressionen und Selbstzweifeln. Der deutsche Autor Janosch hat mal gesagt: "Es geht darum, im Leben den Absturz zu üben." Sie sind tief gestürzt. Fühlen Sie sich heute sicher auf den Beinen?

Elizabeth Gilbert: Sicherer als vor fünf Jahren auf jeden Fall. In dem Zitat steckt viel Wahrheit. Nur habe ich damals Abstürze nie als Übung fürs Leben angesehen, sondern als lästig abgetan. Ich war ignorant. Wer 15 Autounfälle hintereinander hat, müsste doch einsehen, dass er ein miserabler Fahrer ist. Er sollte sich dringend zur Nachschulung anmelden. Ich dagegen bin mit dem Fuß auf dem Gas von einer scheiternden Beziehung zur nächsten gerast.

Brigitte Woman: Bis zum nächsten Aufprall.

Elizabeth Gilbert: Ja, bis der Aufschlag dann einmal zu hart war. Und mich zwang, endlich anzuhalten.

Brigitte Woman: Sie sprechen von Ihrer Scheidung.

Elizabeth Gilbert: Seit ich 14 war, war ich immer liiert. Unendlich verliebt, dann am Boden zerstört und kurz darauf wieder unendlich verliebt. So ging das fast 20 Jahre lang. Mit der Scheidung erkannte ich, dass es in allen meinen romantischen Fehlgriffen einen gemeinsamen Faktor gab: mich. Ich war bei jedem Desaster dabei. Ich war der Faden, der alle Episoden verband.

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  • Text: Manuela Imre
    Fotos: Michael Christopher Brown
    Foto (Film): Cinetext
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