Åsa Larsson

Ermittlungen im Eis

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In Kurravaara zum Beispiel. 13 Kilometer nördlich von Kiruna liegt das Dorf, ihr Vater ist dort aufgewachsen. Es ist dunkel geworden, aber nicht düster, der Schnee reflektiert das Mondlicht. Oft flackert an Abenden wie diesen das Nordlicht am Himmel. Heute nicht. Der Weg führt über den Torne Älv, den größten Fluss Lapplands, den Fluss, aus dem man die Leiche von Wilma holt, dem tauchenden Mädchen im neuen Buch. Ihr Tod bleibt lange Zeit ein Rätsel. Aber dann stellt sich heraus, das Wilma unfreiwillig einem Geheimnis auf der Spur war, das zurückreicht in die Zeit der Nazi-Besatzung, in der einige Menschen in ihrer Umgebung eine große Schuld auf sich geladen haben. Larsson liebt so etwas: Geschichte und Geschichten vermischen. Deshalb sind ihre Figuren auch Freunden und Verwandten nachempfunden, sind Orte wirklich und Häuser echt. "Da vorn ist es", sagt sie. Kurravaara, ein paar unscheinbare Häuser auf großen Grundstücken, Platz ist hier genug. Sie biegt ab in den Erik-Larsson-Väg, benannt nach ihrem Großvater. Sein Haus steht in der Biegung, grau, zwei Stockwerke, aus Eternit. Die Fensterläden sind geschlossen, hier war schon länger niemand mehr. Åsa Larsson hüpft in den Garten, "komm, von hinten kann man mehr vom Haus sehen!", der unberührte Schnee geht ihr bis an die Oberschenkel.

Åsa Larsson: "Bis dein Zorn sich legt" (Ü: Gabriele Haefs, 347 Seiten, 19,95 Euro, C. Bertelsmann)

Das Haus gehört jetzt ihrer Tante und ihrem Cousin. Sie nutzen es als Ferienhaus. Larsson dagegen nutzt es immer: In ihren Büchern wohnt hier Rebecka Martinsson, es ist das Haus, das sie bezieht, als sie sich entschließt, ihre Anwaltskarriere in der Hauptstadt sausen zu lassen. Ihr Freund in Stockholm drängt Rebecka im neuen Buch immer wieder zur Rückkehr. "Ich muss hier sein", sagt Rebecka zu ihm, "ich kann nicht anders." Als hätte der Norden einen Sog, der einen nicht loslässt - so empfindet sie diese Gegend. Ein Weg führt zum Fluss hinunter, der jetzt keiner ist, sondern ein breites, langes Band aus Eis. Der Schnee knistert unter den Füßen, es ist das einzige Geräusch. Diese Stille. Dieser Frieden, tiefgefroren bei minus 28 Grad. Åsa Larsson atmet tief ein, die Härchen in der Nase frieren zu Klumpen. "Irgendwann will ich wieder hier leben", sagt sie, "genau hier."

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  • Fotos: Stefan Volk
    Text: Stephan Bartels
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